02.08.2013 08:00 Regie: Umut Dag

Kinostart 8.8.2013: "Kuma" - Beklemmendes Drama um eine türkische Familie zwischen westlichem Lebensstil und Tradition

Kuma

Dag schaut der Familie dabei zu, wie sie mit dieser Situation umgeht, wie sie zusammenfindet und auseinanderdriftet. Bild 1-3 (c) Salzgeber

Regie Umut DagKinostart 8.8.2013
Von: GFDK - Kino.de - 3 Bilder

Die junge Ayse nimmt bei der Hochzeit mit Hasan Abschied von ihrer Familie in Anatolien. Denn fortan wird sie bei der Großfamilie Yilmaz in Wien leben, ohne je deren Wohnung zu verlassen. Sie ist die Zweitfrau von Hasans Vater Mustafa, dem sie ein Kind gebären wird. Doch dessen Kinder und erwachsene Töchter grenzen die fügsame Ayse aus, sie bleibt einsam in ihrem sanften Gefängnis. Zwischen ihr und der krebskranken Mutter Fatma, die die Scheinehe eingefädelt hat, keimt eine zarte Freundschaft, die nach Mustafas Tod auf eine lebensgefährliche Tragödie zusteuert.

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Kuma, türkisch für Zweitfrau, bezeichnet eine polygamistische Sitte, nach der die junge Ayse (Begüm Akkaya) aus Anatolien über eine arrangierte Scheinehe mit Hasan als Leihmutter für dessen Vater Mustafa (Vedat Erincin aus "Almanya") in seiner Großfamilie in Wien landet, aber nie akzeptiert wird. Dem kurdischstämmigen Österreicher Umut Dag, der mit seinem Debüt die Panorama-Sektion der Berlinale eröffnete, gelang damit ein leise berührendes Drama über starke Frauen. Es erlaubt intim Einblicke ins Innerste einer türkischen Großfamilie mitten in Wien und spürt mitfühlend Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte mit der Sensibilität eines Ang Lee auf. Das gelingt hervorragend, auch wegen einer erstklassigen Riege natürlich-empfindsamer Darsteller.

Schon bei der Hochzeit in Anatolien weint die unglückliche Braut Tränen des Abschieds. Viele weitere werden folgen. Sie wird ihr Schicksal würdevoll tragen: die steten Anfeindungen von Mustafas Töchtern, die Einsamkeit inmitten einer neuen Familie, die sie nur als bessere Leibeigene betrachten. Mustafas krebskranke Frau, die sechsfache Mutter Fatma (Nihal G. Koldas), hat die Ehe arrangiert, weil sie den Fortbestand ihrer Sippe sichern will. Als der verschlossene Hasan der sehnsüchtig, aber vergeblich Zuneigung suchenden Ayse offenbart, schwul zu sein - ein gefährliches Geheimnis in dieser intoleranten Lebenswelt - und ein Schicksalsschlag die inzwischen junge Mutter heimsucht, verliebt sie sich in den Mitarbeiter eines türkischen Supermarkts. Die Affäre wird entdeckt und sie fast totgeschlagen, der Ausgang aber bleibt offen.

Die schleichende Auseinandersetzung mit menschenunwürdigen traditionellen Wertvorstellungen agiert an der Schnittfläche der Kulturen und Generationen. Sie spielt in einer geräumigen Wohnung, die von Teppichen, Vorhängen und Schleiern begrenzt ist - ein Gefängnis, das die Hauptfigur Ayse fast nie verlassen darf. Denn diese Parallelwelt, in der man weder Wien noch jemals einen Einheimischen sieht, wo man nur türkisch spricht, besteht einzig aus Interieurs. Ein Kammerspiel mit tragischem Inhalt vollzieht sich in einem Mikorkosmos, der wie ein kleines Dorf funktioniert. Die Kadrage ist begrenzt, nirgendwo gibt es Freiraum, alles bleibt abgeschlossen. Respektvoll blickt die Kamera auf Ayse und Fatma, nähert sich ihnen emotional, öffnet ihr Innerstes in einer Familie, in der man nichts von wahren Gefühlen preisgeben darf.

Dag schaut der Familie dabei zu, wie sie mit dieser Situation umgeht, wie sie zusammenfindet und auseinanderdriftet. Zurückhaltend und elliptisch, ohne Wertungen, ehrlich und mit feinem Gespür für Seelenzustände findet er trotz heikler Themen wie Vielehe und Ehrenmord ein sich still offenbarendes Drama um Frauenschicksale im heutigen Europa. tk. Quelle: kino.de

Regie: Umut Dag

Cast: Vedat Erincin, Nihal G. Koldas, Begüm Akkaya

Laufzeit: 93 min.

FSK: 12


Pressestimmen und weitere Links:

Offizielle Homepage:

http://www.kuma-film.com/de/

Der Standart:

http://derstandard.at/1363239132774/Thomas-Pluch-Drehbuchpreis-fuer-KumaFilm

Hollywoodreporter:

http://www.hollywoodreporter.com/review/kuma-berlin-film-review-292613

Filminstitut.at:

http://www.filminstitut.at/de/kuma/


Der Film kommt am 8.8.2013 in die Kinos. Im Verleih von Salzgeber.