14.05.2013 08:30 Sendetermin: Mittwoch 20:15 Uhr Arte

TV-Tipp: "Das weiße Band" - In Cannes ausgezeichnetes Drama von Michael Haneke

"Das weiße Band" - In Cannes ausgezeichnetes Drama von Michael Haneke

670.000 Kinobesucher sahen diese "deutsche Kindergeschichte", die unter anderem mit der Goldenen Palme und zwei Golden Globes ausgezeichnet wurde. © ARD/Degeto/BR/X-Filme/ARD

Von: Arte

Seltsame Ereignisse erschüttern den Frieden einer kleinen protestantischen Gemeinde in Norddeutschland: Ein Arzt verletzt sich bei einem ominösen Reitunfall, eine Arbeiterin stürzt zu Tode, ein kleiner Junge wird schwer misshandelt und eine Scheune angezündet. Haben die unerklärlichen Unfälle tatsächlich nichts miteinander zu tun, oder sind sie vielleicht Vorboten eines noch größeren Unheils, vor dem alle die Augen verschließen? Präzise, abgründig und bildgewaltig: Michael Hanekes Meisterwerk sucht nach Erklärungen für die Heraufkunft des Faschismus aus dem Geist preußisch-protestantischer Untugenden. Ulrich Tukur, Rainer Bock und Burghart Klaußner agieren grandios, genauso wie die Kinderdarsteller.
Gleich im Anschluss zeigt ARTE die Dokumentation "Es war einmal ... Das weiße Band" über Oscar-Preisträger Michael Haneke und die Entstehungsgeschichte seines Films.


TV Programm

Unerklärliche Zwischenfälle erschüttern im Sommer 1913 das Idyll einer kleinen protestantischen Gemeinde im Norden Deutschlands. Zunächst fällt der Dorfarzt vom Pferd und bricht sich dabei fast den Hals. Es ist die Rede von einem über den Weg gespannten Stolperdraht, der jedoch nicht mehr auffindbar ist. Danach stirbt die Frau eines Kleinbauern bei einem vermeidbaren Arbeitsunfall im Sägewerk. Schuld am fahrlässigen Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen ist offenbar der adlige Gutsherr. Kurz darauf wird dessen kleiner Sohn schwer misshandelt, und die Scheune seines Hofs geht in Flammen auf. Ein Racheakt?
Nachdem auch der Säugling des Gutsverwalters nur knapp einem rätselhaften Tötungsversuch entgangen ist und der behinderte Sohn der Hebamme halb totgeschlagen wurde, zieht man die Polizei hinzu. Doch die Ermittler kehren unverrichteter Dinge wieder in die Stadt zurück. Das Böse ist unfassbar - und doch lebt es mitten unter den Menschen, ist Teil ihrer Gemeinschaft. Der junge, idealistische Dorflehrer kommt den schockierenden Zusammenhängen schließlich auf die Spur. Doch ihm fehlen die Worte. Rückblickend, als alter Mann, klärt er Jahrzehnte später die mysteriösen Ereignisse auf.

Das vielfach ausgezeichnete Historiendrama fängt mit seinen nüchternen Schwarz-Weiß-Bildern die Stimmung vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein. Mit eisiger Präzision zeigt der Regisseur von "Die Klavierspielerin" (2001), "Caché" (2005) und "Liebe" (2012), wie die Stützen der Gesellschaft zusammenbrechen: ein Baron, der keine Souveränität mehr ausstrahlt, ein Arzt, der seine Tochter missbraucht, und ein Pfarrer, der die Seelen seiner Kinder mit protestantischen Dogmen vergiftet. Oscar-Gewinner Michael Haneke, der auch das Buch verfasste, überzeichnet diese Figuren nicht als Monster. Ulrich Tukur, Rainer Bock und Burghart Klaußner verkörpern gespenstische Vorboten jener Generation, die Faschismus und Holocaust ermöglichen wird. 670.000 Kinobesucher sahen diese "deutsche Kindergeschichte", die unter anderem mit der Goldenen Palme und zwei Golden Globes ausgezeichnet wurde. Wie immer im Mai sendet ARTE eine Reihe von Filmen, die auf dem Festival von Cannes ihre Premiere feierten, wenn sie nicht gar mit einem Preis nach Hause gingen.


Sendetermin: Mittwoch 20:15 Uhr Arte


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