26.04.2015 08:00 Vibrierendes Porträt

Eden - Lost in Music - Drama um einen DJ, der im Paris der Neunzigerjahre die Clubszene erobert

Eden - Lost in Music kino

Der Film geht über den Blick zurück hinaus, wird zur Charakterstudie des Bruders und schildert seine Freundschaften, Liebesbeziehungen und Trennungen; (c) Alamode (Filmagentinnen)

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Von: GFDK - Alamode (Filmagentinnen)/kino.de

Vibrierendes Porträt eines DJ zwischen Erfolg und Desillusion beim Trip durch die Pariser Elektro-Szene der 1990er Jahre.

Eden - Lost in Music demnächst im Kino

Der musikalische Hintergrund des Films aus House, Techno, Garage prägt das Leben von DJ Paul, der früh Beruf und Berufung entdeckt, von den Anfängen bis zum Boom der Techno-Szene dabei war, von den ersten Raves bis hin zum "French Touch". Wie Olivier Assayas in "Die Wilde Zeit", erzählt auch Mia Hansen-Løve über ihre Generation aus ureigener Perspektive und beruft sich dabei auf ihren Bruders Sven und seinen Werdegang als DJ, der ihn von der Euphorie zur Desillusion führt.

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, den dokumentarischen Aspekt vertiefen die Partys, Sänger und Musikproduzenten und natürlich die Auftritte von Musikern, u.a. Daft Punk, denen als running Gag der Club-Eintritt verweigert wird. Der Mann, der mit über 30 mangels Moneten wieder zu seiner Mutter ziehen muss, steht für viele, die auf Sinnsuche in die Pariser Party-Szene eintauchten, und nach exzessiven Jahren von Sex, Drogen und Beats ernüchtert feststellen mussten, im harten Musikbusiness aus der Zeit gefallen zu sein mit ihren Träumen.

Während in der ersten Hälfte Aufbruch und Lebenslust der Jugend dominiert und unabhängige Labels entstehen, wird die Stimmung in der zweiten Hälfte dunkler, schwindet der Zauber. Wie auch das Gemeinschaftsgefühl, jeder aus der Clique geht seinen Weg. Félix de Givry in der Hauptrolle überzeugt durch Natürlichkeit, beherrscht perfekt das Spiel mit Andeutungen. Hansen-Løve räumt rigoros mit Klischees auf, so zeichnet sie das DJ-Dasein nicht nur als Jetset samt Champagnerorgien, sondern als Situationen voller Einsamkeit und Selbstzweifel, nicht nur schöne Menschen tanzen, sondern auch Normalos.

Der akribisch zusammengestellte Soundtrack ist eine Hommage an den französischen House. Manchmal braucht es Geduld, immer wieder im Club den DJs beim Auflegen und den Tanzenden zuzugucken, aber genau diese Redundanz betont den verschworenen und vielleicht nicht für alle verständlichen Kosmos dieser Parallelwelt.

Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen

Der Film geht über den Blick zurück hinaus, wird zur Charakterstudie des Bruders und schildert seine Freundschaften, Liebesbeziehungen (darunter mit Greta Gerwig) und Trennungen. Je mehr die Handlung fortschreitet und die Figur am Abgrund entlang taumelt, um so tiefer und präziser wird die Erzählweise dieser fast schon "historischen" und doch sehr persönlichen Geschichte, die zwar "Eden" heißt, aber am Ende wenig mit dem Paradies zu tun hat. mk.

Kinostart: 30.04.2015