31.01.2014 07:00 Kunsthalle Erfurt

Ausstellung in Erfurt: Zwischen Ausstieg und Aktion - DDR war auch cool. Schräg. Avantgardistisch

Zwischen Ausstieg und Aktion  ausstellung in erfurt

Die DDR war auch cool. Schräg. Avantgardistisch; Bild 1: (c) Bernd Hiepe

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Bild 2: (c) Verena Kyselka

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Bild 3: (c) C.D. Spinne

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Bild 4: (c) Gabriele Stötzer

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Bild 5: (c) Reinhard Zabka

Von: GFDK - Kunsthalle Erfurt

Nach einer Phase der Ignoranz hat Ende der 1990er Jahre die wissenschaftliche Auseinan-dersetzung mit der Kunst in der DDR und ihre Einordnung in den kunstgeschichtlichen Kontext begonnen. Die Subkultur in Erfurt mit ihren verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen wurde dabei nur am Rand der Forschung betrachtet. Für die Untersuchung der Gesamterscheinung der Subkulturszene der DDR ist sie aber von besonderer Bedeutung, da sie einige singuläre Aspekte aufweist und an ihrem Beispiel der „Soziotop Provinz“ analysiert und dargestellt werden kann.

Ausstellung in Erfurt

Die Ausstellung subkultureller Kunst aus Erfurt macht auf Künstler_innen aufmerksam, die in Erfurt aktiv waren und heute z. T. vergessen sind. In ihrem unabhängigen Wirken waren sie Wegbereiter_innen der friedlichen Revolution und des Mauerfalls. Sie waren Träger_innen und Bot_innen der provinz- und grenzüberschreitenden Ideen ihrer Zeit. Ihr Beitrag zur politischen Veränderung sowie zur künstlerischen Entwicklung in Erfurt und damit auch in Thüringen steht im Zentrum der Ausstellung.

Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt

Die Subkultur in Erfurt hatte viele Facetten: Es werden neben Einzelkünstler_innen wie Gabriele Stötzer, Reinhard Zabka, Verena Kyselka, C.D. Spinne vor allem die Privatgalerien, Hauskreise, die "Künstlerinnengruppe" und die Punkbewegung betrachtet.

Die Vernetzung zu den anderen subkulturellen Zentren in der DDR, insbesondere Berlin, Dresden und Chemnitz, bildet einen weiteren thematischen Schwerpunkt der Präsentation. So wurden in Erfurt Ausstellungen u. a. von Ralf Kerbach und Eberhard Göschel gezeigt, es fanden gemeinsame künstlerische Aktionen mit Künstler_innen aus Dresden und Berlin (z. B. Cornelia Schleime, Mita Schamal) statt. Und Erfurter Künstler_innen waren mit Ausstellungen, Filmen, Performances bzw. Lesungen in anderen Städten vertreten.

Zwischen Ausstieg und Aktion - Ausstellung in Erfurt

Die Vernetzung war gerade für Künstler_innen, die nicht im Schutz der Öffentlichkeit standen, weil sie nicht prominent waren oder eben in der Provinz agierten, zu einer Überlebensstrategie geworden. Darüber hinaus bot sie aber auch die Möglichkeit zum Austausch über künstlerische Ansätze und Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Ausstellung betrachtet den Zeitraum der 1960er Jahre bis zur Wiedervereinigung 1990. Sie präsentiert neben Kunstwerken aus den verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst wie Fotografie, Film, Video, Malerei, Zeichnung, Grafik, Skulptur, Installation, Objekt, auch Werke der Literatur mit Manuskripten, Büchern, Tonbandaufzeichnungen, musikalisches Material sowie zeitgeschichtliche Dokumente.

Eine umfassende Buchpublikation mit kunstwissenschaftlichen und historischen Analysen und Aufsätzen sowie einer Materialsammlung an Dokumenten wird zu dieser Ausstellung erscheinen.

Durch ein vielfältiges Begleitprogramm sollen zudem die einzelnen Themenkomplexe vertieft und diskutiert werden und das Lebensgefühl, das vor allem von großer Intensität und tiefgreifenden existentiellen Ereignissen und Erlebnissen geprägt war, aber auch durch Lebenslust und Partykultur, veranschaulicht werden.

rita.otto(at)erfurt.de