12.10.2014 09:00 Cubus Kunsthalle

Ausstellung in Duisburg: Bilder auf der Grenze. Fotografien und Fotobemalungen von Johann Georg Müller

ausstellung duisburg

Müller veränderte die Fotos, die Ausdruck der realen Welt sind, durch seine Malerei und erschuf damit eine neue Dimension zwischen Schein und Wirklichkeit; (c) Georg Müller

georg mueller duisburg
Von: GFDK - Cubus Kunsthalle

Der großartige Fund verschollen geglaubter Fotografien von Johann Georg Müller liefert den Anlass für die Ausstellung „Neue Formen des Schauens“ in der cubus kunsthalle, duisburg. Sie lässt zusammen mit dem dazugehörigen Katalog „Bilder auf der Grenze“ das Werk des anerkannten Künstlers der Moderne in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Ausstellung in Duisburg

Der Fund kommt für Kenner der Szene einer Sensation gleich: 302 Aktaufnahmen, 143 Fotoübermalungen sowie Negative und Kontaktabzüge zahlreicher Stillleben, Fensterblicke, Landschafts- und Architekturdetails – Fotoarbeiten von Johann Georg Müller, der bislang „nur“ einen Namen als Maler, Holzschneider und Grafiker hatte. Die aufgefundenen Fotoarbeiten erweitern die Perspektive. Sie belegen nicht nur die Experimentierfreude dieses Künstlers, sondern auch seine Innovationskraft.

Wir wissen nicht, ob diese Arbeiten überhaupt für die Öffentlichkeit bestimmt waren, wurden sie doch zu Lebzeiten Müllers vermutlich nur einmal öffentlich gezeigt – 1984 in Koblenz. Kurz danach stirbt Müller und mit ihm seine Fotografien, die in Vergessenheit gerieten und schließlich als verschollen galten. Wieder am Tageslicht zeigen gerade diese Arbeiten die ganze Breite seines kreativen Schaffens. Sie belegen auf beeindruckend sinnliche Weise Müllers Suche nach der letztgültigen Form, für die er sich zeitlebens unterschiedlicher Medien und Stilrichtungen bediente. Wie in anderen Arbeiten auch spannen sie den für Müller so typischen Bogen zwischen traditionellen Motivdarstellungen einerseits und abstrakten Formexperimenten andererseits.

Deutlich wird auch, dass die Fotografie für Müller kein zweitrangiges Medium war, er machte sie zum integralen Bestandteil seine Malerei und unterlief somit die zuweilen bis heute gültige Hierarchie der künstlerischen Medien. Für ihn war die Fotografie eine „neue, zusätzliche Grafik“, die einen eindrucksvollen Blick in seine Wirklichkeit „innerhalb eines mal dunkel verschlossenen, mal diffus durchlichteten Schattenreichs“ (Sabine-Elsa Müller) zulässt. Wie seine Fotoarbeiten in diesem Fall, so kommt auch die innere Welt Müllers hier immer wieder aus dem Dunkel ans Licht.

Freunde der Kunst

Erhellend sind auch die Beiträge von Dr. Urs Roeber und Sabine Elsa Müller im Ausstellungskatalog. Sie liefern aufschlussreiche Hintergrundinformationen, beleuchten ausgewählte Aspekte, die bei der Entschlüsselung des Gesamtwerkes neue Anreize liefern.

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