09.09.2013 08:00 WAGNER:WERK Museum Postsparkasse

Ausstellung in Wien: SECOND LIFE - Upcyclingglasdesign aus Finnland

SECOND LIFE ausstellung im WAGNER:WERK Museum Postsparkasse

Eine neue Generation von GlasdesignerInnen: Von der Fabrik zum Studio; Bild 1/2: Foto: Timo Syrjänen

SECOND LIFE ausstellung wien

Bild 3/4/5: Foto: Christian Schindler

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Von: GFDK - Christina Werner

Im Rahmen seines Schwerpunktprogramms Design zeigt das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse vom 1. Oktober bis 8. November 2013 die Ausstellung „SECOND LIFE. Upcyclingglasdesign aus Finnland“. Mit dieser Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Finnischen Glasmuseum in Riihimäki entstanden ist, nimmt das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse zum mittlerweile fünften Mal an der Vienna Design Week teil.

Ausstellung in Wien

Die in der Ausstellung präsentierten Glasarbeiten der finnischen Designer Jan Torstensson (*1953) und Jukka Isotalo (*1962) zeigen deutlich, welche Spuren sich durch die ökologischen und ökonomischen Debatten in den letzten Jahrzehnten in die Material-Anschauung eingeschrieben haben. Re-Design  und Recycling sind (überlebens)not-wendige Schritte in eine Zukunft, von der noch sehr ungewiss ist, wie sie aussehen und mit welchen Materialien sie leben wird.

Finnisches Glasdesign
Auf die Designer und Designerinnen, die das finnische Glasdesign in den 1950er Jahren zu Weltruhm geführt hatten, folgte eine junge Generation, die vor der schwierigen Aufgabe stand das anspruchsvolle Erbe der finnischen Weltstars anzutreten. Diese junge Generation verbindet eine tief verwurzelte ökologische Sichtweise und ein starkes individuelles Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft unseres Planeten. Da das Schmelzen von Glas seit jeher viel Energie kostet und bei steigenden Energiekosten immer unwirtschaftlicher wird, haben die beiden finnischen Künstler Jan Torstensson (*1953) und Jukka Isotalo (*1962) Recycling von Glas zur Grundlage ihrer Designs gemacht.

Die Entwicklung des finnischen Glasdesigns
In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg traten finnische Glasmacher vor allem auf den Weltausstellungen von Barcelona 1929, Paris 1937 und New York 1939 international in Erscheinung und erfuhren dort erste Beachtung. Folgten die von den aufstrebenden finnischen Glasfabriken in Barcelona ausgestellten Objekte noch allgemein verbreiteten internationalen Mustern oder modernen schwedischen Vorbildern, war auf den Weltausstellungen von Paris und New York schon ein eigener Stil erkennbar, der das finnische Glasdesign in der Nachkriegszeit zu Weltruhm führen sollte. Besonders stachen in Paris und New York die Kreationen von Alvar Aalto und seiner Frau Aino hervor, die zu Ikonen des finnischen Glasdesigns werden sollten.

Bildende Kunst

Die Triennale von Mailand 1951 wurde zum bedeutendsten internationalen Forum der noch jungen Sparte Design. Hier wurde auch der Weltruhm des finnischen Glasdesigns begründet. 1954 wiederholte sich der Erfolg – Tapio Wirkkala, der durch seinen Erfolg in Mailand 1951 mit einem Schlag zu einem der international renommiertesten Designer avanciert war, übernahm wieder die Ausstellungsarchitektur. Neben ihn traten jetzt v.a. Timo Sarpaneva und Kaj Franck mit ihren einfachen, formschönen und funktionalen Entwürfen. Die finnischen Glasfabrikanten erkannten sofort, welchen Wert die internationalen Erfolge der Designer für ihre Unternehmen im In- und Ausland hatten. Nie zuvor und nie danach hatten die finnischen Glasdesigner so freie Hand beim Entwerfen von künstlerischen Objekten und Gebrauchsgläsern.

Es gibt wohl kaum ein Land, das der Glaskunst einen derart hohen Stellenwert einräumt und in dem ein Glasdesigner angesehener war als ein Bildhauer, Maler oder Komponist. In den 1960er Jahren fanden noch zwei Triennalen in Mailand statt, die sich aber immer stärker auf das Industriedesign konzentrierten und so für die finnische Glasindustrie, die an der Schnittstelle von Kunstgewerbe und industrieller Fertigung agierte, an Bedeutung verloren.

Eine neue Generation von GlasdesignerInnen: Von der Fabrik zum Studio
Auf die Designer und Designerinnen, die das finnische Glasdesign in den 1950er Jahren zu Weltruhm geführt hatten, folgte eine junge Generation, die vor der schwierigen Aufgabe stand, das anspruchsvolle Erbe anzutreten. Der Ausweg aus dieser Situation bestand darin, sich von der Industrie zu lösen, sich der in den 1960er Jahren in den USA entstandenen ‚Studioglasbewegung’ zuzuwenden und in eigenen kleinen Studios ihre Werke selbst herzustellen. Diese Antwort ist auch Ausdruck des immer stärker werdenden Interesses an individueller beruflicher und künstlerischer Freiheit.

Die Glasarbeiten von Jan Torstensson
Jan Torstensson (*1953), von Beruf ursprünglich Maschinenbauer, belegte vorerst aus Neugier einen einfachen Kurs, bevor er eine dreijährige professionelle Ausbildung zum Glasbläser absolvierte. Dennoch betrachtete er die Glasmacherei vorerst noch als Hobby – erst als die Familie nach Kihniö in der Provinz Satakunta in Westfinnland übersiedelte, wurde in dieser idyllischen Umgebung das Hobby endgültig zu Beruf und Berufung.
Torstensson begann, sein eigenes technisches Equipment zu planen und zu bauen. Die ersten Objekte waren traditionell geblasene Gläser. 2005 entstand dann die Idee, Produkte aus Abfallglas zu entwickeln. Er experimentierte ungefähr ein halbes Jahr, plante und baute wieder die für die Herstellung dieser neuen Produkte notwendigen Vorrichtungen und entwarf erste Produkte, die sich für die Herstellung in kleinen Serien eigneten.

Als Hauptrohstofflieferanten konnte Jan Torstensson den Flughafen Helsinki-Vantaa gewinnen, von wo er ausgediente Weinflaschen und Piccoloflaschen bezog und für die Fertigung von Trinkgläsern verwendete. Grundlage der gesamten Tätigkeit des Glasstudios und eines der wichtigsten Ziele ist eine möglichst ökologische Produktionsweise. Die Fertigung von Glas ist normalerweise sehr energieintensiv; die von Jan Torstensson entwickelten Geräte und Öfen ermöglichen hingegen eine energiesparende und umweltfreundliche Fertigung.

Dazu trägt nicht zuletzt auch bei, dass das Abfallglas zumeist nicht vollständig eingeschmolzen wird, sondern nur erwärmt zu werden braucht, um die von Torstensson entworfenen Formen entstehen zu lassen. Nicht nur für seine Entwürfe, sondern zusätzlich auch für seine Material und Energie sparenden Fertigungsmethoden und die sich so eröffnenden neuen Möglichkeiten, ist Torstensson im Jahr 2009 in Finnland ausgezeichnet worden.

Die Glasarbeiten von Jukka Isotalo
Jukka Isotalo (*1962) fand seinen Weg zum Glasdesign und zum Recyclingglas auf völlig andere Weise. Ursprünglich studierte Isotalo von 1985 bis 1987 an der Universität Helsinki Theaterwissenschaft mit dem Hauptfach Regie, wechselte aber 1987 an die Universität für Kunst und Design (heute Aalto-Universität) Helsinki und studierte dort Industriedesign. Das Studienjahr 1989/1990 verbrachte er in Schweden an der Stockholmer Konstfackskolan.

Freunde der Kunst

Daran schloss sich noch ein weiteres Semester an der Glasschule der renommierten schwedischen Glashütte Orrefors an. Während dieses Auslandsaufenthalts entstanden Jukka Isotalos erste Produkte: aus den Resten einer Studentenparty – leeren Weinflaschen – entwickelte er seine Geschäftsidee. Isotalo gab diesen Flaschen mit sogenannten kalten Techniken, also ohne die Gläser zu erwärmen, ein völlig neues Äußeres und eine neue Funktion.

Schon im Abschlußjahr 1996 hatte er eine Einzelausstellung in Stockholm, wo seine künstlerischen Glasobjekte ausgestellt und verkauft wurden. Zwei Jahre später gründete Jukka Isotalo seine eigene Firma Evolum AG. Hier fertigt er seither eine Vielzahl unterschiedlicher Gebrauchsgläser, die alle aus Altglas entstehen: sein Material - leere Weinflaschen - stellen ihm heute die besten Restaurants in Helsinki zur Verfügung. An Ausstellungen im In- und Ausland nimmt er übrigens noch immer erfolgreich teil – ausschließlich mit Objekten aus Altglas.

2003 wurde Jukka Isotalo zum Kunsthandwerker des Jahres gewählt. Zu seinen Auftraggebern zählen die Stadt Helsinki und das Umweltministerium Finnlands genauso wie finnische Großunternehmen und Banken, aber auch internationale Marken wie etwa Rolls Royce. 2009 waren die Siegerpokale, die beim Weltcup im Slalom in Levi, Nordfinnland überreicht wurden, von Isotalo entworfen worden – aus gebrauchten Weinflaschen.

Das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse wurde von der BAWAG PSK ins Leben gerufen und im Oktober 2005 eröffnet. Es ist einem der wichtigsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts gewidmet. In einer permanenten Ausstellung auf 354 m2 dokumentiert und veranschaulicht das Museum Otto Wagners wohl bedeutendsten Monumentalbau, die Postsparkasse als Geldinstitut und als eines der wichtigsten programmatischen Gebäude der modernen Architektur.

Basierend auf der Bauaufgabe der „Erfindung einer neuen Bank“ wird mit den Materialien aus dem Archiv der Postsparkasse sowie externen Archiven die Ideen- und Baugeschichte eines einzigartigen Bauwerkes von Otto Wagner nachvollzogen. Das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse der BAWAG PSK ist von Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt Euro 6,00; für Schüler, Studenten, Senioren und Gruppen gilt ein ermäßigter Eintritt von Euro 4,00.

Gegen Vorweis einer Kundenkarte erhalten alle Kunden der BAWAG PSK freien Eintritt.
Ergänzend zur permanenten Ausstellung konzipiert und initiiert das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse der BAWAG PSK im Großen Kassensaal jährlich zwei bis drei Sonderausstellungen, die sich mit Architektur und Design des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Der Eintritt in die Sonderausstellungen ist frei.

werner@kunstnet.at