15.07.2017 06:55 Sehnsüchten, Abgründen, Leidenschaften

Bildende Kunst trifft auf Theater - Ersan Mondtag

MMK zeigt Bettina Rheims - Karen Mulder mit super winzigem BH

Bettina Rheims: Karen Mulder with a very small Chanel bra, 1996, Courtesy Bettina Rheims, Foto/photo: Axel Schneider

Vanessa Beecrofts nackte Inszenierung

Vanessa Beecroft: vb68, 2011 Courtesy Vanessa Beecroft, Foto: Vanessa Beecroft

Von: GFDK - MMK Frankfurt

In Zusammenarbeit mit dem gefeierten Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag präsentiert das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im MMK 2 Werke seiner Sammlung im Licht zeitgenössischer Identitätsentwürfe, die sich zwischen grotesker Selbstoptimierung und körperlichen Auflösungserscheinungen bewegen.

Nachdem sich das MMK in den vergangenen Jahren zunehmend künstlerischen Ausdrucksformen jenseits der bildenden Kunst gewidmet hat, entwickelt das Museum gemeinsam mit Ersan Mondtag nun erstmals eine Ausstellung, die gezielt den Transitraum zwischen bildender Kunst und Theater in den Fokus rückt.

Ersan Mondtag arbeitet zwischen den Feldern Theater, Tanz, Musik, Performance und Installation. Seine Inszenierungen entfalten sich als assoziative Bild- und Geräuschwelten, in deren Mittelpunkt stets der Mensch mit seinen Sehnsüchten, Abgründen und Leidenschaften steht. Seine transdisziplinäre Praxis, die meist nahezu ohne Sprache auskommt, bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte an die jüngere Kunstgeschichte und ist damit prädestiniert für eine museale Präsentation. Dank seiner visuell überbordenden und kontrovers diskutierten Inszenierungen gilt Mondtag als einer der meist beachteten Jung-Regisseure im deutschsprachigen Raum.
Für die Ausstellung „I am a problem“ verwandelt Mondtag die Räume des MMK 2 in eine Bühne, welche die Besucher in eine düstere und zugleich aufreizende Parallelwelt entführt.

Mythos Maria Callas

Den Ausgangspunkt für seine Inszenierung bildet ein Mythos um die Opernsängerin Maria Callas. Um ihre Traumfigur zu erreichen, soll sie sich einen Bandwurm einverleibt haben. Der Legende nach führte der Parasit, den die berühmte Opernsängerin angeblich in einem Glas Champagner hinunterspülte, innerhalb weniger Wochen zu einem erstaunlichen Gewichtsverlust. Callas eiserner Optimierungswille sowie der Mythos um ihre groteske Diät bilden das Motiv der Ausstellung. Entlang Mondtags szenischem Parcours begegnen die Besucher immer wieder der geisterhaften Präsenz der Opernsängerin, stoßen auf wurmartige Raumelemente, die sich durch die Ausstellung winden, und werden schließlich selbst zu Parasiten, wenn sie den dunklen, organischen Tunnelgang eintreten, der in den Raum ragt. Auf den verschlungenen Pfaden der Ausstellung begegnen ihnen in den Werken Grenz- und Doppelgänger, stille Rebellen, gescheiterte Existenzen und der Selbstoptimierung anheim gefallene Körper.

Die inszenierten Werke reichen von Rosemarie Trockels Frau ohne Unterleib über eine für die Ausstellung entwickelte begehbare pneumatische Skulptur von Plastique Fantastique bis hin zu jüngsten Erwerbungen des MMK, wie Will Benedicts titelgebendes Death-Metal-Video I am a problem. Sie zeigen, wie die Metamorphosen des Körperlichen zu Sinnbildern für private und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen werden. Es sind die teils zaghaften, teils renitenten Gesten des Widerstandes, denen Ersan Mondtag in den Werken nachspürt und die er zu den modernen Anti-Helden seiner Erzählung werden lässt.

Inszenierungen von Ersan Mondtag

Ersan Mondtags Inszenierung lädt die Besucher ein zu einer furiosen Reise durch die Hochebenen und Niederungen menschlicher Existenz.


Künstlerliste:
Kader Attia, Vanessa Beecroft, Will Benedict, Bernhard Johannes Blume, Shannon Bool, Marlene Dumas, Robert Gober, Douglas Gordon, Georg Herold, Martin Honert, Jonathan Horowitz, On Kawara, Teresa Margolles, Bruce McLean, Aernout Mik, Lutz Mommartz, Bruce Nauman, Steven Parrino, Arnulf Rainer, Bettina Rheims, Thomas Ruff, Taryn Simon, Dayanita Singh, Markus Sixay, Jack Smith, Elaine Sturtevant, Juergen Teller, Oliviero Toscani, Rosemarie Trockel, Andy Warhol und ein Auftragswerk von Plastique Fantastique


Förderer der Ausstellung:
Die Ausstellung wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und den Museumskooperationspool der Stadt Frankfurt am Main.

Pressevorbesichtigung: Freitag, 22. September, 11 Uhr im MMK 2
Eröffnung: Freitag, 22. September, 20 Uhr im MMK
2

I am a problem. Inszeniert von Ersan Mondtag

23. September 2017 – 18. Februar 2018

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