17.03.2017 00:40 Museen Dresden

Otto Griebel - revolutionäre Kunst in der Weimarer Republik

Otto Griebel, Materialmenschen

Otto Griebel, Materialmenschen, 1923 (c) Staatliches Museum für Zeitgeschichte Russland

Otto Griebel, der Schiffheizer

Otto Griebel, der Schiffheizer 1920, Privatbesitz, Foto: Christian Wirth München

Von: GFDK - Museen Dresden

Museen der Stadt Dresden zeigen Otto Griebel. Otto Griebel (1895-1972) ist bisher vor allem als Vertreter der proletarisch-revolutionären Kunst in der Zeit der Weimarer Republik bekannt.


1911 begann er eine Glasmalerausbildung an der Königlichen Kunst-gewerbeschule in Dresden. Unterbrochen durch den Weltkrieg, setzte er diese 1919 fort. Im Herbst desselben Jahres wechselte er an die Kunst-akademie, wo er bis 1922 bei Robert Sterl studierte. Er gehörte der Dresdner Dada-Gruppe um Erwin Schulhoff und Otto Dix an und war Mitglied zahlreicher progressiver Künstlervereinigungen. Seit 1919 war er Mitglied der KPD, von 1920-1923 der linksradikalen KAPD. In Dresden war er Gründungsmitglied der Gruppe der Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (Asso) und der Dresdner Sezession 1932.


Für die KPD und ihre Flankenorganisationen war er als Vortragsredner, Puppenspieler, Schnellzeichner und Illustrator tätig. 1933 wurde er verhaftet und nur unter der Auflage der Einstellung seiner politischen Tätigkeit entlassen. Werke aus seinem Besitz wurden beschlagnahmt, andere in den Femeausstellungen „Entartete Kunst“ diffamiert und aus Museumsbesitz entzogen. 1945 verlor Otto Griebel nahezu sein gesamtes Lebenswerk in der Bombennacht des 13. Februar.


1946 nahm er eine Stelle als Kunsterzieher in einem Gymnasium an, 1953 bis 1960 war er an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät der Dresdner Kunsthochschule tätig. Sein bildnerisches Werk setzte er nach 1949 nur noch sporadisch fort und widmete sich stattdessen dem Schreiben.

Wege zur Kunst - Otto Griebel

Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte Griebel, sich experimentell die neuesten Entwicklungen der avantgardistischen Kunst anzueignen. In dieser Zeit war er der einzige Dresdner Maler, der nichtgegenständlich arbeitete. Nach dem Intermezzo „Dada“ fand Griebel 1920 zu einer sachlich-realistischen Gestaltungsweise, die ihm einen direkten Ausdruck seiner politischen Überzeugungen ermöglichte. Anfangs nahe an Stil und Themen seines Kommilitonen Otto Dix, fand Griebel um 1923 zu einer eigenstän-digen Handschrift.

Anfangs malte Otto Griebel Landschaften

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre machte er sich überregional einen Namen als Aktzeichner, Humorist und politisch-kritischer Künstler. 1933 zog er sich in der „Gruppe der Sieben“ zum Aquarellieren in der Landschaft zurück, setzte aber auch seine bildnerische Auseinandersetzung mit den Erlebnissen des Ersten Weltkriegs fort.
Während der letzten Kriegswochen 1945 begann Otto Griebel wieder zu malen, schuf Landschaften, sein „Selbstbild vor dem brennenden Dresden“ und eine Zeichnungsfolge zu den Erlebnissen der Bombennacht vom 13. Februar 1945. In den Folgejahren versuchte er, verlorene Bilder und Motive zu wiederholen und an sein politisches Werk der 1920er Jahre anzuknüpfen. Mehr und mehr wandte er sich jedoch dem Schreiben zu und vernachläs-sigte die bildkünstlerische Arbeit. Um 1960 setzte er sich in einer Serie von Zeichnungen ein weiteres Mal mit den Schrecken des Krieges auseinander.

Ausstellung in Dresden

Nach einer kleinen Personalausstellung 1965 im Leonhardi-Museum Dresden und einer weiteren 1995 im Stadtmuseum Dresden ist dies die bisher umfassendste Retrospektive zum Werk von Otto Griebel. Unser Ziel ist vor allem die Rekonstruktion der Hauptschaffenszeit des Künstlers von 1919 bis Mitte der 1930er Jahre. Zu diesem Zweck wurden mehr als die Hälfte aller erhaltenen Werke Griebels zusammengetragen. Daneben geben wir ein Überblick über das Spätwerk nach 1945. Insgesamt umfasst die Schau 148 Werke aus der Zeit von 1914 bis 1971, davon 13 Gemälde.


Der Rundgang beginnt mit einem Selbstbildnis des Jahres 1914. Nichtgegen-ständliche Werke des Jahres 1919 und einige Belegstücke dadaistischer Arbeit schließen sich an. Aus den 1920er Jahren zeigen wir eine Auswahl der zahlreichen satirischen Zeichnungen Griebels in Briefen und Gästebüchern von Sammlern und Künstlerfreunden, Aktstudien, Bilder des Krieges und des arbeitenden Menschen sowie Arbeiten für das Puppentheater. Daran schließen sich Werke der 1930er Jahre an – Landschaftsaquarelle aus der Umgebung Dresdens und wiederum Auseinandersetzungen mit den Erlebnissen des Weltkriegs.
Blätter der Folge „Der Tod von Dresden“ und ein Selbstbildnis markieren den Neubeginn 1945. Ausgewählte Werke der 1950er Jahre leiten zu den wichtigsten späten Arbeiten über: der Zeichnungsfolge zu dem Antikriegsroman „Das Feuer“ von Henri Barbusse.

4. Februar bis 7. Mai 2017
Dienstag bis Donnerstag, Samstag und Sonntag 10-18 Uhr
Freitag 10-19 Uhr, montags geschlossen


Museen der Stadt Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden

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