12.08.2014 08:00 ZEIT KUNST NIEDERÖSTERREICH

Ausstellung: K.U.SCH. EINE THEMENPALETTE - erste umfassende Retrospektive der Künstlergruppe

ausstellung st.poelten

Seit 1972 entwickeln Renate Krätschmer und Jörg Schwarzenberger als Künstlerduo K.U.SCH. Projekte und Kunstwerke; Bild 1: © Land Niederösterreich, Bildrecht, Wien, 2013

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Bild 2: © Bildrecht, Wien 2014, Foto: K.U.SCH.

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Bild 3: © Land Niederösterreich, Bildrecht, Wien 2014, Foto: Christoph Fuchs

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Bild 4: © Land Niederösterreich, Bildrecht, Wien, 2014, Foto: Rita Newman

Von: GFDK - w.hoch.2wei

ZEIT KUNST NIEDERÖSTERREICH widmet der Künstlergruppe K.U.SCH. die erste umfassende Retrospektive und beleuchtet ausgehend vom Frühwerk alle wesentlichen Aspekte ihres facettenreichen und eigenwilligen Œuvres.

Die Ausstellung „K.U.SCH. Eine Themenpalette“ ist vom 27. September 2014 bis 22. Februar 2015 in der Shedhalle des Landesmuseums Niederösterreich in St. Pölten zu sehen.

Freunde der Kunst

Seit 1972 bezeichnen sich die seit ihrer Heirat 1968 als Duo auftretenden Renate Krätschmer (geb. 1943) und Jörg Schwarzenberger (1943–2013) offiziell als Künstlerkooperative K.U.SCH, der seit 2006 auch ihr Sohn Sito angehört. Ihr vielfältiges Œuvre, das auf die unmittelbare Verknüpfung von Kunst und Leben abzielt, umfasst Objektkunst, Malerei, Zeichnung, Film, Design, Land-Art, Performance und Theater und ist von Anfang an von einem dezidiert gesellschafts- und konsumkritischen Bewusstsein geprägt.

Den eigentlichen Beginn der künstlerischen Zusammenarbeit von Krätschmer und Schwarzenberger markieren Objekte und Möbel, die auf eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbenlehre Goethes und Harald Küppers zurückgehen und die Wirkung von Farbe, Form und Linie im Verhältnis zu Raum und Fläche thematisieren. Parallel dazu entstanden, angeregt durch das „New American Cinema“, mehrere experimentelle Filme, die dokumentarische und künstlerische Elemente in sich vereinigen.

1978 übersiedelte das bis dahin in Wien ansässige Paar für einige Jahre auf einen Vierkanthof in Kirnberg bei Melk (NÖ), den so genannten Strohhof, wo die beiden im Sinne einer ganzheitlich-kreativen Selbstverwirklichung und im Einklang mit den Zyklen der Natur lebten, Gemüse anbauten und Ziegen züchteten: „Das Leben am Bauernhof kann […] im Nachhinein vielleicht als eine intime Form von Gesamtkunstwerk verstanden werden.“, so Jörg Schwarzenberger. Die eigene Erfahrung des Eingebunden-Seins in die Natur einerseits und die Beschäftigung mit den Kulturen verschiedener Naturvölker andererseits forcierte zunehmend K.U.SCH.‘s Interesse für Rituale und Masken, was schließlich in der Idee ihres Prozessionstheaters kulminierte.

Die erste Umsetzung eines solchen gesamtkunstwerkartigen Spektakels fand unter dem Titel „Annäherung an das Fremde“ 1988 im Rahmen des Donaufestivals in Krems statt: Ähnlich einer Fronleichnamsprozession zogen etwa 50 Mitwirkende – Maskenträger, Musiker, Tänzer, Schauspieler und andere Akteure – nach genauen Anweisungen und mit verschiedenen, von K.U.SCH. gestalteten Masken, Stäben und Schilden ausgestattet, würdevollen Schrittes durch die Kremser Altstadt, wobei es bei bestimmten Stationen zur Aufführung von kurzen szenischen Performances kam. Dem Titel gemäß ging es „um die Erregung einer kontemplativen Aufmerksamkeit, – darum, die Fremdheit der Masken als die eigene Fremdheit sich selbst gegenüber wahrzunehmen (wahrnehmbar zu machen).“

Ausstellung in St.Pölten

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Schaffen von K.U.SCH. ist die mit absurden und zugleich titelgebenden Wortkreationen einhergehende Objektkunst, in der sie auf sarkastisch-ironische Art den Warenfetischismus unserer Zeit zum Thema machen. Indem sie Dinge, die aus völlig unterschiedlichen Zusammenhängen stammen, miteinander kombinieren und nach dem genitalen Prinzip als männlich oder weiblich kategorisieren, werfen sie ein assoziatives Netz aus, in dem „alles um uns herum vermittels seiner Körperhaftigkeit, Bezüglichkeit und Ausstrahlung zu uns spricht, auf uns wirkt […].“

Die seit längerem geplante Ausstellung, die sich anhand eines chronologisch-thematischen Parcours dem von K.U.SCH. angestrebten Ideal eines Gesamtkunstwerks anzunähern versucht, findet bedauerlicherweise in memoriam Jörg Schwarzenberger statt, der nach schwerer Krankheit im Dezember 2013 verstorben ist, aber an der Konzeption noch maßgeblich mitgewirkt hat.

werner@kunstnet.at