12.09.2013 08:04 Großartige Aufführungen der Schüler/-innen

Erfolgreiches Festival "Sacre du Printemps" - Fast 3000 Men- schen bejubelten emotionale Choreographie auf 3 Lichtbühnen

3 Tanzbuehnen aus Licht faszinierten das Publikum

3 Tanzbühnen aus Licht faszinierten das Publikum. © Nils König

Tanzreigen mit Ballettschuelerinnen auf dem Festival Sacre du Printemps

Bild 2: Tanzreigen mit Ballettschülerinnen © Nils König

Von: GFDK - Nils König - 2 Bilder

Beide Abendveranstaltungen ausverkauft, fast 1000 Besucher schon bei den Werkeinführungen und ca. 800 Gäste beim „Tanzreigen“ am Samstag Nachmittag, als die Schulgruppen ihre im zurückliegenden halben Jahr erlernten tänzerischen und musikalischen Fähigkeiten vorführten – die Veranstalter vom GSO und der GWG waren sichtlich zufrieden!

„Wir haben großartige Aufführungen erlebt: die fast 80 Schülerinnen und Schüler sind über sich hinaus gewachsen, die SolistInnen haben das Publikum begeistert und das GSO hat sich beim Sacre-Stück geradezu in einen Rausch gespielt!“ schwärmte Projektkoordinator Nils König voller Begeisterung.

Festival in Deutschland

Vor der Premiere am Freitag hatte Michael Schäfer mit Bildern, Musikausschnitten und einem kleinen Film in die Werke des Abends eingeführt. Als die Zuschauer dann die Lokhalle betraten, staunten sie über einen ungewöhnlichen Aufbau: die beiden Tribünen und die Orchesterbühne bildeten ein Dreieck, in dessen Mitte sich keine Bühne, sondern der nackte graue Beton des Lokhallenbodens befand. Erst als das Licht ausging, erschienen 3 große Kreise – 3 Bühnen aus Licht, die im Laufe der Aufführung ihre Farben dezent oder expressiv änderten. Manchmal flossen die 3 Kreise zu einem Mittelkreis zusammen, dann wieder wurden sie durch Lichtbrücken verbunden.

Während bei Judith Karas Choreographie zu Beethovens 5. Sinfonie – der „Schicksalssinfonie“ – noch die Musik im Vordergrund stand und die 17 Tänzerinnen ihrer Ballettschule das Werk mit eindringlichen Tanzbildern untermalte, zog sie bei Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ alle Register der tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten und zauberte eindrucksvolle Szenen in das farbige Bühnenlicht. Dabei gelang es ihr wunderbar, den Alterstufen und tänzerischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler entsprechende Tanzbilder zu entwerfen, die neben den faszinierenden und großartigen Auftritten der SolistInnen in ihrer Einfachheit und Frische emotional berührten. So erfreuten die Drittklässler der Albanischule mit ihren Kuscheltieren das Publikum genauso wie die schon sehr professionell wirkenden Tanzformationen der Ballettschul-Mädchen.

Das Thema von Judith Karas Choreographie war dabei nicht ein Frühlingsopfer-Ritual wie in der russischen Originalchoreographie, sondern die individuelle Opferbereitschaft einer jungen Frau der heutigen Zeit. Was muss sie erdulden, wogegen sich wehren, was wird ihr aufgezwungen, wie findet sie einen eigenen Weg, was macht sie stark für das Leben! Kara beschrieb diesen Kampf mit eindringlichen Bildern aus verschiedenen Lebensphasen und ließ dabei ihre Hauptperson als junge Frau (getanzt von der begeisternden Ufuoma Essi) und als Kind (dargestellt von der anrührenden Moana Krewenka) nacheinander oder auch gleichzeitig auftreten. Darüber hinaus spiegelte sie die auf die Frau oder das Kind wirkenden Einflüsse und Emotionen an einer Puppe, die die gleichen Leiden durchmachen musste.

Die übrigen 7 Solistinnen und der Solist standen für diese Emotionen und Verhaltensweisen und drückten sie tänzerisch und mit verschiedenfarbigen Trikots aus, die sie dann auszogen und der jungen Frau überstülpten – genau so, wie es auch das Kind mit ihrer Puppe machte. Im dramatischen Schluss-Solo der jungen Frau riss diese sich die Kleider Schicht für Schicht vom Leib und befreite sich so langsam von allem Einschüchternden, Erniedrigendem und Fremdbestimmten. Bis sie zum Schluss selbst über ihr Leben in die Hand nahm – und sich für ein Trikot entschied. Diese mit starken Tanzbildern dargestellte Entwicklung wurde ergänzt durch die parallelen Auftritte der Schülerinnen und Schüler, die alltäglichen Auseinandersetzungen und prägende Erlebnisse wie das weggenommene Kuscheltier oder das missbrauchte Vertrauen auf eindringliche Weise tänzerisch vorführten.

Wir lieben Festivals... weil sie Musik erlebbar machen

Dass das Publikum ergriffen und gebannt die Auftritte verfolgte, lag aber nicht zuletzt an der expressiven und rhythmischen Musik Strawinskys, die das GSO in einer Präzision und musikalischen Qualität darbot, wie man es nicht oft bei dieser schwer zu spielenden Musik erleben kann. Christoph-Mathias Mueller führte das Orchester eindringlich und mit faszinierenden Spannungsbögen zu einer Höchstleistung wie selten zuvor und vollendete so den Genuss der Tanzaufführung.

Zum Schluss gab es tosenden Beifall für alle Beteiligten; und das sowohl für die Schülerinnen und Schüler aus dem MPG, der Montessorischule, der Albanischule und der Oberschule Groß Schneen als auch für die wunderbaren Solistinnen und den Solisten und das großartig aufspielende Orchester.

Dieses hatte am Samstag Nachmittag bei der „Tanzreigen“-Veranstaltung im Lokhallen-Foyer zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus Musikklassen der IGS und des Hainberg Gymnasiums Ausschnitte aus Werken von Strawinsky und Beethoven gespielt und die stolzen Kinder, die zum Teil erst ein Jahr ihr Instrument lernen, glücklich gemacht. Auch die jungen Tänzerinnen und Tänzer zeigten ihr Gelerntes auf fröhliche Weise in Kurzauftritten und rundeten so den Nachmittag ab.

„Der große Erfolg des Festivals macht uns Mut für neue Projekte und Aufführungen mit Modernem Tanz und klassischer Musik in Göttingen!“ erklärten Christoph-Mathias Mueller, Judith Kara und Nils König übereinstimmend.

 

Nils König

Wendenstr. 4

37073 Göttingen

e-mail: nilskoenig1@gmx.de