28.02.2015 08:00 Es kann jeden treffen

Still Alice - Mein Leben ohne gestern - Prominent besetztes Drama über eine Linguistik-Professorin die Alzheimer bekommt

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Die Linguistik-Professorin Alice führt eine glückliche Ehe, plötzlich verliert sie bei einem Vortrag vor Studenten den Faden und beim Jogging die Orientierung; (c) polyband (24 Bilder)

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Von: GFDK - polyband (24 Bilder)/kino.de

Prominent besetztes Drama um eine Linguistik-Professorin die als 50Jährige Alzheimer bekommt.

Still Alice - Mein Leben ohne gestern demnächst im Kino

Es kann jeden treffen, ob den ehemaligen Tierarzt in Til Schweigers "Honig im Kopf", die Literatin in Richard Eyres "Iris" oder die eigene Mutter in David Sievekings fesselnder Doku "Vergiß mein nicht". Es sind alles Menschen in höherem Alter. In Richard Glatzers und Wash Westmorelands einfühlsamer und respektvoller Annäherung an das brisante Tema Alzheimer trifft es die jüngere Linguistin Alice Howland. Die könnte den Alltag ganz entspannt angehen. Sie führt mit ihrem Mann eine glückliche Ehe und lebt im schicken Teil Manhattans.

Die drei Kinder sind aus dem Haus und ihr Job an der Columbia Universität macht ihr Freude. Bei der Geburtstagsfeier zum 50. scheint alles vollkommen. Dann gibt es seltsame Aussetzer - mal fällt ihr bei der Vorlesung ein Wort nicht ein, dann verliert sie beim Joggen die Orientierung und an Thanksgiving stellt sie sich der Freundin ihres Sohnes gleich zweimal vor. Die erschütternde Diagnose: eine frühe Form der Alzheimer, für die tatkräftige Frau des pointierten Wortes ein Schock. Ein noch größerer Schock ist die Eröffnung, dass sie das Gen an ihre Kinder vererbt hat.

Die Figur, der das Leben langsam entgleitet, verkörpert Julianne Moore, die souverän beweist, dass sie jeden Part perfekt spielen kann. Wie sie sich gegen den geistigen Verfall stemmt und versucht, ein Stück Normalität zu bewahren, das wird zu einer herzzerreißenden Performance, die gerade mangels falscher Sentimentalität besonders schmerzt. Der Abschied von der eigenen Identität ist ein leiser Prozess, den die Kranke auf Video bannt, und sich gleichzeitig Anweisungen gibt, was zu tun ist, wenn sie die Krankheit nicht mehr ertragen kann.

Die Linguistik-Professorin Alice führt eine glückliche Ehe

Die anrührenden Szenen sind sparsam verteilt - das Gespräch zwischen Panik und Scham mit dem Arzt, die bewegende Rede von Alice auf einem Alzheimer-Kongress, die Begegnung mit der jüngsten Tochter, mit der sie trotz schwierigem Verhältnis eine große Nähe verbindet (überzeugend und weit weg vom "Twilight"-Schema: Kristen Stewart). Natürlich geht es um Krankheit, Trauer und Verlust, aber nicht nur. Es geht auch darum, wie Familie und Umwelt mit der komplizierten Situation umgehen, Verständnis oder Unverständnis zeigen. Trotz konventioneller Inszenierung zählt "Still Alice" zu den Dramen der Premiumklasse, die in der richtigen Dosierung von Tragödie und leichtem Humor tiefe Spuren hinterlassen. mk.

Kinostart: 05.03.2015