24.12.2013 09:54 ab 25.12 im kino

Pünktlich zu Weihnachten: Medicus - Verfilmung des gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon

Der Medicus von Regisseur Philipp Stoelz

Ein opulentes Leinwanderlebnis. Der Medicus mit Neuentdeckung Tom Payne, von Regisseur Philipp Stölzl, alle Bilder (c) Universal

Film der MedicusMedicus Weihnachtsfilm von Noah GordonJetz im Kino - Medicus
Von: GFDK - kino.de

Philipp Stölzls historisches Drama über die Abenteuer eines jungen Briten in Persien ist eines Weihnachtsfilms und der Bestsellervorlage von Noah Gordon würdig.

Nach dem Tod seiner Mutter durch eine mysteriöse, im 11.Jahrhundert noch unheilbare Krankheit, zieht es den jungen Engländer Rob Cole viele Jahre später ins persische Isfahan. Dort lernt er bei Ibn Sina, dem berühmtesten Arzt des Orients, alles über Medizin, findet er die große Liebe, aber auch einen Hexenkessel vor, in dem er sich als Jude tarnen muss, weil Christen verfolgt werden, und der Einfluss muslimischer Fundamentalisten auch für den tyrannischen Schah, den Förderer Ibn Sinas, zur Bedrohung wird.

Medicus - Prestigeproduktion mit Mittelalter-Realismus
In den Konsumrausch der Wohlstandsgesellschaften hinein platzt diese deutsche Prestigeproduktion, die mit Mittelalter-Realismus, mit Bildern von Armut und Leben mit kurzem Verfallsdatum, Bescheidenheit lehrt, aber auch an eine Zeit großer Abenteuer erinnert, in der das Unbekannte bereits hinter dem Heimatdorf anfing. Wer will, kann in den graublauen Augen von Newcomer Tom Payne eine Brücke zu Peter O'Toole in "Lawrence von Arabien" entdecken, dem Stölzl, unterstützt von Ingo Frenzels Soundtrack, in einigen Bildern wie auch in der Harmonisierung des Epischen und Intimen Reverenz erweist.

Ein starkes wissenschaftlich-humanitäres Motiv, dem sich ein romantisches unterordnet, treibt den Plot an. Etwa 30 Minuten zeigt "Der Medicus" das armselige Leben des jungen Rob Cole in England, der nach dem frühen Tod der Mutter von einem brummigen Bader, Bagatellheiler und Quacksalber in Personalunion, aufgenommen wird - eine kauzig-komische, unsentimentale, aber keineswegs herzlose Idealrolle für Stellan Skarsgård. Nach der Wunderheilung des fast erblindeten Baders durch jüdische Schüler des großen Medicus Ibn Sina (Ben Kingsley) zieht es Cole ins persische Isfahan. Dort lehrt Sina die Heilkunst, dort herrscht ein Tyrann, der aber die Wissenschaft fördert und die Koexistenz von Islam und Judentum toleriert, während der muslimische Fundamentalismus in den seldschukischen Eroberern mächtige Partner gewinnt.

Im Spannungsfeld der Religionen
Das durch Intoleranz aufgeheizte Spannungsfeld der Religionen gibt dem Film aktuelle Brisanz, der Licht und Schatten in allen Lagern zeigt, seine Sympathien aber doch deutlich macht. Obwohl "Der Medicus" großes Kino stets im Visier hat, ist Perfektion und Spektakel visuell mit einem Budget von 26 Millionen Euro nur begrenzt realisierbar. So gibt es beeindruckende Sets und prachtvolle Shots von Karawanen, der nächtlichen Wüste oder von Isfahan, aber auch Digitaltableaus mit Problemzonen und einen Sandsturm, der episches Versprechen bleibt. Unbestritten ist der Mut in den Themen und der Realisierung eines solchen Großprojekts, das relativ gewaltarm von Kollisionen, aber auch von Freundschaft, Liebe und Erkenntnis in irrationalen Zeiten erzählt.

Das Schlachtfeld von "Der Medicus" ist das limitierte Wissen, das unbekannte Territorium des kaum erforschten menschlichen Körpers. Ist die Zeit reif für einen Helden, dessen Actionszenen vom Kampf gegen Krankheit, Fremdbestimmung und Verblendung bestimmt sind? Allein sechs Millionen Mal verkaufte sich die Romanvorlage in Deutschland - diese Leser und Zuschauer, die sich nationale Genrevielfalt wünschen, sind jetzt gefordert. kob. Quelle: kino.de

Verleih: Universal - ab 25. Dezember 2013 in den Kinos