09.07.2013 08:00 Spionageaffäre

Aktueller denn je: Alex Gibneys Dokumentation "We Steal Secrets - Die WikiLeaks Geschichte" kommt am 11.7.2013

We Steal Secrets

Die Chronik der Webseite ist eng verbunden mit Aufstieg und Fall ihres schillernden Betreibers, dem Mastermind Assange. Bild 1-4 (c) Universal

Die WikiLeaks GeschichteJulien AssangeKinostart 11.7.2013
Von: GFDK - Kino.de - 4 Bilder

Schon 1989 wird der australische Hacker Julian Assange mit einem Computer-Virus in Verbindung gebracht, der den sorglosen Start einer Raumsonde mit Plutonium-Batterie ahnden soll. Aber erst viele Jahre später gelingt ihm sein größer Coup: Die Gründung der Internet-Plattform Wikileaks, die anonym Geheimnisse enthüllt, die Regierungen ihren Bürgern vorenthalten. Rasch steigt Assange zum dubiosen Bannerträger der Transparenz auf, von den USA erbost als Terrorist betitelt. Sein wichtigster Zuträger, der idealistische US-Soldat Bradley Manning, steht schließlich vor Gericht.

Ausgewogen und kritisch rekapituliert Oscarpreisträger Alex Gibney Tatsachen um die berühmt-berüchtigte Enthüllungsplattform Wikileaks, ihren Organisator Julian Assange und seinen wichtigsten Zuträger, den Whistle-Blower Bradley Manning. Jemand Geeigneteren dafür könnte man sich kaum denken, als den renommierten New Yorker, dessen preisgekrönte Dokumentationen wie "Enron: The Smartest Guys in the Room " oder "Taxi to the Dark Side" (Oscar 2008) bravourös politische Aufklärung leisten.

Die Chronik der Webseite ist eng verbunden mit Aufstieg und Fall ihres schillernden Betreibers, dem weißhaarigen Mastermind Assange. Fernab lauten Agitprops zeigt Gibney zahlreiche Interviews mit dem Porträtierten selbst, lässt Unterstützer und Gegner sprechen, verwendet Medienberichte und Privatvideos, Mitschnitte von Auftritten und Chatdialoge. Sie vermitteln einen umsichtigen, unaufgeregten, von der Suche nach Wahrheit beseelten Politthriller. Der ohne Partei zu ergreifen kritische Distanz wahrt und sehr genau nachforscht, wie sich beteiligte Personen und Regierungen verhalten.

Während Gibney die globale Geschichte nachzeichnet, gelingt es ihm mit Biografischem sowohl die Psyche Assanges wie auch Mannings aufzuschlüsseln. Und er enthüllt gewissermaßen den Mythos Assange zwischen Online-Robin-Hood und dubios-fragwürdiger Märtyrer-Pose. Aufschlussreich ist der Vergleich zum zerrissenen Idealisten Manning, dem nach drei Jahren Isolationshaft und Folter die Todesstrafe droht. Er startete mit dem Bord-Video eines Apache Kampfhubschraubers, das die Ermordung unbewaffneter Zivilisten im Irak zeigt, eine Reihe von diplomatischen Debakeln für die USA. Bis das Imperium zurückschlägt und die Regierung, die ihre Bürger ausspioniert, die Offenlegung ihrer Schnüffelei als Terrorismus diffamiert. Fox News stößt Todesdrohungen gegen Assange aus, das Pentagon dreht den Spenden-Geldhahn für Wikileaks zu, Assange wird wegen Sexualdelikten angeklagt und harrt seitdem in der Londoner Botschaft Ecuadors aus. Dazu darf man sich seine eigene Meinung bilden, weil Gibney nichts verschweigt und sich auf keine Seite schlägt, sondern unbequeme Fragen aufwirft. Kein Freiheits-Pathos vernebelt die nachdenkliche Sicht auf den Wert der Wahrheit in der Überwachungs-Ära seit 9/11, die Ausleuchtung moralischer Dilemmata und die Folgen der Transparenz-Ethik für die Betroffenen. tk. Quele: kino.de

Regie: Alex Gibney

 

Pressestimmen und weitere Links:

Berliner Zeitung:

http://www.berliner-zeitung.de/spionage-skandal/wikileaks-doku--we-steal-secrets--snowden-weiss-es-besser,23568638,23611524.html

Welt:

http://www.welt.de/kultur/kino/article117825715/Wikileaks-oder-kein-Mensch-ist-ohne-Makel.html

FR:

http://www.fr-online.de/kultur/edward-snowden-snowden-vermeidet-assanges-fehler-,1472786,23570872.html

 

Der Film kommt am 11.7.2013 in die Kinos. Im Verleih von Universal.