07.10.2014 09:50 Dokumentarfilm von Doris Dörrie

Dieses schöne Scheißleben - über weibliche Mariachi in Mexiko auf der Suche nach dem persönlichen Glück

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Dokumentarfilm über weibliche Mariachi in Mexiko auf der Suche nach dem persönlichen Glück und ihren Kampf gegen Machismo; (c) Senator

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Von: GFDK - kino.de

Dokumentarfilm über weibliche Mariachi in Mexiko auf der Suche nach dem persönlichen Glück und ihren Kampf gegen Machismo. "Hier auf dem Platz singt keiner so gut wie ich". Mariachi-Sängerin Maria del Carmen sagt das mit Stolz und ein bisschen Trotz, sie tritt zwar mit männlichen Bandmitgliedern auf, ist als Sängerin aber unangefochten und hat sich durch gebissen, gegen alle Vorurteile.

Denn das Feld gehört eigentlich den Mariachi-Bands mit ihren Mitgliedern in engen Hosen mit Sombrero und Cowboystiefeln, die auf der Plaza Garibaldi in Mexiko-Stadt musizieren. Was so leicht und touristisch angehaucht aussieht, ist harte Arbeit, der Lohn mickrig. Nur wenige Frauen entscheiden sich für ein Leben als Mariachi, skeptisch beäugt von der männlichen Konkurrenz. Und nur wenige können sich behaupten.

Doris Dörrie drehte mit einem kleinen Team sechs Wochen lang in Mexiko City und Umgebung, setzte sich auf die Spuren weiblicher Mariachi, die über Tod und Liebe singen, über Armut und Alltag. Neben Maria haben sich auch "Las Estrellas de Jalisco" durchgesetzt, die am Wochenende in die Stadt kommen und ihre Familien daheim lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen müssen sie sich nicht nur auf der Plaza verdingen, sind gut im Geschäft auf Partys, Beerdigungen oder Hochzeiten. Die Dritten im Bunde sind "Las Pioneras de Mexico", die ältesten Vorreiterinnen, sie feierten schon in den 1950er und 1960er Jahren Erfolge.

Die Musikerinnen egal welchen Alters geben zu, viel zu opfern. Von Verwandten und Bekannten werden sie schräg angeschaut, weil sie sich nicht auf Küche, Kirche und Kinder konzentrieren, eifersüchtige Ehemänner stänkern herum und die Hausarbeit wartet oft noch nach dem Auftritt.

Dörries Erzählung beginnt einige Wochen vor dem "Dia de los Mortes" Anfang November, ein traditioneller und bunter Gedenktag für die Toten, der auch im Vergnügungsviertel gefeiert wird. Mit großer Offenheit berichten die Protogonistinnen von ihrem Alltag, vom Moment der Befreiung bei den Aufritten, aber auch von Erschöpfung, vom Kampf gegen all gegenwärtigen Machismo und permanente Gewalt als Zeichen von Männlichkeit.

Es berührt zutiefst, wenn sich die Frauen ihren Frust von der Seele singen, mit volkstümlichen Liedern in denen die "Suche nach dem Glück" beschworen wird, die Lust am Leben, das sie mit dem titelgebenden Refrain "Ach dieses schöne Scheissleben" zelebrieren. Die Doku entwirft ein Kaleidoskop der mexikanischen Gesellschaft, verweigert sich billigen Klischees und fröhlicher Folklore, nimmt die weiblichen Mariachi ernst. Und das wissen die zu schätzen, revanchieren sich mit großer Ehrlichkeit und großem Herzen. mk.

Kinostart: 23.10.2014

Quelle: kino.de