25.05.2017 06:31 Eroberung des Weltraums

Design-Ikone des Space-Age zu sehen in der Pinakothek der Moderne

der finnische Architekt Matti Suuronen hatte die Idee fuer die Design-Skihuette

Olotila FUTURO Broschüre, Detail, 1968-1969, veröffentlicht von Polykem Oy Ab, dem Hersteller des FUTURO-Hauses. © Matti Suuronen, Espoo City Museum

Von: GFDK - Pinakothek der Moderne

In einer Präsentation im Außenbereich der Pinakothek der Moderne würdigt Die Neue Sammlung die Design-Ikone des Space-Age: das 1965-67 vom finnischen Architekten Matti Suuronen entwickelte und ursprünglich als Skihütte konzipierte Kunststoffhaus FUTURO.

In Form eines Ellipsoides gestaltet, verkörpert das FUTURO die Zukunftsvisionen der 1960er-Jahre, in der neue Materialien im Zentrum visionärer Entwürfe von mobilen Lebensräumen standen. Geprägt von Zuversicht in Wissenschaft und Technik sowie die Eroberung des Weltraums, symbolisiert das FUTURO das Streben nach neuen, funktionalen, effizienten und massenproduzierbaren Behausungen dieser Zeit.

Mit einem Durchmesser von acht Metern und einer Gesamthöhe von knapp sechs Metern bietet das Gebäude eine ca. 50m2 große Wohnfläche, die in weniger als 30 Minuten mit Strom beheizt werden kann. Das Gebäude ruht auf einem stabilen Stahlrohrgestell. Seine Ausführung ist so gestaltet, dass das Haus auch in unwegsamem Gelände aufgebaut werden kann und extremen Temperaturen genauso standhält wie Erdbeben oder Stürmen. Die Tür fungiert gleichzeitig als ausklappbare Treppe, ähnlich jener von kleinen Privat-Jets, über die man das auf seinem Stahlfundament schwebende FUTURO betritt.

Designikone des Space Age

Das FUTURO wurde von der finnischen Firma Polykem Ltd. als eines der ersten serienproduzierten Kunststoffhäuser der Geschichte hergestellt und international vertrieben. Seine Wände bestehen aus mit Glasfaser verstärkten Polyesterschalen, die eine Isolierung aus Polyurethan-Schaum sandwichartig umfassen. Um den Auf- und Abbau zu erleichtern, wurde es in 16 Kreissegmenten hergestellt, die vor Ort innerhalb von zwei Tagen zusammengebaut werden konnten. 16 doppelt verglaste Fenster bieten einen Panoramablick. Es existieren leider keine Aufzeichnungen, wie viele FUTURO-Häuser insgesamt verkauft wurden. Eine konservative Schätzung geht von ca. 70 Exemplaren aus, von denen heute ca. 60 erhaltene Häuser bekannt sind.

Ausstellung in München

Das Münchner FUTURO-Haus konnte 2016 für Die Neue Sammlung erworben werden und wird nun nach einer umfassenden Restaurierung zum ersten Mal gezeigt. Der kreisrunde, nicht unterteilte Raum enthält, abgesehen von einer umlaufenden Bank, keine Inneneinrichtung. Das Münchener Exemplar des FUTURO wurde zunächst in den frühen 1970er-Jahren von Stiebel Eltron gekauft und auf dem Firmengelände in Vlotho errichtet. 2012 erwarb es das Charles-Wilp-Museum in Witten. Von dort aus gelangte es nun nach München. Der Künstler, Grafikdesigner und Komponist Wilp hatte in den 1970er-Jahren ein leider nicht erhaltenes FUTURO besessen, das Christo 1970 verpackt hatte und in dem Künstler wie Andy Warhol, Claes Oldenbourg und Yves Klein zu Gast gewesen waren.

Kuratiert von Dipl. Rest. Univ. Tim Bechthold, Dr. des. Caroline Fuchs und Dr. Angelika Nollert

Programm

Das FUTURO ist im Rahmen von gesonderten Öffnungszeiten und Führungen (begrenzte Teilnehmerzahl)  sowie Sonderveranstaltungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Mehrere „Programm-Satelliten“ ergänzen die Präsentation des FUTURO in München.

 

Satellit 1

„Alles, was Sie schon immer über das FUTURO wissen wollten“

Vortragsreihe mit vier ExpertInnen

Sonntag, 23. Juli 2017, 11.00-13.00 und 14.00-16.00 Uhr

Ernst von Siemens-Auditorium

 

Sprecher

Dr. Elke Genzel und Dr. Pamela Voigt (Leipzig): Geträumte Zukunft. Pioniere der Kunststoffarchitektur

Cora Geißler (Berlin): Das Leben mit dem FUTORO-Haus und der Roadtrip zu den FUTUROS in der Welt

Marko Home (Helsinki): FUTURO World

Dipl. Rest. Univ. Tim Bechthold (Die Neue Sammlung, München): Keep Watching the Skies. A Flying Saucer Comes to Town

 

Die Ausstellung wird gefördert durch PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. und KONEN.