13.03.2014 08:50 Schwarze Komik trifft Western

Regisseur Hiner Saleem präsentiert mit "My Sweet Pepper Land" eine Liebesgeschichte im Grenzgebiet Kurdistan

Film My Sweet Pepper Land Paar

Eine Liebesgeschichte im Kurdengebiet in der Grenzregion zwischen Iran, Irak und Türkei. © Rapid Eye Movies

Film My Sweet Pepper Land Mann auf PferdFilm My Sweet Pepper Land UnabhaengigkeitskaempferFilm My Sweet Pepper Land Hauptdarstellerin
Von: kino.de

Seit dem zweiten Irakkrieg 2003 hat sich Kurdistan zur autonomen Region entwickelt und der Freiheitskämpfer Baran will seinen Beruf an den Nagel hängen. Er flieht jedoch vor den Verkupplungsversuchen seiner Mutter ins Grenzgebiet zwischen Irak, Iran und der Türkei, wo ihn die erhoffte Herausforderung als neuer Polizeichef des inmitten dauernebliger Berge gelegenen Ödlanddorfes erwartet. In dem zivilsationsfernen Schmuggler-Mekka, wo das Pferd noch einziges Fortbewegungsmittel ist, regiert der Pate Aziz. Der will seine Macht nicht mit dem Vertreter der Staatsgewalt teilen und intrigiert deshalb gegen den neuen Sheriff und die ebenso idealistische Junglehrerin Govend, lässt dabei notfalls auch mit der Kalaschnikow nachhelfen.

Den daraus entspringenden Konflikt zwischen modernem Rechtsstaat und dem tradiert-religiösen Patriarchat gleicht der Situation, als in Amerika der Wilde Westen gezähmt und einsame Gesetzeshüter das staatliche Gewaltmonopol durchsetzten. Das verleiht der in der Gegenwart verorteten Geschichte etwas Anachronistisches, aber Saleem bildet dokumentarisch nah die karge Lebensrealität ab.

"12 Uhr mittags" und "Stadt in Angst" sind nicht nur Vorbilder. Der in Kurdistan geborene Hiner Saleem ("Wodka Lemon") hat den (Spät-)Western-Touch in seinem wechselhaften Stil versenkt, der zwischen Kintopp und Arthaus eigene Wege geht. Pechschwarze Komik lässt erahnen, wie mitleidlos das Duell verlaufen wird, während die in tiefe Melancholie getauchten, oft dunklen Bilder dem Ringen von Moderne und Tradition eine moralische Dimension von Gut gegen Böse verleihen. Zwischen den beiden Idealisten, die Korruption und Opportunisten trotzen, keimt eine sehr elegische Liebesgeschichte, die in der archetypischen, minimalistischen Handlung gleichwohl nur andeutungsweise stattfindet. Spannung und Leidenschaften bleiben jedenfalls unter Verschluss, größere Gewaltausbrüche ebenfalls, wodurch im gemächlichen Rhythmus die heran dämmernde Zivilgesellschaft, Friedensordnung - und immer wieder: Frauenrechte - gegen das finstere Chaos männlicher Übergriffe und Ehrenmorde den vordersten Platz einnehmen, in der Verteidigung moderner Werte. tk.

Moderner Grenzlandwestern aus dem wilden Kurdistan

Der nach der Staatsgründung unbeschäftigte Unabhängigkeitskämpfer Baran sucht nach einem Intermezzo in seiner Heimatstadt die Herausforderung - und er soll sie bekommen: Im Bradost-Gebirge, einer gottverlassenen Grenzregion zwischen Iran und Türkei, nimmt er den Posten des Polizei-Chefs an. Dort steht er mit der idealistischen Junglehrerin Govend auf verlassenem Posten dem Dorfpaten Aziz gegenüber, der mit Kalaschnikow und Korruption im Schmuggler-Mekka regiert. Der knallharte Kriminelle und seine Mannen denken gar nicht daran, sich Recht und Gesetz zu beugen.

Quelle: kino.de

Kinostart: 27.03.2014

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