17.01.2013 07:30 Sendetermin: Freitag 18.1.2013, 21:55 Uhr Arte

TV-Tipp: Drama "Cairo Exit" porträtiert die Misslage Ägyptens aus der Perspektive der jüngeren Generation

Drama "Cairo Exit" porträtiert die Misslage Ägyptens aus der Perspektive der jüngeren Generation

© WDR/Baby Blue Pictures

Von: Arte

Die 18-jährige Amal lebt in Bashtel, einem Armenviertel Kairos. Auf ihrem klapprigen Motorrad durchquert sie die staubigen Straßen der Stadt, um als Lieferbotin etwas Geld zu verdienen. Die koptische Christin ist mit Tarek, einem impulsiven Muslim zusammen. Als sie von ihm schwanger wird, stellt Tarek sie vor ein Ultimatum: Entweder wagt sie mit ihm die gefährliche Bootsüberfahrt nach Griechenland oder das verbotene Kind muss abgetrieben werden. Amal kann sich nicht vorstellen, ihre Familie zurückzulassen.
Doch wenig später verliert sie ihren Job und ihre, ohnehin schon prekäre Lage, spitzt sich zu. Die Aussichten, die sie als mittellose Frau in Kairo erwarten, kann sie am Schicksal ihrer besten Freundin ablesen: Rania soll einen wohlhabenden Mann heiraten, hat aber bereits mit einem anderen Freund geschlafen. Nun braucht sie dringend Geld für den operativen Eingriff, der ihre Jungfräulichkeit vortäuschen soll. Als sie die benötigte Summe nicht zusammenkriegt, geht das Mädchen soweit, sich an den Arzt zu verkaufen.
Als sie eine neue Arbeit findet, fasst Amal kurz Hoffnung. Doch dann entpuppt sich diese als Drogengeschäft, das sie in ein dubioses Hotel der reichen Stadtteile führt. Sie ist entgeistert, als sie dort ihre Schwester Hanan entdeckt. Diese prostituiert sich, um ihrem Sohn ein Leben zu ermöglichen.
Amal erträgt dieses Elend nicht länger. Sie will für ein anderes Leben den gefährlichen Aufbruch mit Tarek wagen. Doch als sie die Küste erreicht, hat das Schiff nach Griechenland schon längst abgelegt. Verzweifelt stürzt sie sich ins Wasser und schwimmt los ...

Hesham Issawis "Cairo Exit" ist ein starkes Porträt des Schmelzkessels Kairo, das kurz vor dem arabischen Frühling gedreht wurde. Die Liebesgeschichte zwischen der jungen koptischen Christin Amal und dem Muslim Tarek wirft ein Licht auf die sozialen und kulturellen Tabus, die das Leben in der ägyptischen Metropole unter Mubaraks Führung prägten. Aufgrund der strengen Zensurbehörde mussten Hesham Issawi und sein Filmteam die Dreharbeiten heimlich durchführen: "[...] das Drehen auf den Straßen wurde für uns ein Alptraum. Um zu vermeiden verhaftet zu werden, mussten wir einige Szenen innerhalb von 20 Minuten abdrehen. Wir fuhren mit den Schauspielern durch die Straßen und hielten Ausschau nach Drehorten, an denen uns niemand bemerken konnte. Dann holten wir die Leute aus dem Auto und drehten schnell eine Szene. Wenn ich abends nach Hause kam, wusste ich nicht, wie es am nächsten Tag weitergehen würde: Werden die Schauspieler erscheinen? Werden wir einen Drehort finden? Am Set musste ich viele Veränderungen am Buch vornehmen, um den Ort und die Darsteller des Tages in den Fortgang der Story einzupassen." (Hesham Issawi, Filmfest München).
Der Regisseur Hesham Issawi, seit Jahren ein Wanderer zwischen den Welten, ist in Ägypten geboren und 1990 in die USA für sein Studium der Anthropologie in die USA gezogen. Dort wechselte er schon bald zum Film und machte 1996 seinen Abschluss an der Filmschule Columbia College Chicago. Zunächst arbeitete er bei lokalen Fernsehsendern Chicagos sowie als freiberuflicher Redakteur in Los Angeles. Sein Filmdebüt feierte er 2002 mit "The Interrogation" (2002), der als kreativster Kurzfilm beim New York Film Festival ausgezeichnet wurde sowie den Preis für die beste Musik beim California Film Festival gewann. Sein darauffolgender "T for Terrorist" (2003) holte den Preis des besten Kurzfilms beim Boston und San Francisco Film Festival ein. 2007 inszenierte Hessham Issawi "American East", der die Geschichte einer Gruppe von arabisch-stämmigen Männern erzählt, die nach den Terroranschlägen vom "9/11" in keine Form von Normalität zurückfinden und mit Tony Shalhoub und Ray Wise prominent besetzt ist.
Voll ansteckender Energie verkörpert Maryhan die passionierte Amal. Für "Cairo Exit" stand die Schauspielerin das erste Mal vor der Kamera. Gleich ein Jahr später war sie in dem Oscar nominierten "El Shoq" (2011, Regie: Khalid Al-Haggar) an der Seite ägyptischer Starschauspieler wie Sawsan Badr, Ruby, Kouki oder Ahmed Azmy zu sehen. Beim Kairo Film Festival 2010 wurde "El Shoq" mit der Goldenen Pyramide als bester Film ausgezeichnet.
Mohamed Ramadan, der den impulsiven Tarek spielt, feierte sein Filmdebüt 2009 mit "Femmes du Caire" (2009, Regie: Yousry Nasrallah), der bei dem Festival der drei Kontinente in Nantes mit dem Publikumspreis gekrönt wurde. Nach "Cairo Exit" spielte Mohamed Ramadan an der Seite Maryhans in "El Shoq".



Sendetermin: Freitag 18.1.2013, 21:55 Uhr Arte




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