14.04.2014 09:00 Schriftsteller nimmt den Stift in die Hand

Museen Stade: Hermann Hesse. Mit Feder und Farbe - Werke aus dem Nachlass Heiner Hesse

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Der Schriftsteller nimmt den Stift in die Hand und – beginnt zu zeichnen; © Hermann Hesse-Editionsarchiv Volker Michels, Offenbach am Main

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Von: GFDK - Museen Stade

Mit der Ausstellung „Hermann Hesse. Mit Feder und Farbe – Werke aus dem Nachlass Heiner Hesse“ wendet sich das Kunsthaus Stade dem bildnerischen Werk des Literaturnobelpreisträgers zu.

Die Schau stellt das Spektrum von den ersten Arbeiten bis zu den Werken der letzten Lebensphase Hesses dar. Die ausgestellten Bilder werden im Kunsthaus in einem biografischen Zusammenhang präsentiert und mit ausgewählten Zitaten aus seinen Schriften und Briefen ergänzt.

Aussttellung in Museen Stade

Die ausgestellten Werke stammen aus dem Nachlass des mittleren Sohnes Heiner Hesse, sie umfassen Skizzenbücher, Bleistift- und Federzeichnungen, Aquarelle, vereinzelte Öl- und Buntstift-Bilder, Gouachen sowie illustrierte Briefe und Gedichte. Viele dieser Werke werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Teil der Ausstellung widmet sich Heiner Hesse als Person, Künstler und Briefpartner seines Vaters, wodurch neue Sichtweisen auf Hermann Hesses Leben ermöglicht werden. Außerdem werden zum ersten Mal Exponate aus dem Nachlass von Walter und Nora Schadow gezeigt, die von Norddeutschland aus eine über Jahrzehnte andauernde freundschaftliche Beziehung zu Hermann Hesse pflegten. Die Ausstellung „Hermann Hesse – Mit Feder und Farbe“ im Kunsthaus Stade entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Hermann Hesse Montagnola.

Freunde der Kunst

Hermann Hesse (* 2.7.1877 † 9.8.1962) war 39 Jahre alt, als er anfing zu zeichnen und zu malen. Inmitten des Ersten Weltkrieges begann er auf Anraten seines Psychiaters mit der Abbildung von Träumen und mit Selbstbildnissen. Von nun an setzte Hesse sich nahezu täglich mit Zeichenstift oder Pinsel vors Papier. Schnell entwickelte er eine Neigung zu Naturdarstellungen, malte Landschaften aber auch Interieurs, meistens arbeitete er im Freien. In den oft farbenfrohen Bildern aus den ersten Jahren gab er Eindrücke aus seinem Wohnort Bern oder von seinen Fahrten ins Tessin wieder. Ab 1919 wurde Montagnola im Tessin seine neue - und letzte - Heimat und sein häufigstes Bildmotiv.

Hermann Hesse begeisterte sich in erster Linie für das Zeichnen und Aquarellieren und erprobte dabei unterschiedliche Stile: Darstellungen kindlich-naiv anmutender Landschaften in kräftigen Farben, Auflösung der Bildmotive in geometrische Formen, starke Konturierung der Bildelemente, aber auch detailreiche, kolorierte Federzeichnungen. Letztere entstanden vor allem Ende der 1920er / Anfang der 1930er Jahre. Licht und Farbe verleihen vielen seiner Bilder eine rhythmische Gliederung, die Gegenständlichkeit bleibt jedoch stets erhalten. Als Inspiration dienten Hesse die Werke seines Freundes, des Malers Louis Moilliet. Moilliet machte Hesse auch auf August Macke aufmerksam, den er sehr bewunderte, begegnet waren die beiden sich jedoch nie. Der ältere, ruhigere Hesse widmete sich mit Genuss einer Tätigkeit, die er von Anbeginn seines Malerdaseins ausübte: Er illustrierte Briefe und Gedichthandschriften. Viele seiner Publikationen sind mit eigenen Bildern ausgestattet.

Bildende Kunst

Hesses Zeichnungen und Aquarelle sind keine bloßen Abbildungen, es sind hintergründige Darstellungen. Das bildnerische Schaffen war von existenzieller Bedeutung für den Schriftsteller: Hierdurch gelang es ihm, Schreibkrisen und Selbstzweifel zu überwinden. So waren Malerei und Text, Kunst und Leben für Hesse eng miteinander verwoben. 1928 schreibt er:
 
Ich habe mein Malstühlchen in der Hand, das ist mein Zauberapparat und Faustmantel, mit dessen Hilfe ich schon tausendmal Magie getrieben und den Kampf mit der blöden Wirklichkeit gewonnen habe.
(Ohne Krapplack, in Berliner Tageblatt, 1928)

Viele seiner Bilder sind allegorisch oder symbolhaft zu deuten, Gedanken und Stimmungen fließen in die Darstellungen ein. Einsamkeit und Leid lassen sich an vielen Werken ablesen, beispielsweise wenn ein Baum allein in der Landschaft steht und Häuser ohne Fenster wie eine abweisende Mauer wirken. Selbst in strahlenden Landschaften ist die Vergänglichkeit des Irdischen zu entdecken, werden die Licht- und Schattenseiten des Lebens gespiegelt. Wie in vielen seiner Schriften ist auch in Hesses Bildern der Wunsch nach Einklang mit der Natur zu erkennen, aus ihnen spricht eine Sehnsucht nach Harmonie und Glück. Hesses Gesamtwerk zeugt von seiner sensiblen Wahrnehmung der Natur und der sinnlichen Freude am kreativen Schaffen; Hermann Hesses Bildwelt schlägt somit einen Bogen zu seinen Texten und vervollständigt sein Werk.

Hermann Hesse. Mit Feder und Farbe

Heiner Hesse (*1.3.1909 † 7.4.2003), der mittlere der drei Hesse-Söhne, hatte eine intensive, aber auch konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater, wovon ein umfangreicher, größtenteils unveröffentlichter Briefwechsel zeugt. Nach dem Tod Hermann Hesses widmete sich der Sohn mit Hingabe der Erschließung des Nachlasses seines Vaters und der Publikation dessen Korrespondenz. Er setzte es sich zum Ziel, Hermann Hesse auch als Maler bekannt zu machen.

 bis 11. Mai 2014

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