19.01.2015 08:00 Enigma-Code

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben - raffinierter Historienthriller über den Mathematiker Alan Turing

Ein streng geheimes Leben kino

Eine schier unlösbare Mission, die von Turings arroganter Art nicht vereinfacht wird; (c) SquareOne (DCM)

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Von: GFDK - SquareOne /kino.de

Zweiter-Weltkriegs-Thriller über den Mann, dessen Rechenmaschine den sagenumwobenen Enigma-Code der Nazis knacken soll.

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben demnächst im Kino

"Christopher" nennt Alan Turing, der schillernde und tragische Held von "The Imitation Game", seine Wunderwaffe, die den Alliierten im Zweiten Weltkrieg den Sieg über Nazi-Deutschland bringen soll. Wenn sie denn auch funktioniert. Es handelt sich nämlich um eine etwa zimmergroße, gänzlich unerprobte Rechenmaschine, mit deren Hilfe der sagenumwobene Enigma-Code des Feinds geknackt werden soll. Zeit ist ein wesentlicher Faktor, da der Code alle 24 Stunden geändert wird. Also geht es einem als Zuschauer ähnlich wie den Protagonisten im Film: Man ist zur Tatenlosigkeit verdammt, während sich die Zahnräder von Christopher geradezu aufreizend langsam drehen.

Es ist eines der stärksten Bilder in einem durch und durch starken Film, diese klackernde Maschine, von der das Schicksal von Millionen abhängt - Sinnbild für ein System, das über die Menschen entscheidet, ohne dass sie eingreifen könnten. Und natürlich geht es auch für Mathe-Genie Alan Turing ums Ganze, von dem überragenden Benedict Cumberbatch als geradezu autistischer Sonderling gespielt, der sich in der Welt der Zahlen deutlich wohler fühlt als in der Gegenwart von Menschen, die ihn als arrogant, unwirsch, abweisend empfinden.

In "Imitation Game" geht es nur vordergründig um den Enigma-Code, den Michael Apted bereits vor 13 Jahren in "Enigma - Das Geheimnis" in den Fokus gerückt hatte, sondern vor allem um die Geschichte Turings, der in seinem Leben ein ähnliches Kunststück vollbringen muss wie seine Maschine: Die muss das Enigma-Chiffre imitieren, er muss nach außen etwas Anderes vorgeben, als er wirklich ist. Denn Turing ist homosexuell, was in Großbritannien damals schwer strafbar und triftiger Anlass für soziale Ächtung, sofortige Entlassung und Inhaftierung war. Nach und nach erst rückt der norwegische Filmemacher Morten Tyldum ("Headhunters") in seinem internationalen Debüt mit dieser Information heraus. Wer die Codes lesen kann, weiß aber schon früher, um was es dem Film eigentlich gehen könnte.

eine schier unlösbare Mission

Das ist nicht nur cleveres Storytelling, sondern auch ein virtuoser Kniff, ein vermeintlich schweres Thema zu behandeln, den nicht gerade geringen Anspruch aber nahezu nahtlos in die Textur eines packenden Thrillers zu verweben. Atemlos verfolgt man Turings Kampf gegen die Autoritäten, seine Reibereien mit seinem Team, seine Freundschaft und platonische Liebe zu einer hübschen jungen Frau, die zu den Codeknackern stößt, weil es in ganz England keine begnadetere Rätsellöserin gibt und lieber eine unmögliche Ehe mit einem Menschen eingeht, der sie versteht, als weiter unter der Knute ihrer traditionsbewussten Eltern zu leiden. Keira Knightley ist eine kleine Offenbarung in dieser Rolle, wie sie mit Turing für die Freiheit einer Welt eintritt, die nichts anderes macht, als ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Klasse Film: spannend, bewegend, eindringlich, Oscar-würdig. ts.

Kinostart: 22.01.2015