02.05.2015 08:00 persönlich geprägte Familiengeschichte

Die abhandene Welt - Drama um einen Vater und seine Tochter

kino aktuell

Paul Kromberger entdeckt zufällig im Internet das Foto der Opernsängerin Catarina Fabiani, die seiner verstorbenen Frau zum Verwechseln ähnlich sieht; (c) Concorde

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Von: GFDK - Concorde/kino.de

Sehr persönlich geprägte Familiengeschichte über zwei Frauen, die entdecken, dass sie Schwestern sind.

Die abhandene Welt demnächst im Kino

Nach dem Tod ihrer Mutter erhielt Margarethe von Trotta den Brief einer Frau, die sich nach Geburtsort und Vorname der Verstorbenen erkundigt, ein Schock, als sich heraus stellt, dass die 15 Jahre Ältere ihre von Fremden adoptierte Schwester war, ein Geheimnis, das die Mutter mit ins Grab genommen hatte. Unbewusst trieb das Thema Schwester(n) die Filmemacherin schon vorher um, in "Schwestern oder Die Balance des Glücks" (1979), zwei Jahre später in "Die Bleierne Zeit" und "Fürchten und Lieben" (1988). Mit ihrem neuesten Werk und dem evidenten persönlichen Bezug zieht sie subtil den Bogen vom Unbewussten zum Bewussten und beweist, dass sie zur Oberliga deutscher Filmemacherinnen gehört.

Als Paul Kromberger (Matthias Habich) zufällig im Internet das Foto der Opernsängerin Catarina Fabiani entdeckt, die seiner verstorbenen Frau verblüffend ähnlich sieht, schickt er seine Tochter Sophie nach New York, um Kontakt zur Unbekannten aufzunehmen. Eine Reise mit emotionalen Überraschungen und Impuls für eine unerwartete Familienzusammenführung. Katja Riemann und Barbara Sukowa, erstmals gemeinsam vor der Kamera, spielen dieses Schwesternpaar, das sich in einem schmerzhaften Prozess entdeckt und annähert, wie zwei Seiten einer Medaille. Riemann, die offene Jazzsängerin, Sukowa, die im Innern verkapselte Opernsängerin, beide mit traumhafter Performance. Obgleich die von einer italienischen Freundin der Mutter adoptierte Catarina erst durch die jüngere Sophie ihre wahre Herkunft erfährt, ahnte sie wohl einen dunklen Fleck, wollte es aber nicht wissen. Fast jeder verbirgt Geheimnisse, hält sie in hübschen Kisten unter Verschluss, eine psychoanalytische Symbolik.

Sehr persönlich geprägte Familiengeschichte über zwei Frauen

Leise Trauer und umweht die Geschichte, wenn die Jüngere im Aussehen der Älteren ihre Mutter erkennt, die "große" Schwester nach dem Besuch bei der dementen Adoptivmutter (Karin Dor) die Tränen nicht mehr zurückhalten, ihr leiblicher Vater das Unglaubliche kaum fassen kann. Das titelgebende Lied bezieht sich auch auf ein abhanden gekommenes Schicksal, auf die Gegenwart, die durch den abrupten Einbruch der Vergangenheit eine andere geworden ist. Beide Hauptdarstellerinnen singen im Film, kein Problem für Riemann, die schon mehrere CDs veröffentlicht hat und schon gar nicht für Sukowa, die seit 30 Jahren ihre Leidenschaft für klassische Musik auslebt. Es geht unter die Haut, dieses mutige und am Ende hoffnungsvolle Drama über Angst und Schuld, Erlösung durch Wahrheit, Akzeptanz der Wirklichkeit. mk.

Kinostart: 07.05.2015