05.03.2015 08:00 eine 14-Jährige, die ihren Vergewaltiger tötete

Das Mädchen Hirut - Drama um eine engagierte äthiopische Anwältin

Das Maedchen Hirut kino

Die Frauenrechtsanwältin Meaza vertritt für eine NGO misshandelte Frauen vor Gericht; (c) Alamode (Filmagentinnen)

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Von: GFDK - Alamode (Filmagentinnen)/kino.de

Äthiopisches Frauenrechtsdrama um ein wegweisendes Urteil im Fall einer misshandelten Minderjährigen.

Das Mädchen Hirut im Kino

Der von Angelina Jolie in ihrer Funktion als UN-Menschenrechtsbotschafterin produzierte Film behandelt einen Fall, der sich 1996 nicht weit vom Heimatort des in Kalifornien ausgebildeten Äthiopiers Zeresenay Mehari zugetragen hat. Die Vorgänge erinnern an mittelalterliche Verhältnisse: Während die Anwältin Meaza in Addis Abeba für eine NGO misshandelte Frauen vor Gericht vertritt, erfährt sie zufällig von der erst 14-jährigen Schülerin Hirut Assefa, die in ihrem Dorf von einer Reiter-Bande überfallen, entführt, in einen Verschlag gesperrt und vergewaltigt worden ist - nicht aus krimineller Energie, sondern schlicht, weil es in dieser Region Sitte ist, sich als Mann so seine Frau "auszuwählen".

Mehari blendet Brutales bei seiner Schilderung gnädig aus, wenn Hirut flieht und in Notwehr ihren Peiniger mit dessen Waffe erschießt. Die Männer rufen die Polizei, die Hirut trotz ihrer inneren Verletzungen und einem gebrochenem Arm ohne ärztliche Hilfe in eine Zelle sperrt, wo sie den Prozess mit sicherem Todesurteil erwarten soll. Was sich für westliches Verständnis unglaublich liest, war bis vor Kurzem ganz normale frauenfeindliche Tradition und ist es andernorts weiterhin. Im erschreckenden Gesellschaftsbild müht sich Meaza, dem Mädchen ein faires, menschenwürdiges Verfahren zu ermöglichen. Herablassende Chauvinisten und mitleidlose Beamten legen ihr Steine in den Weg. Ihre Eltern, beide sind Analphabeten, beugen sich der Verbannung durch das Dorf-Gericht. Zu tief ist die Unterwerfung im gewalttätigen System in den Köpfen verankert. Meaza setzt alles auf eine Karte und verklagt den Justizminister Äthiopiens - was landesweite Aufmerksamkeit erweckt und das vorübergehende Verbot ihrer NGO bewirkt.

Äthiopisches Frauenrechtsdrama

Der Film um einen Präzedenzfall überzeugt durch seinen bewegenden Inhalt und weniger durch die Form. Mehari verleiht seinem mit Laien besetzten, kleinbudgetierten Drama mit Handkamera und Montage Lebendigkeit, die Dramaturgie ist jedoch nicht sonderlich involvierend. Jedoch überstrahlt Hiruts Schicksal und die Botschaft über den Wandel einer Gesellschaft die handwerklichen Mängel - auf Festivals war das Publikum ergriffen und lobte in Locarno und Berlin für so viel couragiertes Sozialengagement Preise aus. tk.

Kinostart: 12.03.2015