03.09.2012 07:05 14. September – 10. November 2012

Ausstellung in Berlin: Neue Bilderserie der englischen Künstlerin Clare Woods The Dark Matter

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Von: BUCHMANN GALERIE BERLIN - 3 Bilder

Die Arbeiten sind das Ergebnis eines komplexen Prozesses, in dem Fotografien als Skizzen für die Gemälde herangezogen werden. In deren Zentrum stehen ländliche, verlassene Orte, irgendwo zwischen dicht bevölkerten Stadträumen und verlassenen Landstrichen. Für die Aufnahmen ihrer nächtlichen Skizzen setzt Clare Woods oft ein Blitzlichtgerät ein; die Überbelichtung bewirkt eine Auflösung der
fotografischen Realität. In dem daran anschließenden zeichnerischen Prozess wählt Clare Woods mit einem Stift interessante Bildelemente aus und schafft dadurch ein Schwarz-Weiß-Muster. Der dritte Schritt wird von einer spontanen Malerei bestimmt, offen für Zufälle oder unwillkürliche Tropfen und Schlieren.


Der Bildträger Aluminium bewirkt einen metallischen und zugleich sanften Ton der leuchtenden Farben. Es ist der Kontrast zwischen betont künstlicher Farbe und Sujet, die Natur, der diesen Bildern ihre übernatürliche und leicht bedrohliche Ausstrahlung verleiht.
Die Natur präsentiert sich in den Arbeiten von Clare Woods keineswegs vertraut, mitunter wirkt sie sogar unheimlich – eine Konzeption, die sowohl auf die Sichtweise der britischen Landschaftsmalerei der Romantik (wie bei John Constable) als auch der Moderne zurückzuführen ist (wie bei Paul Nash oder
Jean Fautrier, dessen Large Tragic Head aus dem Jahr 1942 Woods zu The Unreturning inspiriert haben könnte).


Diese lange Tradition widmet sich anfänglich der Beziehung zwischen Stadt und Land und hinterfragt schließlich – in einer postindustriellen Gesellschaft – die Kluft zwischen menschlicher Technik und Natur. Anders als in der akademischen Landschaftsmalerei sind in Woods Bildern keine Horizonte zu erkennen. Sie umkreisen und absorbieren unsere Wahrnehmung; sie überwältigen den Intellekt, um dem Affekt Raum zu geben.


Angesichts von Clare Woods Interesse für die englische Moderne (insbesondere Dichtung und Kunst) spielt auch die evozierende Kraft des Titels eine wichtige Rolle: Mit Dark matter (Dunkle Materie) bezeichnet die Physik eine unsichtbare Materie, deren Masse für die Erklärung der Gravitationskräfte der sichtbaren Materie im Universum von Bedeutung ist. Sie ist mit der Vorstellung von Chaos und
Dunkelheit verbunden und umschreibt Clare Woods Idee von der Darstellung in der Kunst auf recht prägnante Weise: Energiekräfte, die die Leinwand durchziehen und zwischen Abstraktion und Figuration wandern.


Vor diesem Hintergrund erschaffen ihre Titel ein ominöses semantisches Netz, das an T.S. Eliots berühmtestes Gedicht, The Waste Land (dt. Das wüste Land), als Hommage an den Meister der Moderne erinnert: „What are the roots that clutch, what branches grow / Out of this stony rubbish? Son of man / You cannot say, or guess, for you know only / A heap of broken images, where the sun beats, / And
the dead tree gives no shelter, the cricket no relief, / And the dry stone no sound of water.“


Die Arbeiten von Clare Woods waren jüngst in Einzelausstellungen im The Hepworth Wakefield und in der Southampton City Art Gallery zu sehen. Vor kurzem hat die Künstlerin für ein Gebäude des Olympischen Parks in London eine Fassade gestaltet. Ihre Arbeiten finden sich unter anderem in der Margulies
Collection, Miami, im British Council, London, der National Collection of Wales, dem Arken Museum of Modern Art, Kopenhagen, und der Albright-Knox Art Gallery, Buffalo.

 

 

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Bildlegende:

Clare Woods
The Thunder House, 2012
Öl auf Aluminium
100 x 150 cm

Clare Woods
The Unreturning, 2012
Öl auf Aluminium
70 x 50 cm

Clare Woods
Don't Hope, 2012
Öl auf Aluminium
150 x 100 cm

Clare Woods
The Thunder House, 2012
Öl auf Aluminium
100 x 150 cm