12.04.2014 08:50 Gefühlvolles, melodramatische Geschichte

Mario Adorf und Katharina Derr im Roadmovie "Der letzte Mensch"

Film Der letzte Mensch Mario Adorf und Hannelore Elsner

Drama und Roadmovie um einen jüdischen Überlebenden, der sich im Alter seinen Wurzeln stellt. © Farbfilm

Film Der letzte Mensch Mario AdorfFilm Der letzte Mensch Mario Adorf mit Katharina Derr
Von: Farbfilm

Mit vorwiegend deutschen Geldern hat der französische Dokumentarfilmer Pierre-Henri Salfati, der mit "Le Jazzman du Goulag" das Schicksal eines jüdischen Trompeters aufgriff, diesmal eine allgemeingültige Biografie seiner Glaubensgenossen gestaltet. Darin stellt sich der Grandseigneur des Eurokinos, Mario Adorf, den Dämonen seiner verdrängten Vergangenheit. In dem Roadmovie um Identität und Erinnerung unterstützt ihn Katharina Derr ("Beautiful Bitch") als freche, aber herzensgute Deutschtürkin und mit Hannelore Elsner gleich eine weitere Schauspielikone: zusammen werden sie wehmütig die letzten beiden Men(t)schen ihrer Art.

Das von Almut Getto ("Fickende Fische") mitentwickelte, melodramatische Script ist gefühlvoller, als es Salfatis bedachte, aber unsentimentale Regie zulässt, die sehr bündig von Marcus Schwartz erzählt. Der Auschwitz-Überlebende hat sein Trauma stets verdrängt, das ihn auf seine alten Tage einholt, als er sich entschließt, nach jüdischer Sitte beerdigt zu werden. Trotz Häftlingstätowierung, das einzige, was ihm wirklich blieb, sind Behörden und Rabbiner borniert und taktlos genug, ihm aus Mangel an Beweisen die Aufnahme in den exklusiven Club der Juden abzuerkennen. Die Spontanautofahrt mit der frech fluchenden, jungen Gül als Chauffeurin führt in seine Heimatstadt in Ungarn, was absurde Situationen hervorbringt: Marcus rennt von Pontius zu Pilatus, stapft durch die traurigen Reste des Holocaust in Osteuropa, wo man wie Judas verleugnet ihn zu kennen: Ein Vergessener, der nichts sehnlicher wünscht, als dass man sich seiner erinnert.

Die Reise führt ihn in sein ungarisches Geburtsdorf

Dank Güls Unterstützung, die dabei einiges über sich und Geschichte lernt, sowie dem Zuspruch einer blinden Jüdin (Elsner mit grauer Lockenpracht), kann sich Marcus erstmals seinem schmerzlichen Trauma stellen. Auch wenn Inhalt und Stil mitunter disparat ausfallen und die eigentlich dramatisch-berührende Geschichte von Menschen, die in Frieden sterben wollen, nicht so recht aufblüht, findet Salfati einen Königsweg zwischen bestürzender Erinnerungskultur und Lebensfreude. Das gut harmonierende Darstellerduo meistert das große Spektrum von Humor, bissigen Repliken und Lebensweisheiten bis zur dosierten Tragik, die vor allem Elsners Figur vorantreibt. Eine nicht nur von Adorf altmeisterlich gespielte Lebensreise in die Vergangenheit, um der Mensch zu werden, der man einmal war. tk.

Quelle: Kino.de

Kinostart: 08.05.2014

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