14.10.2012 07:00 Angenehm aufwühlende Gedichtbilder

Buch: Und Vater telefoniert mit den Fliegen - Herta Müller mit der Schere

Lyrik mit der Schere

(c) Hanser Verlag

Von: GFDK - Hanser Verlag

Herta Müller hat eine neue Form im Umgang mit Wörtern gefunden: ein poetisches Puzzle aus Zeitungspapier. Die aus Rumänien stammende Literaturnobelpreisträgerin 2009 schickt einzelne Wörter auf die Reise, dichtet mit der Schere: Aus Zeitungen und Zeitschriften schneidet sie Wörter, Buchstaben und Bilder heraus und stellt diese zusammen, bis sie sich reimen. Die derart komponierten Texte sind so frei, dass sie sich niemand hätte ausdenken können - ein Wunderwerk der Phantasie.

Über die Autorin:

Herta Müller wurde 1953 im rumänischen Nitzkydorf geboren, ihre Familie gehörte zur deutschen Minderheit in Rumänien. Der Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gedient, die Mutter war wie viele Rumäniendeutsche 1945 in die Sowjetunion deportiert und fünf Jahre in einem Arbeitslager in der heutigen Ukraine interniert worden.

Als Studentin der Germanistik und Rumänistik an der Universität von Timisoara stand Müller Mitte der 1970er Jahre der Aktionsgruppe Banat nahe, einem Kreis junger deutschsprachiger Autoren, die in Opposition zur Diktatur Ceausescus für Meinungsfreiheit eintraten. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde jedoch entlassen, als sie nicht mit der Geheimpolizei zusammenarbeiten und Spitzeldienste leisten wollte.

Ihr Debüt Niederungen erschien in der Originalfassung 1984 in Berlin (West), nachdem die rumänische Ausgabe zwei Jahre zuvor stark zensiert worden war. Weil sie Kritik am Regime geäußert hatte, wurde Müller in Rumänien mit einem Publikationsverbot belegt. Sie war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 verließ die Schriftstellerin Rumänien, seitdem lebt und arbeitet sie in Berlin.

1989 veröffentliche Müller den Prosaband Reisende auf einem Bein. Ihr erster Roman, Der Fuchs war damals schon der Jäger, erschien 1992, zwei Jahre später folgte der Roman Herztier und 1997 Heute wär ich mir lieber nicht begegnet, die alle das Leben unter der Schreckensherrschaft Ceausescus schildern. 2000 veröffentlichte sie den Gedichtband Im Haarknoten wohnt eine Dame, 2005 folgte mit Die blassen Herren mit den Mokkatassen ein weiteres Buch mit Gedicht- und Bildcollagen. 2003 erschien der Essayband Der König verneigt sich und tötet. Ihr letzter Roman, Atemschaukel (2009), war für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Herta Müller erhielt Lehraufträge in England, Amerika, Schweiz und Deutschland und ist seit 1995 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2009 wurde sie als zwölfte Frau und dreizehnte Deutsche mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, da sie – wie es in der Begründung heißt – “mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet”.

Im Mai 2010 ist Herta Müller mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

 

Pressestimmen:

3Sat:

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/164451/index.html

Im Focus:

http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-herta-muellers-vater-telefoniert-mit-den-fliegen_aid_810374.html

Im Interview mit dem Spiegel:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87908042.html

 

Hanser Verlag (27.08.2012)


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