16.04.2015 08:00 Gegenwart und Vergangenheit

Judgment - Grenze der Hoffnung - packendes Drama um Menschenschmuggel in der bulgarischen Grenzregion

kino aktuell

Tragik und Trauer prägen die verschiedenen Ebenen des bildgewaltigen Epos, das am mythischen Judgement-Felsen endet; (c) Farbfilm

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Von: GFDK - Farbfilm/kino.de

Packendes Drama um Menschenschmuggel in der bulgarischen Grenzregion und einen früheren Grenzsoldaten, der sich den Fehlern der Vergangenheit stellen muss.

Judgment - Grenze der Hoffnung demnächst im Kino

Gegenwart und Vergangenheit, Hoffnung und Verzweiflung, Flüchtlingsproblematik heute und in den 1980er Jahren mit verschiedenen Vorzeichen, Stephan Komandarev bringt diese Gemengelage zusammen in der vielschichtigen Geschichte des Witwers Mityo, der aus finanzieller Not zum Schleuser wird.

In dem kleinen bulgarischen Dorf nahe der türkischen Grenze leben fast nur noch Alte. Für den gewissenlosen Kapitan, einen ehemaligen Armee-Hauptmann, ist die Situation klar: "Wenn die Bulgaren nicht hierbleiben wollen, bevölkere ich das Land eben mit Abschaum". Und Abschaum sind für ihn Flüchtlinge, die er gegen gutes Geld über die türkische Grenze schmuggeln lässt. Der Mittvierziger, der früher als Grenzsoldat unter ihm diente, ist ihm erneut ausgeliefert, die Molkerei hat dicht gemacht, ohne Lohn kann er den Kredit nicht zurückzahlen und der Gerichtsvollzieher klebt schon den Kuckuck aufs Inventar. ie ersten nächtlichen Aktionen zu Fuß und mit dem Milchlaster durch Gebirge, Flüsse, Minenfelder und von der Polizei kontrollierte Landstraßen verlaufen ohne größere Zwischenfälle, bald sind die Schulden beglichen, aber als die Bank zusätzliche horrende Forderungen erhebt, muss Mityo noch eine letzte Mal den verhassten Job durchziehen und alles läuft schief. Komandarev, der es mit der Romanverfilmung "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" auf die Oscar-Shortlist schaffte, erzählt vor imposanter Landschaftskulisse in diesem packenden Drama vom Überlebenskampf in einer wirtschaftlich dahin siechenden Region, von Schuld und Sühne und einem intensiven Vater-Sohn-Konflikt. Aber auch von der Entwicklung Europas.

Packendes Drama um Menschenschmuggel in der bulgarischen Grenzregion

Flüchteten früher Bürger aus dem Ostblock über Bulgarien in die Türkei, ist jetzt der Flüchtlingsstrom umgekehrt, versuchen Menschen aus Krisengebieten in die EU zu gelangen. Tragik und Trauer prägen die verschiedenen Ebenen des bildgewaltigen Epos, das am mythischen Judgement-Felsen endet, dort wo Mityo einst auf Befehl des Kapitans zwei DDR-Bürger erschoss. Auch wenn Komandarev beim Blick auf die Schatten der Vergangenheit, denen niemand entkommen kann, etwas zu viele Themen beackert, die Schauspieler, allen voran Miki Manojlovic als Bösewicht und der ausdrucksstarke OvanesTorosian als Sohn, machen das locker wieder wett. mk.

Kinostart: 23.04.2015