15.07.2017 07:29 zwischen den zeilen

Kunst in Briefen von Joseph Beuys bis Niki de Saint Phalle

Kunst von Niki de Saint Phalle im Sprengel Museum Hannover

Niki de Saint Phalle, Last Night I had a Dream, 1968 Siebdruck auf Papier

Von: GFDK - Sprengel Museum

Die Ausstellung „Zwischen den Zeilen. Kunst in Briefen von Niki de Saint Phalle bis Joseph Beuys“ im Sprengel Museum Hannover zeigt noch bis 27. August 2017 den fast vergessenen Medien der Briefe und Postkarten.

Gezeigt werden namhafte, internationale Künstlerpositionen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die mit zum Teil experimentellen Konzepten die kreativen sowie kommunikativen Möglichkeiten und Grenzen des Schriftverkehrs ausreizen.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe Präsent zeigt das Sprengel Museum Hannover regelmäßig Neuankäufe für die grafische Sammlung, die durch die Förderung der Deutschen Bank ermöglicht werden. Die diesjährige Ausstellung zeigt in einer konzentrierten Auswahl von insgesamt 64 Künstlerbriefen und -postkarten seit den 1960er-Jahren, wie spannungsreich Künstlerinnen und Künstler mit diesen Medien arbeiten. Bereits durch den Titel Zwischen den Zeilen wird klar, dass es um intime und komplexe, teilweise versteckte Botschaften geht.

Die Briefe und Postkarten dienen nicht mehr nur der schriftlichen Kommunikation, sondern werden selbst zum Kunstwerk. Den Schwerpunkt der Werkschau bilden die illustrierten Briefzeichnungen Niki de Saint Phalles aus dem Sammlungsbestand des Museums, denen ein ganzer Raum in der Ausstellung gewidmet ist.

Dabei werden neben den Druckgrafiken auch die empfindlichen Originalzeichnungen der Künstlerin zu sehen sein. Ankäufe für die grafische Sammlung, wie zum Beispiel eine abstrakte Briefserie von Günther Uecker und Postkarten von Joseph Beuys, bereichern die Ausstellung thematisch. Die Auswahl aus der Sammlung wird darüber hinaus ergänzt durch 21 Leihgaben, unter anderem von Mary Bauermeister, James Lee Byars, Sophie Calle, Hanne Darboven, Elena del Rivero, Dieter Roth und Ben Vautier.

Künstlerbriefe in der Kunst

Der Brief als Kommunikationsmittel wird heutzutage nur noch selten genutzt – die zeitgenössische Kunst hingegen hat sich in vielfältiger Weise diesem Thema gewidmet. Handgezeichnete Illustrationen oder konzeptuelle Auseinandersetzungen mit dem Brief lassen das Medium selbst zum Kunstwerk werden.

Vor allem die Künstlerbriefe von Niki de Saint Phalle (1930-2002), die für ihre fröhlich-bunten Frauenskulpturen, den Nanas, bekannt ist, sind in ihrer Verknüpfung von Text und Illustration einzigartig und geben einen tiefen, sehr intimen Einblick in die Gedanken und Emotionen der Künstlerin. Einen anderen Ansatz verfolgt hingegen Günther Uecker (*1930), der in einer Briefserie das eigentlich Notwendige für die Kommunikation – die Schrift – in ein unleserliches, informelles Bild verwandelt.

Ausstellung in Hannover

Seit den 1960er-Jahren spielt der Aspekt der Intermedialität eine zunehmend wichtige Rolle, die sich auch auf die künstlerische Gestaltung von Briefen und Postkarten auswirkt. Joseph Beuys (1921-1986) lässt das Material für sich sprechen und fertigt Briefe und Postkarten aus Schwefel, Metall und Filz in hoher Auflagenzahl, um sie als Vehikel seiner Ideen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Serielle Arbeitsweisen und der Einsatz performativer und konzeptueller Elemente erweitern so die Bedeutung und die Funktion des Schriftverkehrs. Einen solchen konzeptuellen Ansatz verfolgt auch Sophie Calle (*1953), die mit ihrem im Sprengel Museum Hannover gezeigten Werk einen schmerzhaften, an sie adressierten Brief verarbeitet und sich dadurch selbst therapiert.

Die Ausstellung und ein Ankauf aus der Ausstellung für die grafische Sammlung des Museums werden gefördert durch die Deutsche Bank.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Ausstellung im Sprengel Museum Hannover

Weiterführende Links:
http://www.sprengel-museum.de/
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