19.04.2014 07:00 Kunsthalle

Ausstellung in Karlsruhe: Grünewalds Kreuztragung - die Restaurierung eines Hauptwerkes deutscher Kunst

ausstellung karlsruhe

Seit einigen Jahren wird die „Kreuztragung Christi“ restauriert, die Mathis Neithart Gothart – genannt Grünewald – um 1523/25 gemalt hat; © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

kunsthalle karlsruheausstellung kunsthalle karlsruhe
Von: GFDK - Kunsthalle Karlsruhe

Die Karlsruher Kunsthalle erwarb im Jahr 1900 den sogenannten „Tauber- bischofsheimer Altar“ von Mathis Gothart Nithart, genannt Matthias Grünewald. Dieser besteht aus den Gemälden „Die Kreuztragung Christi“ und „Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes“, die ursprünglich Vorder- und Rückseite einer einzigen, 1883 jedoch gespaltenen Tafel bildeten. Seit nunmehr über hundert Jahren sind sie eine viel bewunderte Hauptattraktion der Karlsruher Sammlung.  

Ausstellung in Karlsruhe

Die Tafel mit den um 1525 entstandenen Gemälden stand, wie zu vermu- ten ist, frei und ohne seitliche Flügel in der Tauberbischofsheimer Stadt- kirche St. Martin. Schlechte konservatorische Bedingungen führten zu erheblichen Schäden, insbesondere bei der Kreuztragung, die durch unsachgemäße Restaurierungsmaßnahmen noch verstärkt wurden. Die Spaltung der Tafel und die sich anschließende Übermalung großer Partien der Kreuztragung erscheinen aus heutiger Sicht überaus problematisch. Großflächige, erheblich nachgedunkelte Retuschen und Übermalungen überdecken seitdem etwa fünfzig Prozent des Gemäldes. Sie wurden ohne Berücksichtigung vorgegebener Formen ausgeführt und stören als dunkle formlose Flecken.  

1994 begann eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Zustand des Tauberbischofsheimer Altars. Die Entscheidung zur Restaurie- rung der Kreuztragung basiert auf überraschend positiven Ergebnissen, denn es ist sehr viel mehr Originalsubstanz erhalten als zuvor erwartet. 2003 begann die eigentliche Restaurierung, die bis heute in den Händen von Diplom-Restauratorin Karin Achenbach-Stolz liegt.    

Freunde der Kunst

In einer konzentrierten Ausstellung wird der Öffentlichkeit vom 3. April an ein Zwischenstand präsentiert, der einen Vergleich freigelegter und nicht freigelegter Partien ermöglicht und dabei deutlich macht, wie sehr sich die mühseligen Arbeiten lohnen: Zum Vorschein kommt eine strahlende Farbigkeit, die einen neuen Eindruck von Grünewalds spätem Passionsbild, einem Hauptwerk deutscher Kunstgeschichte, gibt. Denn die einzigartige Ausdruckskraft der Werke Grünewalds ist wesentlich bestimmt durch ihre farbliche Gestaltung.  

Bisher sind rund 25% des Gemäldes, darunter besonders problematische Partien, freigelegt. Noch viel Arbeit bleibt zu tun: Auf die Freilegung werden die Bearbeitung der Kittungen und das Retuschieren der Fehlstellen folgen. Um die gewiss noch einige Jahre in Anspruch nehmenden Arbeiten zu beschleunigen, bemüht sich die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe um zusätzliches Personal. Dazu ist die finanzielle Unterstützung von Stiftungen und privaten Geldgebern nötig und erwünscht. Die Werner-Stober-Stiftung, Karlsruhe, hat bereits substanzielle Hilfe geleistet, die Kulturstiftung der Länder diese in Aussicht gestellt.  

In der Ausstellung zu sehen sind neben den beiden Originalgemälden des Tauberbischofsheimer Altars erläuternde Texte und Bilder zu den Restau- rierungsmaßnahmen. Ein 15-minütiger Film, hergestellt und gefördert von der Karlsruher kambeckfilm GmbH, informiert zusätzlich über Hintergründe und Methoden der Restaurierung. 

presse@kunsthalle-karlsruhe.de