10.06.2013 08:30 Sendetermin: Dienstag 11.6.2013, ab 23:45 Uhr Arte

TV-Tipp: Stummfilmklassiker "Die Reise zum Mond" sowie Dokumentation über den Filmpionier Georges Méliès

Stummfilmklassiker Die Reise zum Mond

Erst 1999 begannen Eric Lange und Serge Bromberg von Lobster Film in langwieriger Kleinarbeit, die unsortierten Fragmente zu sichten und zu nummerieren, doch es brauchte noch elf weitere Jahre, bis der Film nach aufwendiger Restaurierung in seiner farbigen Originalfassung wieder gezeigt werden konnte. © 2011 Lobster Films/Fondation Groupama Gan/Fondation Technicolor/ARD

Von: Arte

Als der französische Filmpionier George Méliès 1913 vor dem Bankrott seiner kleinen Filmfirma steht, zerstört er den Großteil der Negative, um diese nicht in die Hände des Rechtsfolgers übergeben zu müssen, der großen Filmfirma Pathé. Glücklicherweise stieß die Filmoteca de Catalunya 1933 auf eine Fassung seines wohl größten Erfolges, "Die Reise zum Mond" (1902), die jedoch wegen ihres äußerst schlechten Zustandes nicht mehr projiziert werden konnte.

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Die fehlenden technischen Mittel und die Ehrfurcht vor dem historischen Dokument hielten Méliès' Film für viele Jahre hinter verschlossenen Türen. Erst 1999 begannen Eric Lange und Serge Bromberg von Lobster Film in mühsamer Kleinarbeit, die unsortierten Fragmente zu sichten und zu nummerieren, doch es brauchte noch elf weitere Jahre, bis der Film nach aufwendiger Restaurierung in seiner farbigen Originalfassung wieder gezeigt werden konnte.
Das abenteuerliche Restaurierungsprojekt wurde von Serge Bromberg und Eric Lange in einem Dokumentarfilm festgehalten. Er vermittelt einen genauen Einblick in den enormen technischen und handwerklichen Aufwand bei der Rekonstruktion des Films, der lange Zeit nur in Schwarz-weiß zu sehen war und nun nach aufwendiger Kolorierung von Hand wieder - wie ursprünglich - in Farbe vorliegt. Die Restaurierung stellte aufgrund der starken Materialzersetzung eine große technische Herausforderung dar, da die fragmentierten Filmbilder wie ein Puzzle zusammengesetzt werden mussten, bevor sie digital bearbeitet werden konnten. Alle Einzelbilder wurden gescannt und digital retuschiert und zuletzt zu der neuen Farbversion zusammengefügt.
An dem Mammutprojekt der Restaurierung waren neben der französischen Firma Lobster Films auch die international agierende Technicolor Foundation for Cinema Heritage und die Die Groupama Gan Foundation for the Cinema beteiligt. Die in Koproduktion entstandene restaurierte Fassung von " Die Reise zum Mond" feierte ihre Erstausstrahlung 2011 in Cannes und wurde anschließend auf Filmfestivals weltweit gezeigt.

Zu "Die Reise zum Mond" ließ sich Méliès 1902 von Jules Vernes "De la Terre à la Lune" und H. G. Wells "The First Men in the Moon" inspirieren und schuf in den frühesten Anfängen des Kinos einen der ersten fiktionalen Filme überhaupt, der durch seine künstlerisch-technischen Eingriffe auch den Grundstein zum Science-Fiction Film legte. Der Stummfilm mit Produktionskosten von 10.000 Goldfranken, wurde im Mai 1902 gedreht und im August desselben Jahres zum Verleih angeboten. 2002 wurde "Die Reise zum Mond" ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Georges Méliès (1861-1938), mit vollständigem Namen Marie-Georges-Jean Méliès, gilt als der Erfinder des fiktionalen Films und als Pionier der Special Effects.. Zufällig entdeckte er 1896 den Stop-Trick, das heute noch verwendete klassische Animationsverfahren. Er war einer der ersten Regisseure, der Mehrfachbelichtungen, Überblendungen, Zeitraffer, Fotografie und handbemalte Kader in seine Filme integrierte. Wegen seiner Fähigkeit, scheinbar Realität durch seine Kamera zu manipulieren oder sogar zu transformieren, wurde Méliès auch als der erste "Kinozauberer" (cinémagicien) bezeichnet. Sein Interesse für Film wurde 1885 bei einer Filmvorführung der Brüder Lumière geweckt. 1897 baute er in seinem Garten in Montreuil sein eigenes Filmstudio, ein Glashaus. Schauspieler agierten vor einem bemalten Set gemäß der Tradition der Zauber- und Musiktheater. Méliès führte von 1896 bis 1914 bei über 500 Filmen Regie. Sein berühmtestes Werk ist "Die Reise zum Mond" aus dem Jahr 1902, der die gefeierte Szene enthält, in der das Raumschiff das Auge vom Mann im Mond trifft. Beflügelt vom Erfolg gründete Méliès sein Unternehmen "Star Films", um seine Entwicklungen und Filme in verschiedene Länder, besonders aber in die USA, zu exportieren. Sein Werk fand viele Nachahmer, zu viele. Etliche Remakes kamen auf den Markt und so musste Georges Méliès Filmfirma 1913 aufgrund der großen französischen und amerikanischen Konkurrenz Insolvenz anmelden. Méliès persönlich zerstörte sein Werk, indem er die Negative verbrannte. Nachdem er aus dem Filmgeschäft verdrängt worden war, geriet Méliès in Vergessenheit. Er hielt sich mit dem Verkauf von Spielzeug in seinem kleinen Laden in der Gare Montparnasse über Wasser. Bis seine Identität als legendärer Filmpionier eines Tages entdeckt wurde. Scorsese hat die Geschichte in "Hugo Cabret" erzählt - und Méliès bei einem Galaabend vor versammelter Pariser Filmprominenz geehrt.


Sendetermin: Dienstag 11.6.2013, ab 23:45 Uhr Arte


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