20.04.2015 08:00 inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung

That Lovely Girl - Kontroverses Drama um eine zerstörerische, sexuelle Beziehung zwischen einem Vater und seiner erwachsenen Tocher

That Lovely Girl kino

Das Thema Inzest umgibt eine Mauer aus Schweigen und Scham; (c) Aries Images

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Von: GFDK - Aries Images/kino.de

Beim Festival de Cannes 2014 kontrovers diskutiertes Drama über eine inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung.

That Lovely Girl demnächst im Kino

Das Thema Inzest umgibt eine Mauer aus Schweigen und Scham, Männer, die ihre Töchter sexuell missbrauchen, sind auf der Leinwand oft bürgerliche Scheinheilige wie der Patriarch, der in Thomas Vinterbergs "Das Fest" die Tochter in den Tod getrieben hat, oder emotionale Monster wie in Tim Roths "The War Zone". Ganz anders ist der Zugang der Israelin Keren Yedaya zu diesem heiklen Sujet. In der Adaption des Romans "Far From His Absence" von Shez lebt ein auf den ersten Blick "normales" Paar in Tel Aviv zusammen. Der 60Jährige arbeitet, die 22Jährige besorgt den Haushalt, lebt ohne soziale Kontakte. Manchmal merkt man, dass da etwas nicht stimmt, wenn sie sich mit dem Rasiermesser ritzt, sich vollstopft mit Essen, um sich dann zu übergeben. Den schnellen Sex zwischendurch lässt die junge Frau über sich ergehen, kümmert sich ansonsten aber mit Hingabe um den Mann ungeachtet der ungleichen Machtverhältnisse. Erst spät kristallisiert sich heraus, dass Moshe und Tami Vater und Tochter sind.

Der Film verliert sich nicht in Klischees von offensiver Tätergewalt und wehrlosem Opfer, sondern ist viel subtiler in der Beschreibung der komplexen Realität, der alltäglichen Routine. Leid und Lust sind verflochten. Yedaya scheut sich nicht, einen Orgasmus der Protagonistin zu zeigen, die sich nur durch Sex ausdrücken kann. Und sie zeigt, wie Tami sich von einer Gruppe junger Männer am Strand sexuell benutzen lässt, aus Frust darüber, dass ihr Vater eine andere Frau ins Haus bringt. Trotz Hilfe durch eine Fremde, bei der sie Unterschlupf findet, kann Tami das Band zum Vater (noch) nicht lösen.

kontrovers diskutiertes Drama über eine inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung

Das Drama, das auch mit den Konventionen des Melodrams spielt, schockiert durch die beiläufige Behandlung der inzestuösen Beziehung und die scheinbare Emotionslosigkeit und die Sequenz am Ende, in der Tami von einem Kind mit dem Vater träumt, obwohl sie sich zur Abtreibung entschließt und so erstmals Selbstbestimmung über ihren Körper erlangt, gibt Rätsel auf. Aber gerade der Verzicht auf einfache Verhaltenserklärungen und der Mut zu Diskussionen machen die Geschichte interessant. Trotz drastischer Szenen wirkt die Kamera von Laurent Brunet nicht voyeuristisch. Dafür, dass weder Peinlichkeit noch falsche Sentimentalität wuchern, sorgen die junge Maayan Turjeman und der in Israel bekannte Schauspieler Tzahi Grad. mk.

Kinostart, 23.04.2015