24.09.2014 08:00 Museum Wiesbaden

Ausstellung in Wiesbaden: Goethe — Faust — Beckmann - Werkkomplex der deutschen Kunstgeschichte

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Der komplette Zyklus, der dem Goethe-Museum in Frankfurt als Dauerleihgabe übergeben wurde, wird nach über zehn Jahren erstmals wieder präsentiert; (c) Bundesrepublik Deutschland und Museum Wiesbaden

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Von: GFDK - Museum Wiesbaden

Im Jahr 1977 gelang es dem Museum Wiesbaden gemeinsam mit dem Bund aus Frankfurter Privatbesitz eines der bedeutendsten Werkkomplexe der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts zu erwerben: Den vollständigen Zyklus — bestehend aus 143 Federzeichnungen — von Max Beckmann (1884—1950) zur Dichtung Faust II von Johann Wolfgang von Goethe (1749—1832).

Ausstellung in Wiesbaden

Die Blätter entstanden im Auftrag von Georg Hartmann (1870—1950), ehemaliger Vorsitzender des Freien Deutschen Hochstiftes, zwischen dem 15. April 1943 und dem 15. Februar 1944 in Amsterdam. Für Beckmann selbst, der für Hartmann bereits den Zyklus Apokalypse illustrierte, handelte es sich um ein großes Werk, an dem er intensiv, teilweise bis zur körperlichen Erschöpfung arbeitete. Es existieren nur Bleistiftskizzen und diese Tuschezeichnungen, da eine geplante Auflage kam nie zustande.

Die allgemeine Auseinandersetzung mit dem großen Dichter Goethe, dessen Text, der „eine höhere, breitere, hellerer, leidenschaftslosere Welt“ schildert als noch in Faust I, in der Vermengung des eigenen starken Charakters und seiner eigenen „Bombensorgen“ im Exil ließen das Werk zu einem gleichnishaften, überzeitlichen Spiegel unserer Gesellschaft werden. Beckmann gestaltet in diesen Zeichnungen an und mit Goethes dichtem Text seine Themen, immer und immer wieder: das Verhältnis von Mann und Frau, die irdische Welt als Bühnestück, das ganz im Sinne Shakespeares gespielt werden muss, sein Selbstbild — er zeigt sich als Faust und Mephisto —, die letzten Dinge und das bewegte Zeitgeschehen.

Aufgrund dieser Verquickung der eigenen Themenwelt mit Goethes Dichtung konnte Beckmann nach Fertigstellung selbstbewusst schreiben: „Glauben Sie nur nicht, dass ich den alten Optimisten für diese Zeichnungen gebraucht hätte. Ich bewege mich in den gleichen Regionen, dort bin ich auch zu Hause.“

Freunde der Kunst

Der komplette Zyklus, der dem Goethe-Museum in Frankfurt als Dauerleihgabe übergeben wurde, wird nach über zehn Jahren erstmals wieder präsentiert.

3 Okt 2014 - 18 Jan 2015

annika.haas@museum-wiesbaden.de