13.03.2012 07:48 spannend, souverän erzählt und zugkräftig besetzt

Kinostart: Die vierte Macht - Der Politthriller zur Präsidentschaftswahl in Russland mit Moritz Bleibtreu

Fotos: Universal + trailer

Von: kino.de - 4 Bilder

 

Paul Jensen heuert bei einer Moskauer Zeitschrift für die Party- und People-Seiten an. Kaum hat der Berliner dort angefangen zu arbeiten, wird er Zeuge eines Mordes an einem Politjournalisten und weil er sich in seine Kollegin Katja verliebt hat, druckt er einen von ihr vorgeschlagenen und vom Chefredakteur abgelehnten Nachruf auf den Verfechter der Wahrheit auf seinen Seiten ab. Katja nimmt Paul mit zu einer Demo, stellt ihm ihre politisch engagierten Freunde vor. Da wird Paul nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn als Verdächtiger festgenommen.

Der Politthriller zur Präsidentschaftswahl in Russland sozusagen: Der in Moskau angesiedelte "Die vierte Macht", mit dem der Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel ("Die Welle", "Napola") zu den Anfängen seiner Karriere zurückkehrt, als er mit "Das Phantom" auf sich aufmerskam machte, schildert u. a., wie der Wahlkampf mit Meldungen zum Antiterrorkampf befeuert wird. Das ist einer von mehreren Handlungsfäden und Genreversatzstücken, die Gansel aufgreift und über seine Hauptfigur verbindet. Moritz Bleibtreu spielt den Journalisten Paul Jensen aus Berlin, dessen Perspektive auch der Zuschauer einnimmt und der in Moskau bei einer renommierten Zeitung die Peopleseiten übernimmt. Doch der Blick ins ausschweifende Partyleben der Neureichen ist nur eine Ouvertüre. Nachdem Paul Zeuge eines Mordes an einem Politjournalisten wird, druckt er, aufgestachelt von einer attraktiven Kollegin (Kasia Smutniak), der er imponieren will, einen wenig opportunen Nachruf und sticht in ein Wespennest. Nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn wird er als Terrorverdächtiger festgenommen. An dieser Stelle wandelt sich der Film zum harten Knastthriller, in dem sich Paul mit Wärtern, aggressiven Mitinsassen (charismatisch: Mark Ivanir) und seiner Panik arrangieren muss, bevor Flucht und der Versuch der Aufklärung der Hintergründe folgen und parallel die Geschichte von Pauls Vater, eines aufrechten DDR-Journalisten, aufgerollt wird.

Das sind vielleicht etwas zu viele Handlungsstränge, um sie alle konsequent zu Ende und ganz ohne Reibungen zu erzählen. Doch das Genrestück ist spannend, souverän erzählt und zugkräftig besetzt - neben Bleibtreu sind etwa Max Riemelt und kurz Stipe Erceg zu sehen- und hervorragend ausgestattet von Matthias Müsse und seinem Team, die gleichermaßen hippe und puliserende Partylocations wie klaustrophobisch düstere Knastzellen bestücken und greifbar echt wirken lassen. hai. Quelle: www.kino.de

 

Deutschland 2011
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Moritz Bleibtreu
Kasia Smutniak
Max Riemelt

Regie: Dennis Gansel
Verleih: Universal