09.07.2014 07:00 Galerie Michael Janssen

Ausstellung in Berlin: Meg Cranston - Überschneidungen zwischen individueller und gemeinschaftlicher Erfahrung

Meg Cranston ausstellung berlin

Die Arbeiten reflektieren das Anliegen der Künstlerin, formales Experiment und bekannte kulturelle Referenzen miteinander zu vermengen; (c) Meg Cranston

Von: GFDK - Galerie Michael Janssen

Die neuen Bilder entstanden nach Cranstons Collagen, und zeigen Flaschen und Vasen, sowie Hunde, die Cranston zuvor in einem Tierheim in Los Angeles fotografiert hat, beides häufig auftretende Sujets in der Malerei. Die Arbeiten reflektieren das Anliegen der Künstlerin, formales Experiment und bekannte kulturelle Referenzen miteinander zu vermengen. Damit folgt sie ähnlichen Strategien anderer, in Los Angeles arbeitender Künstler, wie John Baldessari oder Ed Ruscha.

Ausstellung in Berlin

Cranston untersucht in ihrer Arbeit die Überschneidungen zwischen individueller und gemeinschaftlicher Erfahrung und wie bildliche Darstellung und Objekte in unserer Kultur eine Bedeutung bekommen. Aus Elementenaus diverser Ästhetiken der Farbtheorie, des Design, der Mode und der Supermarkt-Werbung gestaltet Cranston ausdrucksstarke Collagen, Gemälde, Installationen und Skulpturen. In ihren Arbeiten stehen vorgefundene Bildsprachen monochromen, abstrakten Formen gegenüber. Oftmals nimmt sie persönliche Eigenschaften oder historische Ereignisse als Ausgangspunkt, doch letztlich beschäftigt sich ihre Arbeit mit der Formensprache der Kunst und der Rolle des Künstlers dabei, uns zu neuen Sichtweisen auf die Welt zu verhelfen. Die Farben einiger der neueren Arbeiten entstammen Farbtrendvorhersagen für die Mode- und Interiordesign Industrien.

Kürzlich arbeitete Cranston mit John Baldessari zusammen. Es entstanden zwei Serien mit den Titeln Keep it Fresh und Real Painting (for Aunt Cora). Die Serien wurden bei Michael Janssen in Singapur (2013) und in Berlin (2014) gezeigt. Die Zusammenarbeit war für beide Künstler ein Weg, um zu neuen Lösungen zu gelangen. Für die Ausstellung haben sie Text- und Farbflächen eine simultane Wirkung zugestanden, um eine neue und unerwartete Resonanz und Tiefe zu erzielen. Die zugrunde liegende Idee war, alte Texte von John Baldessari zu verwenden und diese durch das Einfügen in den Kontext von Farbtrends zu aktualisieren.

Für ihre Installation Emerald City (2013) - für die sie die Auszeichnung Artadia NADA New York bekam - versah die Künstlerin zwei Wände der Galerie mit einem smaragdgrünen Anstrich. Dazu hing ein Bild aus dem Jahr 2011 von Kate Middleton in einem smaragdfarbenen Faltenkleid auf einer dieser Wände - die Farbe Smaragdgrün wurde hier als eine Art "Readymade" eingesetzt.

Freunde der Kunst

Einst verließ sich die Wirtschaft auf die Werbung als Mittel zur weitestmöglichen Durchdringung des Marktes mit ihren Produkten. Inzwischen benutzt man eher sorgfältig choreografierte Stimmungen, Gesten und natürlich Farbe. So bestimmte z. B. die Pantone Corporation in einer streng-geheimen, zweitägigen Zusammenkunft im Dezember 2012 die Farbe Smaragdgrün zur Trendfarbe für das Jahr 2013. Also ist Kate Middleton, so wie auf Cranstons Bild dargestellt, scheinbar bereits ein Jahr zuvor Trendvorreiterin, bevor Pantone überhaupt den neuen chromatischen Zeitgeist ausruft. So wandelt sich das Readymade vom einfachen Objekt zu einem Kontext, in welchem ein Produkt verbreitet und verhandelt wird - und in diesem spezifischen Fall geht das königliche Vorbild in der massenhaften globalen kulturellen Verbreitung auf.

Mit Emerald City zeigt Meg Cranston die weniger eindeutigen Hintergründe der künstlerischen Autonomie auf, allein die Farbwahl aus der Palette eines Künstlers oder eines Kleidungsstücks erfolgt keineswegs nach den angenommenen autonomen Kriterien. Cranston erwähnte einmal im Interview, sie interessiere im Grunde nicht für eine Kritik der wirtschaftlich bestimmten Lebenswelten. Vielmehr beschäftige sie sich mit dem symbiotischen Verhältnis zwischen menschlicher Identität und dem Branding, der Markenpolitik.

presse@galeriemichaeljanssen.de