17.04.2013 07:00 Sendetermin: Donnerstag 18.4.2013, 22:35 Uhr MDR

TV-Tipp: "Männer ohne Unterleib" - Der lange Weg zum Selbstverständnis

"Männer ohne Unterleib" - Der lange Weg zur eigenen, neuen Sexualität

Im Film sprechen querschnittgelähmte Männer darüber, wie sie Sexualität neu lernen mussten, wie sie zum ersten Mal überhaupt mit ihren Freundinnen, Frauen über sexuelle Vorlieben, Wünsche gesprochen haben. © MDR/HR/Alexander Preuss

Von: MDR

Gestern noch gehörte ihnen die Zukunft. Das Leben schien unendlich, Krankheit war etwas für Alte. Dann, von einer Sekunde zur anderen, platzte ihr Lebenstraum, ein Unfall mit dem Fahrrad, der Sprung in unbekannte Gewässer oder eine Krankheit machte aus ihnen hilflose Wesen im Rollstuhl. So dachten die jungen Männer, als sie im Krankenhaus die bittere Wahrheit erfuhren: Niemals mehr laufen können, niemals mehr Fußballspielen, Fahrrad- oder Auto fahren. Dann kam die eine Frage, auf die auch die Ärzte keine Antwort wussten: Werde ich lieben können? Werde ich eine Frau berühren, mit ihr Sex haben können? Wird mich eine Frau lieben können? Werde ich überhaupt noch als Mann wahrgenommen?

Im Film sprechen querschnittgelähmte Männer darüber, wie sie Sexualität neu lernen mussten, wie sie zum ersten Mal überhaupt mit ihren Freundinnen, Frauen über sexuelle Vorlieben, Wünsche gesprochen haben. Die einen brauchten Hilfe von außen, die anderen haben es allein geschafft.

Thomas, 39 Jahre, erinnert sich heute lachend an die Zeit des Suchens, wie er zusammen mit seiner Frau Sinnlichkeit geübt hat, wie sie gelernt haben, zu experimentieren. Damals, so erzählen sie beide, sind sie auf Entdeckungsreise gegangen. Haben den Körper, die erogenen Zonen entdeckt, haben Techniken probiert, bis die neue Sexualität ganz selbstverständlich wurde. Heute, acht Jahre nach dem Unfall, leben sie mit ihren Kindern in Hessen den ganz normalen Familienalltag: Thomas geht wieder arbeiten, hilft den Kindern bei den Schulaufgaben, ist im Sportverein und er liebt seine Frau so, wie sie ihn auch liebt. Trotz und mit seiner Behinderung.

Andere Paare sind noch nicht soweit. Sie haben noch keinen Weg gefunden, ihre Sexualität zu leben. Sie hoffen, es auf einem der Seminare bei dem Psychologen Lothar Sandfort zu lernen. Er sitzt seit Jahren im Rollstuhl und er weiß, dass zuerst die Sprachlosigkeit überwunden werden muss. Er führt die querschnittgelähmten Männer dahin, dass auch sie ihren Körper sinnlich wahrnehmen können, nimmt ihnen die Angst vor der Liebe, der Sexualität. So ein Wochenende ist anstrengend, überraschend und manchmal auch einfach nur schön. In der Reportage begleitet die Kamera diese Suche nach dem Glück, nach der Liebe und nach der Sexualität.

 

Sendetermin: Donnerstag 18.4.2013, 22:35 Uhr MDR

 

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