17.04.2012 07:22 im Haus der Ärzteschaft

Ausstellung in Düsseldorf: Die offizielle Einweihung von Anna K. Kleebergs Flugmenschen am 22. April 2012 um 11 Uhr

Anna K. Kleebergs Flugmensch, Quelle: PR

Von: Jörg Schwarz

Scheinbar schwerelos – Die offizielle Einweihung von Anna K. Kleebergs Flugmenschen im Haus der Ärzteschaft

 

Durch das feine, transluzente Cellophan, das an Seilen befestigt ist, entsteht ein archaischer Bezug: Wie Fahnen weht es leicht im Luftzug des Hauses – ein Jahrhunderte altes Medium, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen und eine Botschaft zu verkünden“, so die Düsseldorfer Künstlerin: Anna Kathrin Kleeberg

 

Die drei 17 Meter langen und drei Meter breiten Fahnen sind mit Drahtseilen an der Dachkonstruktion des imposanten Gebäudes befestigt – die Installation “Flugmensch-Luftkraft” ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend. „Kunst muss zeigen, in wie weit sie Zeit und Raum überwinden kann. Die Kunst, sofern es sich um Kunst handelt, muss sich immer auch wieder vom Zeitgeist trennen.“  [Jörg Immendorff] Diese Installation ist durch die Architektur inspiriert, durch die Verwirklichung von Ästhetik und Funktionalität. “Gute Kunst verlangt mehr als nur handwerklich präzise erarbeitet zu sein. Sie hält den Betrachter, stärkt seine Neugier, sie bewegt ihn zum Wiederkommen, zum Nachsehen. Der Immendorff-Assistentin ist das hier meiner Meinung nach gelungen”, betont Galerist Peter Lewerentz aus Düsseldorf.

 

Am Sonntag, dem 22. April 2012, um 11 Uhr wird das raumgreifende Kunstwerk im Haus der Ärzteschaft an der Tersteegenstraße 9 in Düsseldorf offiziell von Dr. Heribert Brinkmann (Kunsthistoriker und Journalist), Klaus Schumacher (Verwaltungsdirektor der Ärztekammer Nordrhein für das Haus der Ärzteschaft) und Daniel Kas (Assoziierter Partner der RKW) eingeweiht.

 

Insgesamt neun fliegende Menschen, die scheinbar schwerelos im Raum schweben, hat die Künstlerin auf den einzelnen Bahnen mit einer speziellen Lacktechnik zum Leben erweckt. 

Mit der Installation “Flugmensch-Luftkraft“ ist es Anna Kathrin Kleeberg erstmals möglich, auf die ALS Krankheit aufmerksam zu machen, an der Immendorff vor 5 Jahren starb. Der Tagesdurchschnitt der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) neu erkrankten Personen in Deutschland liegt bei zwei bis fünf Menschen. Da diese Zahl sehr gering ist, gibt es wenig staatliche Unterstützung auf diesem Forschungsgebiet. Damit weiter wissenschaftliche Erkenntnisse vorangetrieben werden, sind die Forscher auf die finanzielle Unterstützung durch private Förderer angewiesen.

 

Anlässlich des 5. Todestages von Immendorff entstand die erste ALS-Grafik der Künstlerin in einer Auflage von 100 Exemplaren, im Format 53 x 43 cm. Fertig gerahmt wird dieses Kunsrwerk von der Künstlerin für 120 € angeboten. Der Reinerlös geht an die ALS Initiative Deutschland.

 

„Es ist ein kleiner Beitrag, aber er kommt von mir. Ich habe Immendorff nur kennen gelernt, weil er dieser Krankheit ausgeliefert war und den Ehrgeiz und Willen hatte „geistig weiter zu malen“. Die Art, wie er mit seiner Krankheit umging, beeindruckte mich während meiner Zeit als Assistentin bei Jörg Immendorff. Ohne meine Zeit im Atelier Immendorff  hätte ich kein Bewusstsein für diese heute noch unheilbare Krankheit entwickelt. Wir haben seit Beginn der Aktion 30 Arbeiten in Hamburg und Düsseldorf verkauft”, erklärt die Künstlerin.

 

Die aus Chemnitz stammende Anna Kathrin Kleeberg studierte von 1999 –2005 an der staatlich anerkannten Kunsthochschule Berlin Weißensee. Geprägt sind Kleebergs Arbeiten durch die Studien- und Bühnenzeit im ersten postkommunistischen Jahrzehnt in Berlin. Bereits als Kind wurde sie in einer Malschule gefördert, im Alter von neun Jahren erfolgte die erste Mappenprüfung.

Unterricht erhielt sie bei namhaften Künstlern wie Carsten Nikolai, Rüdiger Phillip Bruhn , Volker Pfüller oder Achim Freyer.

In ihrer Berliner Zeit gehörte sie zu einer Gruppe Gleichgesinnter, die sich gegen die akademische Tradition auflehnte. Es ging diesen Malern und Bühnenbildnern um eine im weitesten Sinne realistische Kunst, die sich in bewusst einfacher Manier an populäre Bildsprachen und alltägliche Motive anlehnt. In Ihren Arbeiten sucht Kleeberg auch immer nach der Berechtigung, Kunst wirklich stattfinden zu lassen.

 

„Ich vergesse, wo und wie ich mich befinde, und trete, während ich schaue, in eine andere Welt ein. Manches dieser Welt erscheint mir vertraut, manches nicht. Verantwortlich für den schnellen Wechsel von einer in die andere Welt können aber nicht allein die Bildmotive sein, denn offenbar mobilisiert das, was ich sehe, was ich wahrnehme, nicht nur meinen optischen Sinn sondern diese Bilder zielen unmittelbar auf meine Physis – meinen Körper. Sie aktivieren jene Akteure in meinem Hirn, die einige Neurologen als Spiegelneuronen identifizierend bezeichnet haben“, sagt der renommierte Kunstkritiker Professor Klaus Honnef zu den Arbeiten von Anna K. Kleeberg.

 

Am Sonntag, dem 22. April 2012, wird um 11 Uhr das großformatige Werk im Haus der Ärzteschaft an der Tersteegenstraße 9 in Düsseldorf offiziell eingeweiht.

 

 

Jörg Schwarz
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Eine Grafik zur Unterstützung der ALS-Initiative in Deutschland

durch Anna Kathrin Kleeberg

 

 

Es ist ein kleiner Beitrag, aber er ist von mir.

 

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit Jörg Immendorff: Zur Begrüßung reichte ich ihm höflich die Hand, er schimpfte: „Wenn ich Dir meine Hand geben könnte, wärst Du nicht hier.“

 

Der Tagesdurchschnitt der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) neu erkrankten Personen in Deutschland liegt bei zwei bis fünf Menschen. Da die Zahl der Erkrankten sehr gering ist, gibt es wenig staatliche Unterstützung auf diesem Forschungsgebiet. Damit weiter wissenschaftliche Erkenntnisse vorangetrieben werden, sind die Forscher auf die finanzielle Unterstützung durch private Förderer angewiesen.

 

Kurz vor seinem Tod zog der Künstler Jörg Immendorff bewusst die öffentliche Aufmerksamkeit auf die seltene Krankheit. Er konzentrierte sich auf das „Bild“ seiner Krankheit und ließ es immer und immer wieder von seinen Assistenten malen. Im Winter 2006 organisierte er in seinem Atelier ein außergewöhnliches Benefiz-Dinner. Der Erlös der verkauften Kunstwerke, die auch von Freunden und Kollegen wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz und von seiner Frau Oda John zur Verfügung gestellt wurden, ging an das damalige ALS Stipendium. Es waren Gäste angereist wie Ben Becker, Jonathan Meese und John Malkovich, die an diesem Abend zum erfolgreichen Verlauf des Dinners beigetragen haben.

Heute, sechs Jahre später, wissen wir nicht viel mehr über das Krankheitsbild als damals. Genetisch bedingt kann es unerwartet ausbrechen. Es beginnt mit einem Muskelschwund und endet mit Atemstillstand.

 

Mittlerweile bin ich verschiedenen Menschen begegnet, die von erkrankten Angehörigen berichten oder selbst betroffen sind.  Wer sich, wie Immendorff, medizinisch auf hohem Niveau betreuen ließ, kann den Verfallsprozess hinauszögern. Der Verlauf der Krankheit ist jedoch nicht aufzuhalten oder zu stabilisieren. Ich habe Immendorff nur kennen gelernt, weil er dieser Krankheit ausgeliefert war und den Ehrgeiz und Willen hatte „geistig weiter zu malen“.

Die Art, wie er mit seiner Krankheit umging, hat uns Assistenten schwer beeindruckt. Er zog sich zurück und machte die Kunst und das Erschaffen von Bildern zu seinem absoluten Lebensmittelpunkt. Mit uns konnte er diese Welt bewohnen, seine großflächigen Bilder bearbeiten und für wenige Stunden aus der Gefangenschaft seines Körpers fliehen. Ohne meine Zeit im Atelier Immendorff, hätte ich kein Bewusstsein für diese heute noch unheilbare Krankheit entwickelt.

Ich habe eine kleine Zeitspanne mit Immendorff verbracht. Damals wuchs in mir das Bewusstsein für die bis heute unheilbare Krankheit. Ich habe den Wunsch, mit meiner Grafik zur Unterstützung der ALS-Initiative Deutschland beizutragen.

 

Anlässlich des 5. Todestages von Immendorff entstand meine erste ALS-Grafik in einer Auflage von 100 Exemplaren, im Format 53 x 43 cm. Der Reinerlös geht an die ALS Initiative Deutschland.

 

Heute ist der 27. März 2012 und wir haben seit Beginn der Aktion im Januar 30 Arbeiten in Hamburg und Düsseldorf verkauft. Vielen Dank.

 

Anna K. Kleeberg