15.01.2013 07:15 Sendetermin: Mittwoch 16.1.2013, 23:15 Uhr Arte

TV-Tipp: "Lily und Nira" - mehrfach preisgekröntes Drama aus Israel

"Lily und Nira" - mehrfach preisgekröntes Drama aus Israel

© TAG/TRAUM Filmproduktion/Klemit Ashkenazi/ZDF

Von: Arte

Die alleinerziehende Nira arbeitet als Filmemacherin bei einem Fernsehsender. Bei Dreharbeiten für eine Reportage erlebt sie bei einer Aktion der palästinensischen Autonomiebewegung die selbstbewusste, charismatische linke Aktivistin Lily und kann ihren Blick nicht von ihr wenden. Die starke Ausstrahlung von Lily erregt Niras Aufmerksamkeit, denn Lilys Gesicht kommt Nira sofort bekannt vor.
Während Nira das gedrehte Material sichtet, holt sie die Erinnerung ein. Sie und Lily teilen das gleiche Schicksal: In ihrer Vergangenheit wurden sie zu zwei von 16 Opfern des damals von der Presse benannten "höflichen Vergewaltigers". Nira fesselt ihre wiederentdeckte Erinnerung so sehr, dass sie es sich zur Aufgabe macht, die anderen, von demselben Mann vergewaltigten Frauen ausfindig zu machen und zu interviewen. Lily sträubt sich zunächst gegen Niras Gesprächsversuche und weist sie ab. Nach und nach erkennt Lily jedoch, dass sie die angsteinflößende Erinnerung nicht unterdrücken und vergessen kann.
So arbeiten die beiden Frauen Schritt für Schritt, nicht nur die erlebte, bislang verdrängte Tat wieder auf, sondern müssen sich auch gegenüber aufbrechenden, "unsichtbaren Wunden" und bürokratischer Demütigung behaupten, die Nira und Lily nach wie vor schmerzen. Doch die gemeinsame Beschäftigung mit dem erfahrenen Leid lässt die beiden Frauen näher zusammenrücken und verleiht ihnen neuen Lebensmut und Stärke.

Die israelische Dokumentarfilm-Regisseurin Michal Aviad setzte sich in den vergangenen 20 Jahren besonders mit Frauenschicksalen in Israel auseinander. Auf kluge und berührende Art und Weise beleuchtet sie in ihren Dokumentarfilmen immer wieder aus der weiblichen Perspektive brisante Themen wie den israelisch-palästinensischen Konflikt, Diskriminierung von Frauen und Gewalt in der Familie.
In ihrem ersten Spielfilm "Lily und Nira" greift sie auf einen wahren Kriminalfall in Israel zurück, bei dem 1978/1979 ein von der Presse wegen seines Umgangs mit den Opfern so genannter "höflicher Vergewaltiger" 20 Frauen missbrauchte. Aviad thematisiert die langfristigen Auswirkungen auf die Schicksale der Frauen und deren "unsichtbare Wunden".
Dabei verbindet sie einerseits die Fiktionalität der erfundenen Figuren sowie deren Beziehungen und soziale Hintergründe und andererseits mit einem dokumentarischen Ansatz, beispielsweise mit Zeitungsausschnitten und den tatsächlichen Tonbandaufnahmen von Opfern desselben Vergewaltigers. So nähert sich die Regisseurin auf einfühlsame Weise den psychischen Dramen der Protagonistinnen an, die auf der Suche nach Möglichkeiten, Worten, Strukturen und Halt sind, mit dem Erlebten und den Erinnerungen umzugehen. Durch die ausgewogene filmische Zurückhaltung von Michal Aviad, wird das erschütternde Sujet des Films in keiner Weise instrumentalisiert, sondern anspruchsvoll, emotional und fesselnd umgesetzt.
Mit den beiden gefeierten israelischen Schauspielerinnen Ronit Elkabetz und Evgenia Dodina wählte die Regisseurin Michal Aviad zwei starke Frauen, die überzeugend und zugleich subtil spielen. Sie kreieren in diesem Spielfilm zwei Charaktere, die trotz ihrer seelischen Verletzung kein Mitleid hervorrufen.
Michal Aviads Spielfilm wurde beim 25. Haifa International Film Festival im israelischen Wettbewerb als bester Film ausgezeichnet. "Lily und Nira" feierte auf der Berlinale 2011 einen großen Erfolg in der Sektion "Panorama" und wurde mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

 


Sendetermin: Mittwoch 16.1.2013, 23:15 Uhr Arte



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