20.03.2012 07:06 Verrückter oder Prophet?

Kinostart 22.3.2012: Take Shelter - Packendes, differenziert gespieltes Psychodrama um einen Mann, der von Apokalypse-Albträumen heimgesucht wird

Fotos: Ascot Elite + trailer

Von: kino.de

Packendes, differenziert gespieltes Psychodrama um einen Mann, der von Apokalypse-Albträumen heimgesucht wird und daraufhin beginnt, einen Bunker zu bauen.

Verrückter oder Prophet? Michael Shannon, der in "Superman: Man of Steel" den Bösewicht geben wird, kooperiert bei "Take Shelter" wieder mit "Shotgun Stories"-Regisseur Jeff Nichols und spielt einen Familienvater, der plötzlich von schrecklichen Visionen einer drohende Apokalypse heimgesucht wird. Von Angst getrieben, beginnt er im Garten einen Bunker zu bauen. In Sundance wurde der Film gefeiert, in Cannes mit dem Großen Preis und auch fürs beste Drehbuch in der Sektion "Semaine de la Critique" ausgezeichnet.

Curtis LaForche (Shannon) ist ein Malocher, der alle Hände voll zu tun hat, seine kleine Familie über die Runden zu bringen. Im ruralen Ohio schuftet er in einem Kieswerk, Ehefrau Samantha (Jessica Chastain) verkauft gelegentlich selbst genähte Kleider. Das Geld ist knapp, zumal die medizinische Versorgung und schulische Ausbildung der tauben Tochter (Tova Stewart) teuer sind. Zu allem Überfluss beginnt Curtis auch noch von einem alles vernichtenden Sturm zu träumen. Ein verheerendes Desaster droht - aber vielleicht bildet er sich das alles ja nur ein, gibt es in seiner Familie doch einen Geschichte von Schizophrenie.

Was auf den ersten Blick wie ein typisches Horrorfilmszenario aussieht, nutzt Nichols, der auch das Drehbuch verfasste, als Allusion auf die Zustände in den heutigen USA: Finanzkrise, Klimakatastrophe, Konkurrenz durch illegal eingewanderte Billigarbeitskräfte, Versicherungsdebatte (Curtis' Tochter soll sich einer teuren Operation unterziehen)... der drohende Tornado hat Stellvertretercharakter, kommt er, ist es vorbei mit "God's Own Country". Aber ohne Kampf gibt ein aufrechter Amerikaner nicht auf - hilf dir selbst, so hilft dir Gott: Also packt Curtis zu - auch wenn alle anderen ihn für verrückt erklären.

Thriller, Mystery, Psychodrama, Elemente all dieser Genres finden sich hier, einer klaren Zuordnung entzieht sich das Werk. Das (schockierende) Ende vorauszusehen ist für den Zuschauer ebenso unmöglich, wie LaForche seinem Schicksal zu entrinnen. Immer wieder blickt er gebannt gen Himmel, dramatisch ziehen sich die (CG-)Wolken zusammen, während David Wingos düsterer Score an den Nerven zerrt. Mittendrin brilliert ein überaus zurückhaltend agierender Michael Shannon ("Boardwalk Empire"), Spezialist für getriebene Charaktere, als zweite Naturgewalt, während Chastain wie schon in "Tree of Life" als fürsorgliche Mutter besticht. Bleibt Adam Stones funktionale Kameraarbeit zu loben, die Shannon hautnah begleitet und den Film mit einem dokumentarischen Look versieht.

geh. Quelle: www.kino.de

 

USA 2011
Laufzeit: 125 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Michael Shannon
Jessica Chastain
Shea Whigham

Regie: Jeff Nichols
Verleih: Ascot Elite

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