19.12.2016 06:22 Nachruf zu Lebzeiten

Buch: "Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele - eine etwas ungewöhnliche Liebeserklärung

Nachruf zu Lebzeiten: Der letzte Zeitungsleser

Michael Angele´s Buch ist eher ein letztes Innehalten geworden, ein Gedankenblättern, ein Mäandern im besten montaigneschen Sinne eine etwas ungewöhnliche Liebeserklärung. Verlag Galiani Berlin

Von: GFDK - Florian Ringwald

Noch sieht man es nicht im vollem Ausmaß, noch kann man an Vieltausenden von Frühstückstischen das Rascheln von bedrucktem Papier hören – aber es ist wohl eher realistisch als zynisch, wenn man konstatiert: die gedruckte Tageszeitung wird es nicht mehr lange geben. Ihr letztes Stündlein hat schon jetzt geschlagen.

Was mit ihr untergehen wird, ist aber nicht nur eine Nachrichtendarreichungsform – mit ihr verschwindet eine Kulturleistung, ja, sogar eine Lebensform. Und damit wir uns dessen nicht erst bewusst werden, wenn es zu spät ist, sondern lieber, solange wir noch Seiten zwischen den Fingern fühlen, hat Michael Angele schon jetzt einen Nachruf zu Lebzeiten geschrieben: den wehmutsvoll-wachen erzählenden Essay Der letzte Zeitungsleser.

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Wer jammerlappiges Klagen, zukunftsfeindliches Zetern oder verbohrte Rückwärtsgewandtheit erwartet, geht allerdings fehl. Michael Angele kennt beide Seiten: als stellvertretender Chefredakteur einer gedruckten Zeitung (der Freitag) weiß er genau, wovon er spricht – als ehemaliger Chefredakteur der Netzeitung, der ersten deutschen Internetzeitung, ist er allerdings jeglichen Ressentiments gegenüber Neuerungen absolut unverdächtig.

So ist sein Buch denn auch eher ein letztes Innehalten geworden, ein Gedankenblättern, ein Mäandern im besten montaigneschen Sinne und, ja, auch (oder vor allem?) eine etwas ungewöhnliche Liebeserklärung.

Das Werk erscheint am 11. August, gedruckte und gebundene Vorausexemplare gibt es ab dem 22. Juli beim Verlag Galiani Berlin