04.03.2013 09:00 zeigt 45 Positionen zeitgenössischer Kunst

Ausstellung in Münster: Private Kunstsammlungen Münster - Director's Choice bis zum 24.3.2013 in der Kunsthalle Münster

Ausstellung  in Münster: Private Kunstsammlungen Münster - Director's Choice bis zum 24.3.2013 in der Kunsthalle Münster

Bild 1: Installation: Surasi Kusolwong, One Euro Market für Blinky Palermo, 2005; v.l. Günter Umberg, o.T., 1989; Markus Willeke, Nuts, 2004; Martin Eder, Diagramm, 2012; Michail Pirgelis, Panorama, 2006

Bild 2: Installationen: Ruppe Koselleck, Sonderedition des Teerariums, 2002; Mark Formanek, Der Tröster, 1998; v.l. Miriam Vlaming, Mean River, 2006; Susanne Hegmann, o.T., 2000; Boris Doempke, konstruktiv-destruktiv, 1981; Thomas Wrede, Bergrutsch, 2002

Bild 3: Installation: Kris Martin, 100 Years, 2004; Johannes Bernhard Blume, Magischer Determinismus, 1976; Candida Höfer, Band Oldenburg I, 1998; Florian Slotawa, Hotels, 2003

Bild 4: Installationen: Mark Formanek, Der Gesellschafter, 2000; Markus Leitsch, Rocks, 2011; v.l. Jonathan Meese, Aus Spaß… Diktatur der Kunst träumt, 2008; Phil Collins, abbas amini, 2003

Bild 5: Installation: Jason Rhoades & Paul McCarthy, Shitplug, 2002; v.l. Cornelius Völker, Staubsaugerfrau, 2002; Daniel Richter, ENNUI, 2010; Marc Brandenburg, Untitled, 2010; Anton Henning, Blumen-Stilleben, Nr. 294 und Nr. 255

Bild 6: Bodeninstallation: Carl Andre, Zinc-Lead Sonnet, 1991; v.l. François Perrodin, 61.7; 2005; Lena von Gödeke, Things that are Over (1), 2010; Anselm Reyle, untitled, 2007

Bild 7: Anja Jensen, Treffen am Paradies, 2002; Anton Hennig, Blumenstilleben Nr. 294 und Nr. 255; Ai Weiwei, Stuhl, 2007; Johannes Hüppi, Frau vor Bildschirm, 2000, Surasi Kusolwong, One Euro Market for Blinky Palermo; 2005; Daniel Buren, o.T., 2006

Von: GFDK - Kunsthalle Münster - 7 Bilder

Münster als Sammlungsstandort

Die Ausstellung „Private Kunstsammlungen Münster – Director’s Choice“ zeigt 45 Positionen zeitgenössischer Kunst aus zwölf Münsteraner Sammlungen. Erstes Auswahlkriterium war der Sammlungsstandort Münster. Die Künstlerliste zeigt, dass die Sammlerszene in Münster international orientiert und sehr gut informiert ist. Die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Münster macht deutlich: Nicht nur in Köln, Düsseldorf, Berlin und New York wird auf hohen Niveau gesammelt, auch jenseits der Metropolen finden sich Privatsammler, die Kunst von internationaler Qualität erwerben und den Mut haben, diese Positionen mit eigenen Neuentdeckungen aus NRW und Münster zu verbinden und damit einen wichtigen Beitrag zur Standortförderung leisten.

Zwischen international bekannten Künstlern wie Ai Weiwei, Candida Höfer, Ilja Kabakow, Per Kirkeby und Jonathan Meese finden sich Künstlerinnen und Künstler, deren Biografien sich mit Münster verbinden, sei es, dass sie an der Kunstakademie Münster studiert haben, eine Professur an der Kunstakademie innehaben, in einem Münsteraner Atelier arbeiten, bei den Skulpturprojekten vertreten waren oder in der AZKM bzw. in von Gail B. Kirkpatrick kuratierten Kunstprojekten gezeigt wurden. Zwölf Privatsammlungen, die in Münster beheimatet sind, haben für diese Ausstellung ihre Privaträume und Lager geöffnet. Gail B. Kirkpatrick, die langjährige Leiterin der Kunsthalle, hat ihre persönliche Auswahl getroffen.

Münster hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Adresse für zeitgenössische bildende Kunst entwickelt. Hier wird gefördert, produziert, präsentiert und wie sich in dieser Ausstellung zeigt: auf hohem Niveau gesammelt. Die Skulpturen im öffentlichen Stadtraum, die Sammlungen des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte sowie das Programm des Westfälischen Kunstvereins ziehen ein internationales, kunstinteressiertes Kunstpublikum an und machen Münster auch in der überregionalen Wahrnehmung zu einem interessanten Kunststandort in NRW. Die Ausstellung „Private Kunstsammlungen Münster – Director’s Choice“ gibt einen ersten, sehr selektiven, aber neugierig machenden Einblick in die mit Expertise und Leidenschaft aufgebauten privaten Sammlungen zeitgenössischer Kunst mit Münsteraner Postleitzahl.

Sammeln als Leidenschaft

Das Phänomen des Sammelns ist rätselhaft. Es schafft individuelle Ordnungen und Bezüge, kann eine unendliche Leidenschaft sein, aber auch eine Suche nach einer unmöglichen Liebe. Es kann aus kühler Strategie erwachsen oder aus der Verweigerung entstehen, etwas abzuschließen. Denn eine Sammlung ist selten vollkommen. Das Sammeln zeitgenössischer Kunst ist etwas Besonderes: Künstler und Sammler begegnen sich am Ende eines künstlerischen Prozesses.

Der eine als Sender, der andere als Empfänger; der eine speist Zeichen ein, der andere entziffert sie. Der Künstler verzichtet im Tausch gegen Geld auf sein Werk und übergibt es vertrauensvoll der Verantwortung des Sammlers oder der Sammlerin, in der Hoffnung, dass es sich in dem neuen Zeichensystem wiederum neu auflädt und verwandelt. Jedes Sammlungsstück hat somit seine eigene „Reisegeschichte“ zu erzählen; und manch Neuzugang hat eine ganze Sammlung durcheinander gebracht. Sammlernaturen dürfen wie Künstler eigenwillig und einseitig sein. Sie tragen das Risiko und dürfen „irren“. Die Öffentlichkeit ist zunächst ausgeschlossen. Eine Privatsammlung ist wie ein Tagebuch – ein Kosmos von Geschichten, Erinnerungen, Erkenntnissen und Begegnungen. In dieser Ausstellung wird es aufgeschlagen, doch ohne die Namen der Sammler zu nennen.

Die Kunsthalle: Ort des Dialogs

Die Besucher der Kunsthalle können sich auf Déjà-vu-Erlebnisse freuen, denn einige der gezeigten Künstler sind ihnen aus Ausstellungen der AZKM bekannt, z.B. Phil Collins, Marcel Dzama, Anton Henning, Barbara Hlali, Anja Jensen, Suchan Kinoshita, Milo Köpp, Kris Martin, Jonathan Meese, Esther Ruthenfranz oder Cornelius Völker. Die Ausstellung ist somit auch ein Spiegel des Dialogs, den die Kunsthalle über die Jahre hinweg mit Kunstproduzenten und Kunstinteressierten, Sammlern, Galeristen und Kuratoren geführt hat. Nicht zuletzt aus diesen Diskursen entstehen belastbare Qualitätskriterien, Positionen und Profile. So ist die Ausstellung u.a. ein Beweis dafür, wie wichtig eine kontinuierliche kuratorische Ausstellungsarbeit für die kulturwirtschaftliche Entwicklung eines Kunststandorts ist.

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