19.03.2013 09:05 Die Sonne geht auf!

3. Internationale Chorbiennale vom 12. bis 23. Juni 2013 - Initiatoren stellten Chöre und Programm der kommenden Chorbiennale vor

3. Internationale Chorbiennale vom 12. bis 23. Juni 2013 - Initiatoren stellten Chöre und Programm der kommenden Chorbiennale vor

Pressekonferenz der Chorbiennale Quelle: Chorbiennale

Von: GFDK - Evelin Woelk

Sonnenschein versprach Stadtdirektor und Kulturdezernent Wolfgang Rombey im Hinblick auf die kommende Chorbiennale. Denn wenn vom 12. bis 23. Juni wieder die Internationale Chorbiennale  in Aachen stattfindet, kommen in diesem Jahr zwei südamerikanische Chöre – Grupo Canto Corale Buenos Aires/Argentinien und der Coro da Camerata Antiqua de Curitiba/Brasilien, dazu den Hamralith–Collegechoir aus Reykjavik/Island und das Ensemble Sirenot aus Israel.

Der Künstlerische Produktionsleiter Ansgar Menze referierte die neidisch machenden,  aktuellen Wetterdaten der Städte, aus denen die Gastchöre anreisen. Das allein würde schon das Festivalmotto verdeutlichen, das  2013 „Kontraste“ heißt. Entsprechend wird es zu einer interkontinentalen Begegnung von Aachener Chören mit Chören aus Lateinamerika, der nördlichsten Stadt der Erde und aus Vorderasien kommen. Das Gastspiel des brasilianischen Chores, der im Austausch mit Carmina Mundi steht, wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Goethe-Instituts in Verein mit dem Auswärtigen Amt.

GMD Abdullah setzt Akzente

Während das bewährte Chorleiterteam mit Prof. Fritz ter Wey (Der Junge Chor Aachen), Harald Nickoll (Carmina Mundi), Hans Leenders (Madrigalchor Aachen) und Martin te Laak (Aachener Kammerchor) nach den Chorbiennalen 2009 und 2011 quasi in die dritte Runde geht, ist das Festival für den neuen Generalmusikdirektor Kazem Abdullah eine Premiere. Für seinen Einstand hat er anlässlich des Wagnerjahres mit „Die Meistersinger von Nürnberg“ die Oper aufs Programm gesetzt, die leitmotivisch auch über der Chorbiennale stehen könnte: Sängerwettbewerb und Funktion der Kunst als einheitstiftendes Element in einer Bürgergesellschaft. Gleichwohl wird die Wagneroper, deren großes Festwiesenfinale aus dem 3. Akt im Eurogress auf dem Programm steht, gemäß dem Festival-Motto „KONTRASTE“ mit Kompositionen des 20. Jahrhunderts in Beziehung gesetzt.

Während Claude Debussy, stets ein großer Wagner-Bewunderer, für die Weiterentwicklung der Wagnerschen Instrumentationskunst steht (und so Wagner und seinen in den „Meistersingern“ zum Ausdruck gebrachten Chauvinismus  „gegen den welschen Tandt“ widerspricht), leitete Arnold Schönberg seine Zwölftonmusik von Wagner ab. Sein erschütternder Bericht „Ein Überlebender aus Warschau“ nimmt zudem Stellung  zu der teils verhängnisvolle Rezeption dieser Wagneroper mit seinen rassistischen Konnotationen.

Rekordverdächtig: Neues „Sing along“

Einen ganz neuen Akzent setzt Abdullah mit dem neuen „Sing along“, das  zum „Tag der Musik“ am 15. Juni ein rekordverdächtiges Konzert auf dem Katschhof werden könnte. Begleitet vom Aachener Studentenorchester (ASO) erklingen einige Verdichöre (es ist auch Verdijahr) sowie Werke von Händel und Beethoven. Den Chor des open-air-Konzertes bildet dabei das Publikum selbst.

Der genaue Ablauf und die Probenaufteilung wird in den nächsten Wochen bekannt gegeben. So gäbe es jetzt ein Format, das nicht nur die Chorklänge des mitternächtlichen „Farewell“ mit Orchesterbegleitung veredelt; alle Chöre und Sänger hätten endlich auch die Möglichkeit, unter Leitung von Kazem Abdullah Meisterwerke aus Oper und Oratorium vor beeindruckender Kulisse zu singen. Da die Organisatoren 2013 in Gegensätzen denken, wird diese Großveranstaltung eröffnet durch die Kleinsten: Alle Grundschüler, die  am JEKISS-Programm der Städtischen Musikschule teilnehmen („Jedem Kind seine Stimme“), sind eingeladen, im Vorfeld einen bunten Reigen an internationalen Liedern aufzuführen.

Gastspiel mit VOCES8

Dass dieser vom Deutschen Musikrat ausgerufener „Tag der Musik“ mit einem Late night Concerto in der Citykirche St. Nikolaus mit der Ausnahme-Formation „VOCES8“ aus England ausklingen wird, lässt eingefleischte Chorfans frohlocken. Diese acht Sängerinnen und Sänger haben sich in kurzer Zeit an die Spitze des A-cappella-Gesangs gesungen und schrecken in ihren Konzerten nicht davor zurück, frühe Vokalpolyphonie mit virtuosen Pop-Arrangements zu kontrastieren oder feinste klassische Chormusik in Jazz-Standards aufgehen zu lassen. Ein Genuß der Sonderklasse, schwärmte Harald Nickoll von Carmina Mundi.

Immer schon „Speaking in Tongues!“

Wie  der Leiter des mit veranstaltenden Kulturbetriebs, Olaf Müller, betonte, steht die diesjährige Chorbiennale auch als Botschafter für die  Bewerbung Maastrichts und der Rhein-Maas-Euregio um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ 2018. Da mit „Studium Chorale Maastricht“ und „Witloof Bay Namur“ bereits zwei international renommierte Profiensembles aus der euregionalen Nachbarschaft zu Gast waren und die Liste der weiteren bisher teilgenommenen Chöre aus Belgien und den Niederlanden ebenso lang wie bunt gemischt ist, sei die Unterstützung von VIA 2018 Ehrensache.

Der grenzüberschreitende Austausch sei ein besonderes Merkmal der Aachener Kulturlandschaft und wird bei der Chorbiennale besonders deutlich, wo man ebenfalls exakt mit dem Slogan von VIA 2018 formulieren könnte: „Speaking in Tongues!“. Als besonderes Bonbon wird bei der Chorbiennale die von Hans Leenders herausgegebenen „Motetta brevia de tempore“ des Maastrichter Komponist Marcus Teller mit dem Madrigalchor Aachen und Solisten und Musikern aus Maastricht erstaufgeführt.

Mehrere Uraufführungen

Hans Leenders wurde auch von der Chorbiennale zur Komposition eines neuen Chorwerkes beauftragt. Das für vier Chöre komponierte Werk basiert auf der „Ballade vom äußeren Leben“ von Hugo von Hofmannsthal und wird bei der Biennale uraufgeführt. Auch der israelische Chor mit seiner Leiterin Shosh Lagil hat ein bis zwei Uraufführungen in Aussicht gestellt. Nachdem 2011 eine Auftragskomposition aus Kostengründen nicht realisiert worden war, würden, so freute sich Rombey, mit diesen Beiträgen erneut Distinktion und Beispielhaftigkeit der Chorbiennale unterstrichen.

Keyvisual mit Hinguck-Effekt

Von der Agentur mecca neue medien wurde für die Chorbiennale das Festivalmotto „Kontraste“ in zweifacher Weise visualiert. Zum einen wird mit gleich sieben Choristen eine erstaunliche Bandbreite an Gesichtern präsentiert: Johannes Konrads (Jg. Chor) gibt den fortgeschrittenen Semestern ein Gesicht, Chidinma ist eines der JEKISS-Kinder, Carolina Ribbing (Carmina Mundi) kommt aus Schweden, Hanne Bollen (Madrigalchor) aus den benachbarten Niederlanden, Tim Isensee (Aachener Kammerchor) repräsentierte schon in den Vorjahren die Chorbiennale, Martin Feinendegen (von Carmina Mundi) und Teresa de Luca (Aachener Kammerchor) runden den Bilderbogen ab.

Alle Models halten eine Maske, auf der ihr Gesicht ein zweites Mal abgebildet ist – auf dieser in einer konzentrierten Sängerpose (Photographie Olaf Rohl). So begibt sich ein Chorist beim gemeinsamen Chorgesang auf eine höhere Ebene und lässt seine Individualität hinter sich, geht vielmehr im gesamten Chorklang auf und formt ihn mit. Dieser Kontrast zwischen Individuum und Chorgesang zeigt sich auch darin, dass das Gesicht mit der Sängerpose in der Farbigkeit des Hintergrundes aufgeht.

 

Kurzbiographien zur Internationalen Chorbiennale 2013

Der 1974 von Roberto de Regina gegründete Coro da Camerata Antiqua de Curitiba wird von der Fundação Cultural de Curitiba, dem Kulturamt Curitibas, getragen. Standen mit dem angegliederten, ebenfalls professionellen Kammerorchester zunächst die großen Werke Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit, wurde ab 1982 das Repertoire auf A-cappella-Kompositionen vom gregorianischen Gesang bis zur Gegenwart ausgedehnt. Neben brasilianischer Musik ist ein besonderes Markenzeichen des Chores auch die szenische Wiedergabe von Chormusik.

www.fundacaoculturaldecuritiba.com.br/musica/grupos

 

Das Ensemble Sirenot unter Shosh Lagil repräsentiert die junge impulsive und brodelnde Kultur Israels. Verbunden mit Bewegung und Schauspiel pflegt das klein besetzte Frauenen­semble ein polyphones (Klang-)Gebilde, das aus der Verbindung von kraftvoller Stärke, rei­cher Vielschichtigkeit und Vitalität resultiert.

 

Die mehrfach preisgekrönte Grupo de Canto Coral aus Buenos Aires wurde 1973 von ihrem heutigen künstlerischen Direktor Néstor Andrenacci gegründet, der zu den wichtigs­ten Chordozenten seines Landes zählt. Das Repertoire schließt auch zeitgenössische Werke ein, die teils speziell für den Chor komponiert wurden. Regelmäßig gastiert der Chor auf den wichtigen Konzertpodien Argentiniens in Süd- und Mittelamerika sowie in Europa.

www.gcc.org.ar

 

Der Hamrahlíðkorinn setzt sich aus Schülern des Hamrahlíð-College in Reykjavík zusam­men und wurde 1967 von seiner gegenwärtigen Dirigentin Þorgerður Ingólfsdóttir gegrün­det. Obwohl er in erster Linie der musikalischen Erziehung dient, gehört der Hamrahlíðkorinn zur musikalischen Speerspitze Islands. Viele Musikerpersönlichkeiten Islands stammen aus diesem Chor, der 23 Länder bereiste und für den über 90 Werke komponiert wurden, unter anderem von Komponisten wie John Cage, Vagn Holmboe und Arvo Pärt.

www.hamrahlidarkorarnir.wordpress.com

 

Mit seiner unkonventionellen Art hat sich VOCES8 in kürzester Zeit an die Spitze der A-cappella-Welt gesungen. Absolut im Einklang mit dem Festivalmotto KONTRASTE werden die acht jungen Briten frühe Vokal-Polyphonie, originelle Jazz-Arrangements, klassische Chorwerke und Popmusik unerschrocken aufeinander treffen lassen.

www.voces8.com

 

Der WDR Rundfunkchor Köln ist seit Gründung ständiger Gast der Chorbiennale. Dieses Jahr reist der Chor unter der Leitung von Nicolas Fink mit großartigen russischen Chorklän­gen an. Unter den historisierenden Fresken von Alfred Rethel im Krönungssaal erhält das „Großen Abend- und Morgenlob“ op. 37 von Sergei Rachmaninow aus dem Jahre 1915 eine weitere ungewohnte Dimension durch die simultane Interpretation von vier Tänzern.

www.wdr.de/radio/orchester/rundfunkchor

 

Vor seiner Karriere als Tänzer schloss Karel Vaněk in Prag das Studium der Mathematik ab. Aus dem tschechischen Litvínov stammend wurde Vaněk 1993 von ITI ausgewählt, bei des­sen Münchner Weltkongress den Choreographie-Workshop zu leiten. 1996 wurde er zum Leiter des skandinavischen New Dance Workshop DANS 96 in Stockholm berufen. Neben den Inszenierungen für Černá & Vaněk Dance choreographierte er für New Prague Dancers, das Tschechische Fernsehen, das American Dance Festival, das Schweizer Kammerballett und drei abendfüllende Stücke für das Choreographische Theater Bonn  („Intermundium“ , 1999;  „Es reut mich f...“, 2000; und  „Hidden“, 2002).

 

Der Berner Dirigent Nicolas Fink absolvierte an der Musikhochschule Luzern ein Studium mit Gesang auf Konzertdiplom und Dirigieren, das er mit Auszeichnung abschloss. 2005 nahm Fink in Haarlem an der 3. Eric Ericson Masterclass unter Simon Halsey teil, der seit diesem Zeitpunkt sein wichtigster Förderer ist. 2006 erfolgte die Einladung an das renom­mierte Tanglewood Music Center in den USA unter Bernard Haitink und James Levine. 2008 erlangte Nicolas Fink am Internationalen Symposium für Chormusik in Kopenhagen (DK) neue Impulse von Erwin Ortner. Seit 2010 zeichnet er sich als Assistent beim Rundfunkchor Berlin für Einstudierungen wie Tannhäuser (für Marek Janowski), Gurrelieder (für Lothar Zagrosek), Weihnachtskonzert (für Eric Whitacre u.a.) verantwortlich. Er ist seit 2012 Chefdi­rigent von Kor Vest in Norwegen und dirigiert als Gast die Chöre des MDR.

Prof. Fritz ter Wey war bis zu seiner Emeritierung Leiter des Fachbereichs Chorleitung und Chorerziehung an der Musikhochschule Detmold. Zahlreiche Gastdirigate bei Chorfestivals in Europa und Lateinamerika sowie bei in- und ausländischen Rundfunkchören. Der Junge Chor Aachen errang bisher zwölf erste Preise bei renommierten Chorwettbewerben. Zahl­reiche Uraufführungen und CD-Produktionen sind in Zusammenarbeit mit dem WDR ent­standen.

www.der-junge-chor-aachen.de

 

Der international ausgezeichnete Madrigalchor Aachen steht unter Leitung von Hans Leenders, Dozent für Chorleitung beim jährlichen Kurt-Thomas-Dirigentenkurs in Utrecht, Professor für Orgel am Maastrichter Konservatorium und künstlerischer Leiter des professio­nellen Kammerchors Studium Chorale Maastricht.

www.madrigalchor-aachen.de

 

Der Aachener Kammerchor blickt auf eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland sowie auf CD-Produktionen und Rundfunkeinspielungen. Sein Leiter Martin te Laak gründete 1985 die Overbacher Singschule, mit deren Chören er beim Deutschen Chorwettbewerb und Landes­chorwettbewerb mehrfach als Preisträger ausgezeichnet wurde und die er bis 2012 leitete. Im gleichen Jahr wechselte er zur neu gegründeten Jülicher Vocalwerkstatt. www.aachener-kammerchor.de

 

2006 gewann Harald Nickoll mit dem von ihm gegründeten Kammerchor Carmina Mundi den Deutschen Chorwettbewerb in Kiel, was der Auslöser für die Internationale Chorbiennale Aachen war. Der Chor ist mit mehreren CDs – darunter beachtenswerte Erstveröffentlichun­gen – auf dem internationalen Plattenmarkt vertreten.

www.carmina-mundi.de

 

Als studentische Eigeninitiative wurde vor zwanzig Jahren das Aachener Studentenorchester gegründet, welches aktuell 90 Studenten, aber auch Ehemaligen, die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren bietet.

www.aso.rwth-aachen.de

 

Der US-amerikanische Dirigent Kazem Abdullah ist neuer Generalmusikdirektor der Stadt Aachen. Er begann seine musikalische Laufbahn als Klarinettist, wechselte dann zum Diri­gieren. U.a. Metropolitan Opera in New York, Mexico City Philharmonic, Oregon Symphony, Orquestra de São Paulo, Théâtre du Châtelet de Paris, Staatskapelle Weimar, Finnish Radio Orchestra, die Helsinki Philharmoniker und das Tanglewood Music Center Orchestra.

www.kazemabdullah.com

 

Mit der Produktionsleitung und Geschäftsführung der Chorbiennale 2013 ist erneut Ansgar Menze betraut. Darüber hinaus ist er sowohl als Dramaturg wie als Produktionsleiter für eine Zahl weiterer Projekte in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Deutschland verant­wortlich.

Nach dem Studium der Musikwissenschaft, Neueren deutschen Literaturwissenschaft und Staatsrecht in Bonn und Wien (Abschluss: Magister artium) und Voluntariaten bei der Oper der Stadt Bonn, den Internationalen Beethovenfestspielen Bonn sowie beim Collegium musicum der Universität Bonn (hier u. a. Leitung von Deutschlandtournee des Konservatori­umsorchesters Kairo, NRW-Universitätsmusiktag 2000, der Universitätsmusikwochen 1998 und 2001), war er Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros Theater Aachen.

 

Weitere Informationen über die Chöre und das Programm finden Sie auf unserer Homepage unter www.chorbiennale.com

 

 

 

Evelin Wölk

Pressesprecherin/Redakteurin
Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Haus Löwenstein
Markt 39, 52058 Aachen

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