24.04.2015 08:00 Verlängert bis Ende 2015

Ausstellung in Düsseldorf: Tomás Saraceno - in orbit - wirkt wie eine surreale Landschaft

ausstellung duesseldorf

Saraceno selbst spricht von einer neuen hybriden Form der Kommunikation; Foto: © Studio Tomás Saraceno 2013 © Kunstsammlung NRW

Tomás Saraceno ausstellungTomás Saraceno duesseldorf
Von: GFDK - Kunstsammlung NRW

Über der Piazza des K21 schwebt in mehr als 25 Meter Höhe die riesige Rauminstallation in orbit des Künstlers Tomás Saraceno. Es ist eine Konstruktion aus Stahlnetzen, die in drei Ebenen unter der gewaltigen Glaskuppel aufgespannt ist. Innerhalb der insgesamt 2.500 Quadratmeter umfassenden Netzstruktur sind ein halbes Dutzend "Sphären",  luftgefüllte Kugeln von bis zu 8,50 Metern Durchmesser, platziert. Besucher können die transparente Installation betreten und sich auf den drei Ebenen zwischen den Kugeln frei bewegen.

Ausstellung in Düsseldorf

In orbit wirkt wie eine surreale Landschaft, erinnert an ein Wolkenmeer. Die Mutigen, die die Installation unterhalb der Glaskuppel erklimmen, nehmen aus luftiger Höhe die Museumsbesucher in der Tiefe wie winzige Figuren in einer Modellwelt wahr. Umgekehrt erscheinen die Menschen im Netz von unten und aus den Zwischengeschossen des Ständehauses wie Schwimmer am Himmel.

Der Raum in der Schwebe wird zu einem schwingenden Netz von Beziehungen, Resonanzen und synchroner Kommunikation. Wenn mehrere Personen gleichzeitig die kühne Konstruktion betreten, gerät sie in Bewegung, die Spannung der Stahlseile und der Abstand der drei Netzebenen verändern sich. Die Besucher können ihre Aktivitäten koordinieren und den Raum, ähnlich wie eine Spinne im Netz, durch Vibrationen wahrnehmen.

Saraceno selbst spricht von einer neuen hybriden Form der Kommunikation. In Ausmaß und Radikalität ist in orbit ohne Vorbild im Gesamtwerk Saracenos. Auch wer das Netz über dem Abgrund nicht betreten mag und die Installation nur visuell erkundet, wird mit den Themen Fliegen, Fallen und Schweben konfrontiert und von den damit verbundenen archetypischen Emotionen erfasst. "Das Werk zu beschreiben, bedeutet die Menschen zu beschreiben, die es benutzen – und deren  Gefühle", erklärt Saraceno.

Selten zielt ein Kunstwerk so unmittelbar auf die Emotionalität – die Angst und die Lust – des Betrachters und greift in die Sichtweise desjenigen ein, der sich auf das Abenteuer einlässt.

in orbit wurde von Saraceno in den vergangenen drei Jahren mit Ingenieuren, Architekten und Biologen geplant und ist die bisher aufwändigste Installation des Künstlers. Auch wenn die Netzkonstruktion allein 3 Tonnen und die größte der  "Sphären" 300 Kilo wiegt, wirkt das präzise in die räumlichen Bedingungen des Ständehauses eingepasste Werk ausgesprochen leicht und bezieht sich in Feinheit und Stabilität auf die Struktur von Spinnennetzen. Seit vielen Jahren studiert der Künstler die Netzbautechnik unterschiedlicher Spinnenarten und fügt seine Erkenntnisse über Funktionalität, Schönheit und Stärke der Netze in seine künstlerische Praxis ein.

Freunde der Kunst

Bilden die genaue Beobachtung der Natur und die gedankliche Weiterentwicklung dieser Phänomene die Basis von  Saracenos Werk, so lassen sich kunstgeschichtliche Bezüge zu Jules Verne und dem amerikanischen Architektur-Visionär Richard Buckminster Fuller erkennen. Die weltweite Realisierung utopistischer Architekturen ist Saracenos Leitthema der letzten Jahre.

Jede einzelne Installation – auch in orbit – ist ein Bestandteil seines visionären Großprojektes Air-Port-City, einer  schwebenden Stadt der Zukunft. Die Wolkenstadt versteht der Künstler als Verwirklichung eines sozial-utopischen Traums und als Antwort auf die zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde, das weltweite Bevölkerungswachstum und die  dramatischen ökologischen Probleme.

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