13.05.2013 09:30 Sendetermin: Dienstag 14.5.2013, 22:00 Uhr Arte

TV-Tipp: "Die wilden Wurzeln des World Wide Web" - Über die Freiheit des Intenets

"Die wilden Wurzeln des World Wide Web" - Über die Freiheit des Intenets

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte jener Menschen, die für die freie Meinungsäußerung Dritter und gegen Zensur gekämpft haben und die die Meinungsfreiheit und das Recht auf Privatsphäre verteidigen. (c) ARTE France

Von: Arte

Das Internet wurde einst von Hippies unter LSD-Einfluss erfunden und später vom Militär finanziert, um im Falle eines atomaren Angriffs weiterhin kommunizieren zu können. Dieser unwahrscheinliche Kampf der Kulturen führte zu einem freien Raum, der weder zensiert noch kontrolliert werden kann. Trotzdem versuchen einige Entscheidungsträger aus Politik und Industrie seit Jahren genau das und zwingen damit Hacker und Freiheitsverfechter in die politische Arena. Deren Motto lautet: Gesetze und Softwarecodes haben eines gemeinsam: Sie lassen sich hacken.

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Das Internet ist nicht nur ein Netz, in dem Computer untereinander per Kabel verbunden sind. Das Internet wurde geschaffen, damit jeder mit allen in Kontakt treten kann, und so ist es vor allem die Geschichte von Individuen. Es ist ein Versammlungsort, der ohne Absprache von jenen aufgebaut wird, die sich dort zu Wort melden. Genau dies ärgert manche politische und industrielle Eliten, die bis dahin eine Art Monopol auf die öffentliche Meinungsäußerung hatten und seitdem nicht aufgehört haben, das Internet regulieren, kontrollieren und überwachen zu wollen.


Im Mai 2011 organisierte Frankreich daher den eG8-Gipfel, das erste Internet-Gipfeltreffen der G8-Staaten. Nicolas Sarkozy hatte vorgewarnt: Er wolle das Internet nicht "regulieren", sondern "zivilisieren". Mitten im Arabischen Frühling hatte Frankreich ausschließlich Firmenchefs, aber keinen einzigen Cyberdissidenten zu dem Gipfeltreffen geladen. Einige Monate später, während Frankreich gerade den Sturz von Gaddafi militärisch unterstützte, wurde bekannt, dass das Land ihm zuvor ein System für die Überwachung des Internets im großen Stil verkauft hatte.

Dieser diplomatische "#fail" ist die logische Folge der Angst bestimmter, teilweise hochmütiger Eliten vor dem, was im Internet geschieht. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte jener Menschen, die für die freie Meinungsäußerung Dritter und gegen Zensur gekämpft haben und die die Meinungsfreiheit und das Recht auf Privatsphäre verteidigen. Mit Hilfe der von ihnen entwickelten Tools und Programme, die ihnen häufig Ärger mit der Justiz oder den Nachrichtendiensten einbrachten, konnten sich die arabischen Internetnutzer informieren, organisieren und über die Landesgrenzen hinweg ihren Kampf für die Freiheit bekanntmachen.

Ohne sie hätte es den Arabischen Frühling nicht gegeben. Als Reaktion auf die zahlreichen Gesetzesentwürfe und internationalen Abkommen, die nicht die Rechte der Bürger in diesen Netzen verteidigen, sondern stattdessen vielmehr darauf abzielen, Grenzen zu errichten und Barrieren aufzubauen, sind einige von ihnen in die Politik gegangen, um die Freiheit aller zu verteidigen. Ihr Motto lautet: Gesetze und Softwarecodes haben eines gemeinsam: Sie lassen sich hacken.

Um die andere Geschichte des Internets erzählen zu können, wurden hochkarätige Zeugen befragt: John Perry Barlow, Songtexter der Band Grateful Dead und Netzpionier erinnert daran, dass die Erschaffer des Internets Hippies waren, die gerne LSD konsumierten; Rickard Falkvinge, Gründer der schwedischen "Piratenpartiet", der zum Sturm auf das Europäische Parlament aufrief, und Jean Guyaux und Daniel Martin, ehemalige hohe Funktionäre der französischen Behörde zur territorialen Überwachung, enthüllen, dass sie bereits seit Jahren Hacker rekrutieren.

Außerdem berichten der "Vater des Internets" Vinton Cerf, der Erfinder der Freien Software, und Julian Assange von Wikileaks, der zurzeit in der Botschaft Ecuadors in London lebt und sich fragt, warum die Staaten lieber die Händler des "Cyberkriegs" finanzieren, anstatt sich für einen "Cyberfrieden" einzusetzen.


Mehr Informationen ab dem 3. April auf: internetz.arte.tv


Bereits vor der Ausstrahlung der Fernsehdokumentation bietet ARTE im Internet eine interaktive Webdoku. Jede Woche ab dem 3. April wird online ein neues Thema angeboten, von den Anfängen des WWW bis hin zur Hacker-Kultur der 2000er Jahre. Dabei können die User Filme, Texte und Foto austauschen, die sie mit dem World Wide Web verbinden. Ziel der Webdoku ist es, anhand verschiedener Geschichten aufzuzeigen, wie und warum die Internet(s) das Leben verändert haben, und zu erfassen, was im Internet verboten war und was erfunden wurde, um diese Verbote zu umgehen; aus diesem Kaleidoskop entsteht eine gemeinsame, freie, offene und geteilte andere Geschichte des Internets. Pünktlich zur Ausstrahlung der Fernsehdokumentation wird die erste durch Crowdsourcing entstandene Webdoku von ARTE dann im Netz zu sehen sein.


Die Autoren Jean-Marc Manach und Julien Goetz waren Journalisten beim digitalen Think Tank OWNI.fr als sie begannen, an dieser Webdoku zu arbeiten. Jean-Marc Manach ist Blogger bei der Zeitung "Le Monde" und Chefredakteur des ersten Magazins zur Digitalkultur Vinvinteur bei France 5. Julien Goetz, Chronist und Moderator bei Radio Nova, arbeitet für C/Data, dem Datenjournalismus-Modul des Politik-Talks C/Politique, ebenfalls bei France 5.
Der Regisseur Sylvain Bergère der Fernsehdokumentation drehte bereits zahlreiche Dokumentarfilme, unter anderem "Wer hat Angst vor Google?", "Das Coolness-Diktat", "Pirat@age" und "Mister Big, grandeur et décadence du pénis".

Sendetermin: Dienstag 14.5.2013, 22:00 Uhr Arte

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