12.08.2013 09:00 Richard Müller & Mel Ramos

Ausstellung in Leipzig: „Die Schöne und das Biest“ faszinierende wie provozierende Gegenüberstellungen zum Thema

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Das Arrangement von verführerischen Frauen und animalischen Spielgefährten lässt kaum noch an eine historisch motivierte Symbolik denken; Bild 1: Richard Müller, Circe, 1933 © Nachlass Richard Müller

Museum der bildenden Künste Leipzig das schöne und das biest

Bild 2: Wolfgang Joop, Come into my garden my roses are waiting for you, 2012 © Wolfgang Joop

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Bild 3: Mel Ramos, The Voyeur, 1989 © Mel Ramos

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Bild 4: Mel Ramos, Rhinocerous, 1967 © Mel Ramos

Von: GFDK - Museum der bildenden Künste Leipzig

Auf den ersten Blick ungewöhnlich ist das Zusammentreffen der Künstler Richard Müller (1874 Tschirnitz – 1954 Dresden) und Mel Ramos (geb. 1935 Sacramento, Kalifornien, lebt in Oakland, Kalifornien und Horta de San Juan, Spanien). Während Ramos eine sehr eigene Position innerhalb der Pop Art des 20. Jahrhunderts vertritt, ist Müller eine Wiederentdeckung für das breite Publikum. Müller, der als Vorläufer des magischen Realismus oder des Surrealismus bezeichnet wird, arbeitet in altmeisterlich ausformulierten Ölgemälden und Radierungen.

Intensiv ist die jahrelange Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper. Die Akte geben sich ein Stelldichein mit Affe, Nasenbär, Gürteltier, Stier oder dem wiederkehrenden Marabu - Motive, die neben ihrer betont naturalistischen Präsenz auch als hintergründige Metaphern ausdeutbar sind. In den Animal Paintings bei Mel Ramos schmiegen sich die Nackten verspielt in die mächtigen Pranken eines Gorillas oder lagern auf dem Rücken eines Nashorns, stets in offensichtlichen erotischen Gestimmtheiten.

Ausstellung in Leipzig

Das Arrangement von verführerischen Frauen und animalischen Spielgefährten lässt kaum noch an eine historisch motivierte Symbolik denken. Bekannt geworden ist Mel Ramos in den 1960er Jahren durch seine erotisch aufgeladenen Commercial Paintings, in denen er Pin-Ups neben Konsumprodukte wie Coca-Cola Flaschen, Schokoladenriegel oder Zigarren platziert. Auf diese Weise bringt er Werbestrategien in einer Überpointierung auf den Begriff.

Richard Müller studierte von 1888 bis 1896 an der Porzellanmanufaktur Meißen und der Dresdner Kunstakademie. Als Graphiker erlangte er frühzeitig Ruhm durch Radierungen, die in der Nachfolge Max Klingers stehen. So wurde er schon 1897 für die Radierung "Adam und Eva" mit einem Reisestipendium für Rom ausgezeichnet. Von 1900 bis 1935 war Müller an der Dresdner Kunstakademie als Professor für die Zeichenklasse im Grundstudium in prägender Weise tätig. George Grosz gehörte zu seinen bekanntesten Schülern. Nach 1933 spielte Richard Müller eine unrühmliche Rolle im Windschatten der nationalsozialistischen Kulturpolitik.

Bildende Kunst

So war er an der Vorbereitung der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Neuen Rathauses beteiligt, die als Vorläufer der berüchtigten Ausstellung in München von 1937 gilt. Müller fiel seinerseits bereits 1935 in Ungnade und wurde vom Amt des Rektors suspendiert. Nach 1945 geriet das Werk des Künstlers durch den Einfluss von Künstlern und Kunsthistorikern wie Hans Grundig und Fritz Löffler, die Müller zu Unrecht als "Nazi-Künstler" diffamierten, in Vergessenheit. Zu DDR-Zeiten fanden weder Ausstellungen noch eine wissenschaftliche Aufarbeitung statt. Die Leipziger Ausstellung würdigt Müller erstmals nach dessen Tod als Zeichner, Grafiker und Maler von Rang mit einer umfangreichen Anzahl von Werken. 

Freunde der Kunst

Eine konzentrierte Auswahl von Werken Wolfgang Joops wird ebenfalls im Rahmen dieser Ausstellung präsentiert. Neben Gemälden werden Skulpturen und Stickereien des Künstlers Joop zu sehen sein. Bilder von Affen und Engeln verkörpern den tierischen aber auch himmlichen Aspekt des Menschen.  

Die Ausstellung wird mit insgesamt rund 150 Gemälden, Graphiken und Zeichnungen faszinierende, vielleicht auch provozierende Gegenüberstellungen bieten.

Das Ausstellungssegment Richard Müller wird von Gastkurator Wolfgang Joop gestaltet.

joerg.dittmer@leipzig.de