23.11.2014 08:00 im Münchner Stadtmuseum

Ausstellung in München: FORUM 034: Franz Wanner – Toxische Heimat - Zyklus „Gift – Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt“

Franz Wanner ausstellung

Aus recherchierten und fiktiven Momenten montiert er Fotografie und auditive Erzählung zu exemplarischen Bildern deutscher Wirklichkeit; © Franz Wanner, 2012-14

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Von: GFDK - Münchner Stadtmuseum

Unter dem Titel „Toxische Heimat“ gibt die Ausstellung Einblicke in Franz Wanners Zyklus „Gift – Gegengift. Krankheitsbilder einer Stadt“, der um den oberbayrischen Kurort Bad Tölz kreist.

Ausstellung in München

Die Rauminstallation kombiniert Bildebenen aus Archivmaterialien und eigenen Fotografien mit einer Tonebene, die aus einem von Wanner verfassten und von Babylonia Constantinides eingesprochenen Text besteht.

Franz Wanner legt unterschiedliche Facetten seiner Geburtsstadt frei, die um 1900 aufgrund ihrer jodhaltigen Quellen als Heilbad anerkannt wurde und ihre Identität bis heute aus der Kurgeschichte konstruiert. In der Erzählung des Künstlers bildet das chemische Element Jod zugleich das historische Element der Stadtgeschichte: Es fungiert als Symbol für gelöste Substanzen, mit deren Hilfe sich die stoffliche Wandlung von Gedanken in Produkte und von immateriellen Vorstellungen in gelebte Glaubensgrundsätze nachweisen lässt. Bild- und Textebene werden zu einem „begehbaren Film“, der recherchierte und selbst erlebte Begebenheiten miteinander verwebt.

In fiktionalen und faktischen Episoden erfährt der Besucher von historischen Begebenheiten und gegenwärtigen Entwicklungen der Stadt: von der Zeit des Nationalsozialismus, als in Bad Tölz ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau betrieben wurde, über die jüngst angesiedelte Rüstungsindustrie bis hin zu geheimen Spionagetreffen im geteilten Deutschland, die sich im Spaßbad Alpamare abspielten. Die hintergründige Erzählung durchleuchtet exemplarische Inszenierungen deutscher Wirklichkeit: „Wie wird das Heimatprofil durch Integration der Rüstungsindustrie profitabel verschärft?“, fragt Wanner. „Welche Rolle spielt die deutsche Vergangenheit bei der Konstruktion deutscher Gegenwart? Wie verändern sich Utopien, wenn sie in die Jahre kommen?“

Freunde der Kunst

Nach Ausstellungen in Braunschweig und Frankfurt zeigt die Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums nun eine Zusammenstellung aus Wanners Zyklus, den er seit 2012 kontinuierlich erweitert. Seine erste Monographie „Die Anmaßung“, die 2011 im Kerber-Verlag erschienen ist, wird für die Dauer der Ausstellung an der Museumskasse und im Online-Shop erhältlich sein.

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