22.08.2014 09:00 Phase 2.1 | 2014

Ausstellung in Mönchengladbach: Ein ahnungsloser Traum vom Park - Frage nach der Zukunft des Mönchengladbacher Abteibergs

Christian Odzuck ausstellung

Phase 2.1 im Jahr 2014 ist das fortgesetzte Interim, mitten in den schnell voranschreitenden Bau- und Verkehrsänderungsprozessen; Foto: Christian Odzuck

Christian Odzuck moenchengladbachmuseum abteiberg ausstellungausstellung moenchengladbach
Von: GFDK - STÄDTISCHES MUSEUM ABTEIBERG

In drei Phasen stellt das Projekt „Ein ahnungsloser Traum vom Park" die Frage nach der Zukunft des Mönchengladbacher Abteibergs.

Ausstellung in Mönchengladbach

Nachdem 2012 der Skulpturengarten des Museums Abteiberg als eine städtische Bühne präsentiert wurde, entstand 2013 eine weiter ausgreifende Ausstellung, in der die Wege und öffentlichen Räume zwischen Skulpturengarten, Hans Jonas-Park und dem neu entstehenden Stadtzentrum zum Thema wurden. Bildhauerische und interventionistische Gedanken, teils kritische Betrachtungen, teils träumerische Ideen widmeten sich den teils wenig bekannten, teils gar namenlosen Orten im Zentrum der Stadt und brachten eine Vorstellung von den ungenutzten Potentialen der städtischen Räume zur Sprache.

Als Phase 3 galt stets die neue Situation der Stadt ab 2015, wenn ein großer neuer Stadtplatz und eine neue Wegführung am Fuß des Abteibergs fertig werden. Diese Phase 3 wird auch künstlerisch nicht mehr temporäre Intervention sein, sondern vielmehr das ortsspezifische Projekt einer ausgewählten Künstlerin bzw. eines Künstlers für den neu entstehenden öffentlichen Raum - gestiftet von mfi management für immobilien,den Eigentümern des neuen Einkaufszentrums.

Phase 2.1 im Jahr 2014 ist das fortgesetzte Interim, mitten in den schnell voranschreitenden Bau- und Verkehrsänderungsprozessen, in geduldiger Erwartung der Zukunft und ihrer Lösungen, mit einigen Fortsetzungen der Interventionen im vergangenen Jahr, einer ganz neuen temporären Installation und einigen Veranstaltungen, die den Ahnungslosen Traum vom Park weiterspinnen. Zahlreiche städtische Kooperationen, teils vom Museum selbst initiiert, teils von Anderen erfunden, finden im Verlauf des Sommers von Ende Juni bis Ende September 2014 statt. Einige von ihnen sind jetzt noch nicht spruchreif, manche könnten noch hinzu kommen, der Kalender wird in den kommenden Wochen stets aktualisiert.

Der in Düsseldorf lebende Künstler Christian Odzuck, im Jahr 2012 Entwerfer der Bühne für den Skulpturengarten, 2013 Initiator der „Temporären Abkühlung“, wurde erneut eingeladen, eine Arbeit zu entwerfen, die mit der Fiktion neuer Nutzbarkeiten spielt. Auf dem Areal seiner letztjährigen Intervention realisiert er abermals die Idee einer potentiellen Neuplanung: War es im vergangenen Jahr „Temporäre Abkühlung“, die minimalistische Anmutung eines Schwimmbads für den Park (mit Fliesenwand und Wasserdusche aus einem Feuerwehr-Hydrant), so ist es jetzt die temporäre Verwirklichung eines Aufenthaltsorts unter einer Pergola. Das versteckte brachliegende Feld im hinteren Teil des Parks und die rudimentären Bezüge dieses Parks zur Tradition des englischen Landschaftsgartens werden reaktiviert und, so Odzuck, „auf die mental map der Öffentlichkeit zurückgebracht“.

Vor diesem Hintergrund ist die Arbeit als eine Raumskizze zu verstehen, die städtische Handlungsräume zeigt und nutzt. Ein großes Beziehungsgeflecht zur Stadt hat auf die Entstehung eingewirkt und diese entscheidend beeinflusst. Im prozesshaften Ansatz Odzucks gab es zu Anfang keine konkrete, formale Vorstellung. Diese entwickelte sich vielmehr aus der Analyse der gegebenen Situationen und Möglichkeiten vor Ort. So nimmt der Sockel einen konkreten Bezug auf die Museumsarchitektur Hans Holleins. Das Deckenraster seiner Neonröhren im Museum Abteiberg wurde zur Maßeinheit für die Bodenplatte und gibt die Dimensionierung vor. Generell ist diese Arbeit Odzucks als eine Reflexion über Hans Holleins Vorstellungen von Architektur lesbar (siehe Holleins Medialinien in München,1972, und auf der Plattenebene des Museums Abteiberg) und auch als eine Hommage an den soeben verstorbenen Wiener Architekten.

Das Berliner Bad, ein aus Kostengründen geschlossenes städtisches Schwimmbad an der nahe gelegenen Lüpertzender Straße diente Christian Odzuck als „Steinbruch“: Er übernahm aus der Entkernung des Gebäudes die Elemente der Lüftungsanlage und diverse Rohre, verarbeitete die Funktionselemente der dortigen Architektur für eine skulptural‑architektonische Neunutzung. Als weitere Elemente ließ Odzuck Beton-Sitzbänke produzieren, die von gefundenem Diner-Mobiliar abgegossen wurden, sowie eine Platzbeleuchtung aus einer städtischen Straßenlampe. Alle Elemente des Ensembles sind Fundstücke, teils aus dem Stadtraum bekannt, im Verfahren des Recyclings und des Zusammenfügens sich selbst entfremdet für einen neuen Sinn. Das neue Objekt von Christian

Odzuck wird bis voraussichtlich Herbst 2015 auf der Lichtung im hinteren Hans Jonas-Park zu sehen sein.

Freunde der Kunst

Das neue Objekt von Christian Odzuck wurde realisiert mit großzügiger Förderung der Bauunternehmung Ernst Kreuder GmbH & Co. KG, der Firmen Lothar Beeck Architekturbeton und Fertigteilbau GmbH, Stephan Metalldesign, FLOCK-BETON GmbH & Co. KG, Elektro Schiefer & Ercklentz GmbH & Co KG, City Vision Stadtfernsehen Mönchengladbach, Prinzen Werbetechnik, Mönchengladbach, den Abteilungen Tiefbau und Stadtgrün der Stadt Mönchengladbach und dem Museumsverein Mönchengladbach.

Christian Odzuck GEOZENTRIK

Temporäre Installation für die Phase 2.1 | 2014

ab 28. Juni 2014 bis Herbst 2015

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