15.11.2016 07:35 spannende Einblicke in die Kulturgeschichte

Ausstellung in Kassel: Plakatkunst von Karl Oskar Blase bis Gunter Rambow

Rambow + Lienemeyer, It's time to fly to Hanoi

Plakatkunst: Rambow + Lienemeyer, It's time to fly to Hanoi 1968, Foto Ute Brunze

Ott + Stein, Menschen in Berlin

Ott + Stein, Menschen in Berlin, 2004, Foto Ott + Stein

Von: GFDK - Neue Galerie Kassel

Mit herausragenden Plakatentwürfen von Kasseler Professoren und Studierenden des Grafikdesigns seit der Nachkriegszeit beschäftigt sich die Sonderausstellung »PLAKAT KUNST KASSEL« in der Neuen Galerie ab dem 11. November 2016.

Ihre oft ungewöhnlichen Lösungen für komplexe grafische Herausforderungen setzten Maßstäbe für Kulturplakate in den Bereichen Film, Theater, Museen oder Veranstaltungen. Aber auch spannende Einblicke in die Kulturgeschichte der Bundesrepublik nach 1945 bis hin zur Geschichte des documenta-Designs anhand der 13 bislang für die Weltkunstausstellungen gestalteten Plakate werden in der Ausstellung gegeben.

Ausstellung in Kassel

Die frühesten gezeigten Plakate wurden von Karl Oskar Blase in den 1950er Jahren für das Kulturprogramm der Amerikahäuser entworfen: Bildung sollte zum Motor der Entnazifizierung werden. Durch modernes Grafikdesign wollten sich die USA zudem während des Kalten Krieges als die innovative, dem Osten überlegene Kulturnation profilieren. In den 1950er Jahren dominierte die amerikanische Filmindustrie mit reißerischen Plakaten die „Kinowüste Deutschland“. Hans Hillmanns Entwürfe für den ambitionierten Göttinger Filmverleih „Neue Filmkunst Walter Kirchner“ revolutionierten mit ihrem genialen Sinn für thematische Zuspitzung das Medium des Filmplakats.

Die Studentenrevolte und der Vietnamkrieg prägten die späten 1960er und 1970er Jahre. Auf den Plakaten von Rambow+Lienemeyer für das Schauspiel Frankfurt wird die Stadt zum Schauplatz: Othello hängt am Bauzaun eines Spekulationsgeländes. Von seinem angestammten Platz, der Straße, eroberte das Plakat die Wände der Wohngemeinschaftsküchen und verkündete dort politische Gesinnung. Über die Theater- und Filmgeschichte bis zur documenta, von der Atomkraftdiskussion zum Aufstieg der Grünen – die Plakate bringen nicht nur anspruchsvolle Inhalte grafisch auf den Punkt, sondern fangen mit Witz und Fantasie Zeitgeschichte ein.

Thema Plakatdesign und Gestaltung

Seit 2015 wird Plakatgestaltung an der Kunsthochschule Kassel nicht mehr gelehrt. Die Professur wurde zu Gunsten des neuen Arbeitsbereiches „Games“ nicht neu besetzt. Die Ära von Kassel als Schule der Plakatkunst fand vorerst ein Ende. An die Ausstellung knüpft sich deshalb auch die Frage: Welche Rolle spielen Plakate und künstlerische Plakatgestaltung heute noch?

PLAKAT KUNST KASSEL

11. November bis 5. März 2016

Museumslandschaft Hessen Kassel

Neue Galerie

Schöne Aussicht 1

34117 Kassel

Di–So und Feiertage 10–17 Uhr / Do 10–20 Uhr

www.museum-kassel.de