10.05.2013 07:00 in der L.A.Galerie

Ausstellung in Frankfurt: Julian Faulhaber "Catalogue" - fotografiert, was er sieht, nicht was er, wie die Werbewelt, inszeniert

Julian Faulhaber in der L.A. Galerie Frankfurt

Julian Faulhaber in der L.A. Galerie, Frankfurt; (c) Julian Faulhaber

Julian Faulhaber ausstellung in frankfurt
Von: GFDK - L.A. Galerie - 2 Bilder

Julian Faulhaber fotografiert, was er sieht, nicht was er, wie die Werbewelt, inszeniert. Das ist das Unglaubwürdige in seiner bisherigen Arbeit – er findet Räume, Szenerien, Details, Momente des Alltags, die wir nicht sehen – so jedenfalls nicht, wie er sie festhält.

Zehn Jahre hat er uns auf Abstand gehalten. In Abstand zu seinen Räumen,  Abstand zur Gewissheit, zur klaren Erkenntnis und den konkreten Hintergründen seiner Motive. Er hat so durch die gewisse Leere die Imagination provoziert – beides, kontemplative Stille und Raum für wilde Spekulationen.

Mit der Ausstellung „Catalogue“ lässt er uns erstmals hinter die Kulissen schauen und zeigt alles. Er nimmt uns mit auf eine Reise, die er bereits vor 15 Jahren begann als Fotoassistent bei Werbeshootings an der Küste von Kapstadt in Südafrika.

Ausstellung in Frankfurt

„Damals war ich mittendrin,  jetzt bin ich wie ein Tourist zurückgekehrt. Ich habe meine Kamera herausgeholt und fotografiert, was ich gesehen habe. Die Alltagsroutine, Restaurants werden eröffnet, Männer säubern die Vorgärten, streichen Häuser, es gibt Baustellen und die Sets der Werbeindustrie. Hier wird mit Vorliebe Katalogware fotografiert. Ich wollte aber nicht die Menschen zeigen, nicht deren Emotionen, sondern alles wie Produkte sehen. Dabei habe ich mich bewusst von allem fern gehalten, um mich so vor zu viel Intimität zu schützen.“

Freunde der Kunst

Abstand halten. Möglichst abstrakt die Dinge betrachten, kein Voyeur sein, nichts bekämpfen, nichts lieben, kein Mitleid, keine Empathie. Das Abgebildete soll exemplarisch wirken, alles ist austauschbar, schemenhaft und folgt den gleichen Mustern. So funktioniert Werbung und ein großer Teil der Welt. Es werden Bilder produziert, die persönlichkeitslose Hüllen sind. Jeder kann hineinschlüpfen, wie er will. Schöne, leere, perfekte Welt – wie es scheinbar schon die LDPE Arbeiten von Julian Faulhaber suggerierten. Absolute, ideale Projektionsflächen, wenn sie nicht in ihrer Perfektion jenen stillen, schleichenden, schaudererregenden Zweifel wecken würden, dass hier irgendetwas nicht stimmt. 

Bildende Kunst

Und exakt hier beginnt die zweifelnde Expedition des Betrachters, der detektivisch das vermeintlich Abstrakte mit Konkretem, Lebendigem, Persönlichem zu füllen sucht, um schließlich festzustellen, dass dies nicht ein Bild der Welt ist, in der wir leben wollen.

L.A. Galerie

Lothar Albrecht

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