04.01.2014 08:26 musikalische Independent-Ballade

Ab 9.1. im Kino: I Used to Be Darker - Coming-of-Age-Drama von Matt Porterfield

kino i used to be darker

Den Titel hat sich Regisseur Matt Porterfield vom Song "Jim Cain" des amerikanischen Folkmusikers Bill Callahan geliehen, der das Auf und Ab des Lebens besingt, Fotos: Arsenal Film

kinopremiere i used to be darkerindependant film von matt porterfieldkino i used to be darker mit Kim Taylor, Hannah Gross
Von: GFDK - Kino.de

Die Liebe hat Taryn von Nordirland in die USA gelockt, doch schon nach kurzer Zeit scheitert die Beziehung. Da sie nicht weiß, wohin, will sie vorerst bei Tante Kim und Onkel Bill in Baltimore unterkommen. Doch da herrscht das einzige Beziehungschaos: Das Paar befindet sich gerade im Scheidungsprozess und hat dazu noch alle Hände voll zu tun, die gemeinsame Tochter Abby bestmöglich darauf vorzubereiten. Das nichtsahnende Mädchen ist auf dem College und wird in den Ferien nach Hause kommen. Plötzlich hat Taryn kein richtiges Zuhause mehr.

Independent Ballade für Arthouse Kenner

I used to be Darker ist eine überaus musikalische Independent-Ballade, die in teilnehmender Distanz von Trennung und Lebenschaos erzählt.

Regisseur Matt Porterfield hat vier Jahre nach "Putty Hill" eine ganz leise auftretende Indie-Perle herausgebracht - ideal für Festivals von Sundance bis zur Berlinale. Allerdings fordert sie vom Arthaus-Kenner, sich mit Geduld darauf einzulassen. Den Titel hat er sich vom Song "Jim Cain" des amerikanischen Folkmusikers Bill Callahan geliehen, der das Auf und Ab des Lebens besingt. Gleiches vollbringt Porterfields undramatische Regie, die statt auf Plotpoints und erklärende Dialoge ganz auf die dezenten Stimmungen von Songwriter-Liedern vertraut, die das sich soeben trennende Ehepaar - Ned Oldham (als Bill) und Kim Taylor (als Kim) - selbst spielt und singt. Separat, versteht sich, versunken in Einsamkeit und Trennungsschmerz und den fabelhaften Lyrics, die einfühlsam und sympathisch ihre seelische Verfassung wiedergeben.

Matt Porterfield zeichnet sich durch einen ganz unaufgeregten Erzählstil aus

In diesen Blues platzt unerwartet Kims gerade erwachsene nordirische Nichte Taryn (die zart-blasse Deragh Campbell ist eine Entdeckung), die von daheim abgehauen, nun von einem längst wieder Verflossenen schwanger und komplett ohne weiteren Plan ist. Sie nistet sich bei dem Paar ein, das seine Habseligkeiten etappenweise voneinander dividiert, zugleich mit der wütenden Tochter Abby hantiert und sich redlich Mühe mit Taryn gibt, die all ihre Sorgen vor ihnen verheimlicht.

Das könnte nun ein großes Drama um dysfunktionale Familienbanden werden, ist aber glatt das minimalistische Gegenteil: Im Nachhall aller Zerwürfnisse angesiedelt, verzichtet Porterfield in äußerst unspektakulärer Lakonie auf narrative Konventionen und das so unaufgeregt, das es eine Art hat. Wie nebenbei wohnt er den Figuren, die wie aus dem echten Leben eines Jedermanns geschnitten wirken, bei dem wenigen bei, was sie diesen milchig-trüb fotografierten Sommer über tun. Was zunächst störrisch und spröde auf Distanz hält, löst diese mit zunehmender Laufzeit immer weiter auf. Ein feinfühliger Spätentwickler, auf dessen gemächliches Aufblühen es sich zu warten lohnt, wenn das aus den Fugen geratene Leben sich wieder einrenkt, vorzugsweise mit Hilfe wunderbarer Folksongs. tk. Quelle: kino.de

Verleih: Arsenal Institut - ab 9.1.2014 im Kino