10.11.2012 08:30 Sendetermin: Sonntag 11.11.2012, 20.15 Arte

TV-Tipp: Mademoiselle Chambon - Ein Film, der in tiefe Sehnsüchte eintaucht

Mademoiselle Chambon - Ein Film, der in tiefe Sehnsüchte eintaucht

© ARTE France / TS Productions/Michael Crotto

Von: Arte

Als der Familienvater Jean, der als Maurer sein Brot verdient, der schüchtern-schöngeistigen Lehrerin seines Sohns begegnet, kreisen seine Gedanken nur noch um sie. Schnörkellos taucht der Liebesfilm in tiefe Sehnsüchte ein, welche die Sprache nicht zu benennen vermag. Welche Zukunft hat dieses stille Begehren?

In einer südfranzösischen Kleinstadt lebt Jean gemeinsam mit seiner Frau Anne Marie und seinem Sohn Jérémy ein einfaches, aber sorgloses und zufriedenes Leben. Jean hat einen soliden Job als Maurer und fühlt sich wohl in seiner Arbeit. Als seine ebenfalls berufstätige Frau Anne Marie einen Hexenschuss erleidet, muss Jean seinen Sohn Jérémy von der Schule abholen und trifft dabei auf dessen Lehrerin Mademoiselle Chambon. Diese zufällige und unverhoffte Begegnung bleibt nicht ohne Folgen.
Wie es in einer Kleinstadt nun mal so ist, treffen die Beiden von nun an öfter aufeinander und es kommt dazu, dass Jean das undichte Fenster in Véronique Chambons Wohnung austauscht. Als er in ihrer Wohnung eine Geige entdeckt, kann er sie überreden, ihm etwas vorzuspielen. Jahrelang hat sie niemanden mehr etwas vorgespielt. Fasziniert von der Musik und der Art und Weise ihrer Interpretation, fühlt Jean eine Anziehungskraft, die ihrerseits wortlos erwidert wird.
Ohne körperliche Nähe entwickelt sich eine Vertrautheit zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich fremd sind. Für Jean beginnt ein Balanceakt zwischen der Entscheidung für seine kleine, bisher glückliche Familie und den neu entdeckten Sehnsüchten zu Mademoiselle Chambon.

 

Wie schon in Brizés Film "Man muss mich nicht lieben", in dem sich der melancholisch wirkende Gerichtsvollzieher seiner Tangopartnerin annähert, erzählt "Mademoiselle Chambon" erneut von einer wortlos zaghaften, aber gleichzeitig intensiven Sehnsucht zweier Menschen. Mit langen Szenen, die kaum der Sprache bedürfen, sondern vielmehr in ihrer visuellen Wirkung ruhen, wird dem Zuschauer Zeit gelassen, die eigene Kreativität schweifen zu lassen. Dabei kommt der schauspielerischen Leistung von Vincent Lindon als Jean und Sandrine Kiberlain als Véronique Chambon eine bedeutende Rolle zu. Im richtigen Leben waren sie ein Paar und haben eine gemeinsame Tochter, wodurch der Film als "eine in entgegengesetzte Richtung laufende Zeitlupe dieser Liaison" (Michael Alten, "faz.net") fungieren kann. Aber auch das robuste Auftreten von Vincent Lindon alias Jean gepaart mit Schüchternheit und das diametral entgegengesetzt erscheinende zarte Wesen von Sandrine Kiberlain, alias Véronique, tragen zu der intensiven Wirkung der an sich banalen Begegnung bei.
Doch wie kam es dazu, dass Brizé eine derart einfach scheinende Geschichte verfilmen wollte? In einem Interview sagte er dazu: "Es war die bescheidene Art und Weise, wie Éric Holder die tiefgreifenden Emotionen in die Sprache übersetzte, die mich berührte. Diese Zerbrechlichkeit und die Emotionalität in der Wirkung seiner Worte schienen mir zu sagen: Voilà, das ist es, worüber ich einen Film drehen muss und davon abgesehen auch ein einfaches, jedoch gleichzeitig schwieriges Thema, an das ich mich heran wagen sollte."

Frankreich, 2009, ARTE F
Regie: Stéphane Brizé

 

Sendetermin: Sonntag 11.11.2012, 20.15 Arte

 

 

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