20.08.2014 08:00 schön und häss­lich

Ausstellung in Köln: Andrea Büttner. 2 - ge­genübergestellt wer­den zwei For­men des Um­gangs mit dem Klavi­er

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Ei­nan­der ge­genübergestellt wer­den zwei For­men des Um­gangs mit dem Klavi­er; © Andrea Büttner / VG Bild-Kunst, Bonn 2014

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Von: GFDK - Museum Ludwig Köln

2 – der Ti­tel ist Pro­gramm. Der größte Raum des Mu­se­ums ist in zwei Teile geteilt, ei­nen hellen und ei­nen dun­klen.

Ausstellung in Köln

Im dun­klen zeigt An­drea Bütt­n­er ihre neueste Video-In­s­tal­la­tion Piano De­struc­tions* 2014. Zu se­hen ist ein­er­seits his­torisch­es Ma­te­rial – Kün­stler, fast aussch­ließlich Män­n­er, die Klaviere zer­stören –, an­der­er­seits eine ei­gene Per­for­mance, in der ne­un Pian­istin­nen synchron Stücke von Schu­mann und Chopin spielen.

Ei­nan­der ge­genübergestellt wer­den zwei For­men des Um­gangs mit dem Klavi­er. Die Kon­fron­ta­tion er­möglicht ein neues Nach­denken über Gesch­lechter­ver­hält­nisse, über die Funk­tion des Klaviers als In­stru­ment der bürg­er­lichen Mädch­en­erzie­hung, über Per­for­mancekunst und das Klavi­er als ihr klas­sisch­es – auf jede er­den­k­liche Weise mal­trätiertes oder ma­nip­uliertes – Requisit. Für ei­nen Holzsch­nitt hat Bütt­n­er selbst ein Klavi­er zer­legt und seine Teile als Druck­stöcke ver­wen­det. Ent­s­tan­den ist ein ab­s­traktes Bild aus monochro­men Farbflächen, das die Klavierz­er­störung, der es sich ver­dankt, nur noch er­ah­nen lässt.

2 kann aber auch für das Urteilen im All­ge­mei­nen ste­hen, das sich zwischen zwei Polen – schön und häss­lich, cool und pein­lich, wichtig und un­wichtig – be­wegt. Im Zen­trum des hellen Teils der Ausstel­lung ste­ht Im­manuel Kants Kri­tik der Urteil­skraft, die „zwei Teile der Philo­so­phie“, näm­lich den the­o­retischen und den prak­tischen Teil, „zu einem Ganzen verbin­den“ will. Dafür wählt Bütt­n­er ei­nen ungewöhn­lichen Zu­gang.

Sie fragt sich, auf welche Weise konkrete Bilder mit Kants ab­s­trak­tem Text ko­r­re­spondieren: welche Bilder Kant beim Schreiben vor Au­gen ge­habt haben kön­nte, welche beim Le­sen vor Au­gen treten. Mit Dutzen­den von Bildern – his­torischen und heuti­gen – gel­ingt es ihr, Kants Be­griffe sinn­lich zu machen. In großen Off­set-Druck­en stellt Bütt­n­er „Kants Bilder“ zusam­men und kon­fron­tiert sie in der Ausstel­lung mit ihren Holzsch­nit­ten und Glasar­beit­en.

Zur Ausstel­lung er­scheint im Fe­lix Mein­er Ver­lag eine von An­drea Bütt­n­er il­lus­tri­erte Aus­gabe von Kants Kri­tik der Urteil­skraft.

Freunde der Kunst

An­drea Bütt­n­er (*1972 in Stutt­gart) hatte Einze­lausstel­lun­gen 2007 im Badischen Kun­stverein (Karl­s­ruhe), 2011 in der Lon­don­er Whitechapel Gallery, 2013 im Zol­lamt des Mu­se­um für Mod­erne Kunst (Frank­furt am Main). Auf der dOC­U­MEN­TA (13) zeigte sie ihre Ar­beit „Lit­tle Sis­ters. Lu­na Park“. Sie lebt in Frank­furt am Main und Lon­don.

5. Septem­ber 2014 bis 15. März 2015

info@museum-ludwig.de