07.03.2014 08:00 Kunstsammlung

Ausstellung in Jena: Paule Hammer. Magazin und Enzyklopädie - Bilder, Objekte und Installationen

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Hammers Kunst reibt sich an Schicksalen; (c) Paule Hammer

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Von: GFDK - Kunstsammlung Jena

Chroniken der Welt wurden bereits seit Beginn unserer Zeitrechnung verfasst. Hartmann Schedels sensationelle Buchveröffentlichung, Die Schedel’sche Weltchronikaus dem Jahr 1493 reiht sich also ein in eine lange Folge von Werken, die meist den Anspruch erhoben, die gesamte Weltgeschichte bis in die jeweils aktuelle Gegenwart des Chronisten darzustellen.

Ausstellung in Jena

Paule Hammer, 1975 in Leipzig geboren und aufgewachsen im thüringischen Suhl, spielt mit diesem Ansatz und formt einen Mikrokosmos, der subjektiv und weltoffen zugleich, Geschichte aus Geschichten entwickelt und diese in nahezu barocker Fülle darzustellen weiß. Die Bilder, Texte und Geschichten schwingen wie Facetten in einem Kaleidoskop, welches in sperriger Originalität einen Blick auf eine Welt erlaubt, die anders, intuitiver, geschichtet ist.

Egal ob Gemälde, Zeichnung, Plastik oder Installation: Hammers Kunst reibt sich an Schicksalen, er monologisiert, erfasst sein Gegenüber in langen Gesprächen, er durchstreift die Gefilde der Wissenschaften, der Kunst oder der Literatur und ist spürbar auch dort zu Hause, wo persönliche Findungen nicht ohne existenzielle Nöte vorüber gehen. Vieles ist vertraut und befremdlich zugleich, Hammer liebt Abgründe, die das Leben durchädern und das Individuelle aus einer Welt herausschälen, die oft so ereignislos dahindümpelt.

Freunde der Kunst

Hammers Mikrokosmos ist jedoch kein Lehrbuch zur Welterklärung. Er definiert mit dem Titel „Magazin und Enzyklopädie“ ein Ziel, das im Grunde maßlos ist und weder Zufall noch obsessive Willkür scheut. Das reizt alle Sinne und berührt auch gerade deshalb, weil die Geometrie, die das trägt, so fragil und irrational ist, das man sich voller Lust darin verlieren kann.

Ausgehend von diesem Anspruch entwickelt Hammer einen Mikrokosmos der Vielfalt, ein Geflecht menschlicher Entäußerungen und Wahrnehmungen, die sich in viele Richtungen dehnen und strecken. Vaterkomplexe stehen neben dem Nachdenken über Heimat, Tagebuchaufzeichnungen folgen nach einer Abhandlung über Fledermäuse und Spiderman, Dracula begegnet Osama bin Laden und die Welt wird in einem Mikrokosmos verdichtet, der gerade deshalb, weil er die Gegenwart hermetisch verkürzt, an künstlerischem Reiz gewinnt.

Paule Hammer hat an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei studiert, war bis 2004 Meisterschüler bei Sighard Gille und lebt und arbeitet in Leipzig. Mit dieser Ausstellung werden die Arbeiten Paule Hammers erstmals in Thüringen vorgestellt.

erik.stephan@jena.de